Psycho-Dragons Reisen

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Silverdrak
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Re: Psycho-Dragons Reisen

#106 Beitragvon Silverdrak » Mi 12 Aug, 2015 00:44

[ Hoffe es macht sonst noch jemand mit...
Weil ich durch langen Pause immer vergesse welche Teile wir schon haben... Hier mal der aktuelle Stand. Ich glaube Mar'self hatte sich im Text weiter vorne verzählt. Es fehlen noch 3 Teile nicht 4 (zwei Ringe und der Stein in der Mitte). ]


Flir beobachtete das Wasser, dass sich um den Dämon sammelte und zog ihre imaginäre Klaue zurück als sie merkte, dass der Stein von alleine an Position blieb. Zwar konnte ihr nichts passieren, aber sie wollte die anderen damit nicht stören, Magie war kompliziert und erforderte viel Konzentration. Ablenkung war da schlecht. Als der Strudel verschwand, fing sie den Stein auf kurz bevor er den Boden berühren konnte.
"Haha... na Kleiner? Wie gefällt dir das?" Flir spähte triumphierend in den kleinen Edelstein. Er schien deutlich schwerer geworden zu sein und im Inneren waren Bewegungen zu erkennen.

Tsi jubelte als der Dämon in dem Juwel verschwand. Das hatte geklappt.

"Lass ihn bloss nicht fallen." kam erschöpft von Envy. Das wärs noch, wenn der rote Stein jetzt auf einen Stein oder was anderes hartes fiel und zerbrach, ging alles von vorne los. Er war auf dem Glas gelandet und rollte sich in dem kühlenden Nass der Wasserpfütze, die zurück geblieben war. Das war gut... Es war anstrengender gewesen, als er gedacht hatte. Glücklicherweise hatte der große Weiße mitgeholfen. Als der plötzlich einen Schatten auf ihn warf flatterte er rasch auf. Große Drachen wussten nicht immer wo sie ihre Füsse hinstellten.

"Gut gemacht, Großer!", lobte die Feendrachin Luarcis für seine Anstrengungen.
"Und ich? Ich hab auch geholfen." meldete sich der kleine Schwarze Drache etwas empört.
Aber die Drachin ignorierte ihn grinsend. "Ich denke, wir nehmen ihn erst mal mit. Sky könnte den Stein sicher zu dem Ozean bringen, aber der ist gerade weg." Flir sah sich kurz um um sicher zugehen das ihre Aussage noch stimmte. Sie konnte zwar auch Teleportieren, aber nicht über so weite Strecken und eher zu Orte oder Personen, die sie kannte. Außerdem... gefiel ihr der Stein, es wäre zu schade drum ihn einfach weg zu werfen...

Dann brach der Sturm los. "Oh je oh je oh je..." murmelte Flir und umklammerte den Edelstein fester. Alle drei Feuerechsen gingen rasch bei dem Großen in Deckung.

Tsi zirpte erstaunt etwas unverständliches in ihrer Sprache als sich der Sand legte und die Sicht auf die Pyramide frei wurde.
"Du sagst es!", pflichtete die Feendrachin ihr bei. "Wo kommt die jetzt her?"

"Monster Teil. Aber architektonisch nicht sonderlich kreativ... oder was meint ihr?" kam von dem Schwarzen. Nach kurzer Betrachtung ließ er sich auf Luarcis Rücken nieder. Es war viel zu warm zum fliegen.
Flir gesellte sich zu ihm.
Tsi zog es allerdings vor sich von den warmen Winden tragen zulassen, sie genoss die Sonnenstrahlen. Ihr gefiel es hier. In langen Bögen flog sie zwischen den anderen umher. Von Zeenpha hielt sie jedoch lieber etwas Abstand. Der schien nicht gut drauf zu sein.

"Was machen wir jetzt?" Flirs Blick ging zu der kleinen Sonnendrachin, die eine Antwort zirpte, und nickte. "Du hast recht wir müssen Silvi wiederfinden."


Sky hielt kurz inne und sah einen Moment nach oben. Dann hatten sie den kleinen roten Edelstein aus Silvis Beutel wohl gefunden und den Dämon endlich erledigt bzw weggesperrt. Ein Problem weniger.




"Oh, nein nein nein... Bitte nicht über mir einstürzen! Bitte nicht über mir einstürzen!" Die Wände des Gangs begannen plötzlich beängstigend zu wackeln, Staub und Sand vernebelte die Luft. Sie war bereits ein Stück weiter in den Gang gelaufen. Angstvoll musterte sie nun die Decke und wusste nicht so recht was sie tun sollte. Warum machte sie das überhaupt? Vielleicht sollte sie einfach im Dazwischen verschwinden. An einen schönen sonnigen Ort, an dem man sie nicht fand... Aber dann sah sie aus den Augenwinkeln die Greifin. Die konnte sie doch nicht allein lassen. Nichts war schlimmer als allein verschüttet zu sein und dann war da noch Tarar, die vielleicht Hilfe brauchte und die anderen oben, die dann auf dieser Welt gestrandet wären. Sie seufzte leise, eilig drehte sie um und stellte sich über Zephir. Die Greifin war offenbar verletzt. Sie war nicht sicher, ob sie schnell laufen konnte, daher beschloss sie das Federtier in Schutz zu nehmen. Diesmal allerdings stämmte die Silberne Schwanz und Schädel gegen die Decke. Die neuen Gänge waren niedriger als die anderen. Fail legte sie vorher unter sich ab. Zögerlich drückte sie auch die kaputten Flügel gegen den Stein, biss dabei die Zähne zusammen. Sie hoffte dass das ihren Teil des Gangs stabil hielt. Angespannt wartete sie ab bis das Beben endete. Es dauerte eine Weile aber schließlich öffnete sie vorsichtig wieder die Augen. Sie hatte nicht wissen wollen, was rund um passierte solange sich alles schüttelte.

Der Gang vor ihnen hatte offenbar gehalten. Zögerlich zog sie Flügel, Kopf und Schwanz wieder ein. Erleichtert stellte sie fest, dass die Decke hielt. "Diesmal ist wohl alles gut gegangen.", meinte sie zu Zephir und spähte wieder in den Gang vor sich. Der Staub vernebelte immer noch alles, allerdings war da nun ein Leuchten an den Wänden und sorgten für etwas Licht im Dunkeln. Die Linien waren ihr vorher gar nicht so aufgefallen. Doch jetzt wo sie leuchteten waren sie nicht zu übersehen. Sie schienen sich endlos immer weiter zu schlängeln. Das sanfte blau war irgendwie angenehm. Etwas kitzelte sie am Bein. "Fail, ich dachte..." Sie stockte. Das war nicht Fail. Entsetzt musterte sie den kleinen Tentakel. "Firnor!" Hastig wich sie zurück und hätte die Greifin dabei fast umgerannt. Angestrengt starrte sie durch die trübe Luft. "Wo bist du?" Keine Antwort. "Spiel nicht mit mir." Er konnte überall sein. Sie suchte weiter doch außer einem erneuten Kitzeln an ihrem Bein blieb alles ruhig. Ihr Blick ging wieder zu dem Tentakel. Er war klein... um nicht zusagen winzig. Ein Stück größer als Fail. Vielleicht war das gar nicht Firnors Kreatur. "Husch! Geh... weg." Sie hob den Vorderfuss an doch dann wuschelte es zum anderen und tätschelte diesen. Offenbar war es hungrig. Jedes Mal nahm es ein ganz bisschen Energie von ihr. Nichts was sie wirklich merkte.

Noch einmal suchte Silvi den Gang nach dem schwarzen Drachen ab, aber er war nicht da. Sie atmete einmal tief durch. Wie wahrscheinlich war es hier auf eine solche Kreatur zu treffen? Da es offenbar nicht gefährlich war, ließ sie es machen. Vorsichtig hob sie Fail wieder auf ihren Kopf. Vielleicht würde es wieder verschwinden, wenn es satt war. Langsam schritt sie wieder voran. Ein kleiner Fleck im Boden folgte ihr.

Der kleine Tentakel war froh endlich eine bekannte Energie-Signatur gefunden zu haben. Es hatte so lange gesucht.




"Zuneigung? Ich hätte niemals erwartet sowas in dir vorzufinden." Er hatte in den letzten Wochen so viel Zerstörungswut und Unbarmherzigkeit gesehen, dass er mit sowas gar nicht gerechnet hatte.

Firnor schnaubte und schüttelte seinen Kopf, versuchte die lästige Stimme loszuwerden. Er lauschte einen Moment. Es war wieder still. Zufrieden kuschelte er sich in die schwarzen Tentakel. Sie hatten ihn wiedergefunden. Es war wohl eine der wenigen Kreaturen denen er trotz der vielen Stacheln keinen Schaden zufügen konnte. Sie schlängelten sich immer an ihnen vorbei egal wie er sich drehte. Immer wieder tätschelten die langen Arme gegen seine Wunden und jedes Mal wurden sie etwas kleiner. Genau genommen war dieses Wesen längst nicht mehr ein einzelnes. Das ursprüngliche Wesen war über die Jahrhunderte beträchtlich gewachsen und bildete sicher immer noch den größten Teil, es konnten den ganzen Drachen verbergen, wenn es wollte, doch meist sah man nur die "Spitze des Eisbergs". Aber immer wieder lösten sich einzelne Tentakel und bildete eigenständige Ableger. Nichts desto trotz blieben sie zusammen. Gemeinsam waren sie stärker. Die Tentakel waren keines Falls unverwundbar. Große Tentakel waren schwer klein zukriegen, da sie einem die Energie aussaugen konnten bevor man sich bis zu ihrem Kern vorgearbeitet hatte, der tief versteckt im Boden lag. Kleine Sproßen hingegen hatten weder die Kapazitäten so viel Energie aufzunehmen noch waren die Tentakel lang genug um sich in sicheren Tiefen bewegen zu können. Natürlich konnten sie sich auf die Spektral Ebene zurück ziehen, aber dort gab es keine Nahrung für sie und ohne Energie wurden sie kleiner bis sie sich schließlich gänzlich auflösten. Eigentlich gingen die Tentakel eher selten Bündnisse mit anderen Wesen ein. Warum sollten sie ihre Energie mit anderen Teilen? Und viele verabscheuten Kreaturen, die Ihnen Energie raubten. Firnor hatte sich mit seinen schwarzen Tentakeln arrangiert. Sie konnten jederzeit Energie von ihm nehmen. Dafür waren sie für ihn da wenn er Hilfe brauchte. Es war ein altes Bündnis. Er war kaum älter als ein paar Wochen gewesen als er dieser sonderbaren Kreatur begegnete. Mit seinen Geschwistern zum Sterben auf einem trockenen unwirtlichen Planeten ausgesetzt, hatte er sich alleine auf die Suche nach etwas essbarem gemacht und war dabei einem Dämon begegnet, der gerade diese Kreatur aus dem Boden unter sich zerrte. Eigentlich hatte er es lediglich auf das Fleisch des Dämons abgesehen, der ihn -abgelenkt- gar nicht kommen sah. Aber die Tentakel blieben seither bei ihm. Rasch erkannte er die Vorteile seines neuen Begleiters. Die Tentakel fanden mit Leichtigkeit Beute, konnte sie festhalten oder ablenken und alles nur im Gegenzug für etwas Energie.

"Was hast du eigentlich vor?"

Firnor brummte verstimmt. Da war sie schon wieder und riss ihn aus seinen Erinnerungen.

"All die Zerstörung... Die Schätze interessieren dich ja offensichtlich nicht so." Nur ein paar ausgewählte Objekte hatte er bislang für sich behalten. Das übrige Geschmeide hatte er seinen Untergebenen überlassen.

Auch wenn er wusste, dass das nichts brachte, rollte sich der Chaosdrache auf die andere Seite.

"Und wer ist sie?" Das Bild der Drachin tauchte immer wieder in den Gedanken auf, doch konnte er aus den chaotischen Gedankengängen des Drachen keine weiteren Informationen ziehen. Es war wie als würde der Drache über 20 Dinge gleichzeitig zu verschiedenen Zeitpunkten nachdenken. Ein Schema hatte er bislang nicht ausmachen können. Es ergab nichts einen Sinn und dennoch schien der Drache einen klaren Plan vor Augen zu haben.

"Das geht dich gar nichts an."

"Nun irgendwie schon. Ich stecke mit dir in diesem Körper und du tust Dinge für die ich mich irgendwie verantwortlich fühle." Der Planetenwächter hämmerte gegen die Barriere, die ihn in seinem eigenen Körper einsperrte. Seit der Rettung seines Planeten hatte er neuen Mut gefasst. Aufgegeben hatte er jedenfalls noch nicht. Wenn der Drache zu positiven, nicht destruktiven Gefühlen fähig war, gab es vielleicht einen Hauch von Hoffnung ihn von seinem zerstörerischen Weg abzubringen. Zumindest konnte man dort vielleicht einen Hebel ansetzen. Was er tat ergab überhaupt gar keinen Sinn. Warum eroberte er die ganzen Welten, manche nur halbherzig, wenn er letztlich kein weiteres Interesse daran hatte? Oder tat er es nur weil er Spaß am morden und zerstören hatte? Nein, irgendwie wurde er das Gefühl nicht los, dass da mehr hinter steckte.

"Wenn du mich weiter nervst, sperre ich dich in ein noch kleineres Eckchen, deines erbärmlichen Körpers.", grollte Firnor. Er wollte endlich seine Ruhe. Er musste sich regenerieren. Es gab noch so viele Welten, die er erobern musste. "Dieser Körper hält nichts aus. Wie hast du nur bis jetzt damit überlebt? ... ach hab ich ganz vergessen, hättest du ja nicht, wenn ich nicht da gewesen wäre."

"Wenns nach mir geht, kannst du ihn gerne wieder verlassen..."

Fast ein wenig sehnsüchtig dachte Firnor an die Zeiten zurück in denen er Silvis Körper steuerte, der im Vergleich zu diesem Körper nahezu perfekt war. Dieser vertrug seine dunkle Energie schlecht und regenerierte sich unheimlich langsam.

"Geh doch zurück. Was hindert dich daran?"

Firnor spielte einen Moment mit dem Gedanken. Es würde alles so viel einfacher machen... Aber Silvi würde ihn wohl schlimmer nerven. Und es wäre kompliziert. Er war nicht sicher, ob sein Zauber auf der Drachin wirken würde. Mar'self hatte Maßnahmen getroffen sie vor ihm zu schützen, vielleicht waren sie nach wie vor aktiv. Er wollte nicht wieder als Gefangener enden. Davon hatte er genug. Sicherlich suchte Mar'self nach ihm. Er war Teil seines Experiments und würde was dagegen haben, dass er frei rum lief. Glücklicherweise konnte der Platindrache Sera nicht verlassen.

Etwas anderes kam ihm wieder in den Sinn. Waruf hatte behauptet Silvi sei die Reinkarnation von Yinrai. Wenn es so war, wäre sie sein Erzfeind, sein Gegenpol. Nur - und das verwirrte ihn etwas - ... hegte er keine Feindseeligen Gefühle ihr gegenüber. Er hasste die Lichtdrachen, aber Silvi... Nein, sie war anders. Sie war nicht wie die. Nun er kannte nicht alle und auch Yinrai war er nie begegnet, aber zu denen die er kannte passte sie nicht. Da war nicht diese Arroganz, die die Lichtdrachen stets an den Tag legten. Er war sicher sie würde ihr neues Leben ohne ihn genießen. Seine pure Anwesenheit hatte ihr stets Schwierigkeiten gebracht ohne das sie was dafür tun musste. Jetzt wo er weg war, würde auch der dunkle Schleier auf ihren Schuppen fort sein. Unter den anderen seranischen Drachen würde sie nicht mehr herausstechen. Nun wurde sie dort sicher akzeptiert und nicht mehr gefürchtet. Irgendwie gönnte er ihr das. Er hatte so viel Zeit mit ihr verbracht und so viel unbegründete Ungerechtigkeit erlebt. Sie hatten eine ganze Menge erlebt...

Nein, er wollte nicht in ihren Körper zurück. Sie war jetzt frei und er auch. So sollte es bleiben. Leise brummend fiel er in einen leichten Schlaf.
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GPX+ - Squiby - DC-Bingo-Liste - Silvi's Lair
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Luarcis
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Re: Psycho-Dragons Reisen

#107 Beitragvon Luarcis » Fr 21 Aug, 2015 18:48

„Danke euch!“ antwortete Luarcis als die kleinen Feuerdrachen sich triumphierend bei ihm für das erfolgreiche Ritual bedankten.

„Wir haben das alles gemeinsam geschafft, ohne euer beherztes Handeln hätten wir keine Chance gehabt.“ fügte er noch lächelnd hinzu. „Wenn wir mal etwas mehr Zeit und Ruhe haben könnt ihr mir ja vielleicht auch was beibringen. Euer Zauber um einen Dämon zu bannen ist einfacher und wirkungsvoller als die Rituale die ich kenne, es wäre sicher hilfreich zu wissen wie das geht.“

Dann hörte er dass die kleinen Drachen momentan nicht in der Lage dazu waren den Kristall an einen sicheren Ort zu bringen.

„Gut, dann bewahrt ihn erst einmal sicher auf, ich denke in euren Klauen ist er gut aufgehoben. Passt gut darauf auf, wir sind sicherlich alle nicht mehr in der Lage dazu ihn noch einmal einzusperren!“ setzte Luarcis noch an, als plötzlich das Schauspiel begann und der Wirbelsturm die große Pyramide frei legte.

Als sie alle auf den Eingang zumarschierten fiel ihm Zeenpha auf, der erst eher mechanisch wie in Trance auf den Eingang zulief und dann scheinbar mit sich selbst rang um die Fassung zu behalten. Leicht mit dem Kopf schüttelnd blickte Luarcis ihm nach. Kurz versuchte er in Zeenphas Aura zu blicken um herauszufinden was mit ihm los war, aber die Aura des seltsamen Sauriers kam ihm schon immer zu verwirrend vor, um irgendetwas zu erkennen. Es bereitete ihm Kopfschmerzen wenn er zu lange darin blickte und momentan war er eh zu schwach und konzentrationslos um etwas zu sehen. Soetwas in der Art hatte er nie zuvor gesehen und er hatte noch nicht die Zeit gefunden zu fragen was genau für ein Wesen er eigentlich war. So hoffte Luarcis einfach dass ihm auch nur der Kampf und die Hitze zugesetzt hatten und es sich schnell wieder geben würde wenn sie erst einmal in den kühlen Gängen der Pyramide waren.

Er selbst jedenfalls atmete sichtlich erleichtert auf, als sie endlich in den Schatten des Gebäudes eintraten und endlich der sengenden Sonne entfliehen konnten. Luarcis brauchte einen Moment bis sich seine Augen an die plötzliche Dunkelheit gewöhnten, nachdem sie so lange dem hellen Licht ausgesetzt waren. Als seine Sicht sich angepasst hatte konnte er die sorgfältig gemauerten Steine an Boden und Wänden erkennen, die hier und da mit verblichenen Zeichnungen aus uralten Zeiten versehen waren. An den Seiten befanden sich in regelmäßigen Abständen Fackelhalter, aber das Holz das sich darin einmal befunden hatte war schon lange verrottet und gesplittert. Luarcis hatte nach den ganzen Strapazen kaum noch Kraft sich überhaupt auf den Beinen zu halten, aber für einen kleinen Lichtzauber musste seine Energie noch reichen, sonst könnten sie schon nach der nächsten Biegung nichts mehr erkennen. Er hob zitternd eine Pranke und sammelte seine Kraft darin, bis sich langsam eine kleine Lichtkugel darüber schwebend bildete. Dann ließ er sie frei und über seinem Kopf schweben während sie sich weiterbewegten. Es war nicht viel, aber zu mehr war er momentan nicht mehr im Stande also musste es reichen. Gemächlich ging er weiter und betrachtete aufmerksam die Zeichnungen an den Wänden. Er kannte solche Illustrationen aus Geschichtsbüchern und versuchte sich vor Augen zu führen was er über die Gepflogenheiten der frühen Menschen hier wusste.

„Seid auf jeden Fall vorsichtig! Diese Bauwerke wurden erschaffen um alte Grabmäler und die Schätze die sich darin befanden zu schützen. In diesen Gängen könnten überall Fallen versteckt sein die vielleicht noch intakt sind!“ rief er den Anderen zu als er sich im Lauf kurz zu ihnen umdrehte. Als er dabei auf eine Bodenplatte trat, die sich mit einem lauten „Klick“ etwas in den Boden drückte, wusste er dass er einen Fehler gemacht hatte. Panisch nahm Luarcis links von sich eine Bewegung an der Wand wahr. Instinktiv richtete er sich halb auf seine Hinterbeine auf und mobilisierte seine letzte noch verbliebene Kraft, die er in dem Augenblick noch sammeln konnte. Ein gewaltiges Fallbeil löste sich aus einem versteckten Schlitz in der Wand und pendelte mit ganzer Wucht auf ihn zu. Er richtete seine Pranken zur Abwehr vor sich und schleuderte seine Energie einfach blind nach vorne um das Beil mit einer Schockwelle abzuhalten. Mit einem dumpfen Schlag fing Luarcis die Klinge mit beiden Klauen auf und versuchte sie zu stoppen. Aber die Wucht war zu stark, knirschend schlitterten seine Krallen über den Boden und hinterließen tiefe Furchen im Stein als das Beil seinen ganzen Körper nach hinten drückte und an die gegenüberliegende Wand quetschte, bis es schließlich endlich zum Stehen kam.
Keuchend stand Luarcis einen endlosen Moment lang da und blickte mit aufgerissenen Augen auf die blanke Klinge, die sich nur Zentimeter vor seiner Brust und Hals befand, nur gehalten durch seine Pranken. Ein dünnes Rinnsal frischen Blutes bildete sich an seinen Klauen und lief dort wo das Beil ihn berührte an seinen Schuppen hinab und tropfte auf den Boden. Mit seiner Kraft konnte er im letzten Moment noch ein dünnes verdichtetes Luftpolster vor seinen Pranken erschaffen, das die größte Wucht des tödlichen Pendels abwehren konnte, aber seine schiere Masse hatte ihm doch schwer zugesetzt. Verzweifelt stemmte sich der weiße Drache mit letzter Kraft gegen die Klinge und schob sie langsam von sich weg. Dass sich der Blutfluss damit noch verstärkte versuchte er so gut es geht zu ignorieren, er hatte keine andere Wahl. Mit einem letzten Aufschrei lehnte er sein ganzes Gewicht dagegen und lies sich dann stöhnend einfach zur Seite fallen. Krachend schlug das Beil nur Zentimeter neben ihm an der Stelle der Wand ein, an der er gerade noch gestanden hatte.

Flach atmend lag Luarcis einige Augenblicke auf der Seite und konnte sich nicht rühren. Mit glasigem Blick starrte er auf seine Pranke, an der sich ein klaffender Schnitt befand. Mit zittrigen Klauen ballte er sie zu einer Faust um wenigstens die Blutung zu hemmen und versuchte sich erst einmal etwas von dem Schock und der Verausgabung zu erholen. Langsam gewann er genug Kraft und Willensstärke zurück um sich keuchend halb aufzurichten. Er war vollkommen am Ende und so würde er keine fünf Schritte mehr weit kommen. Er hatte keine Kraft mehr um überhaupt zu stehen und selbst wenn, mit diesem tiefen Schnitt könnte er kaum laufen, jede Belastung wäre eine Qual.

Mit einem gequälten Lächeln wendete Luarcis seinen Kopf zu den Anderen um und sah erfreut dass sich der kleine schwarze Drache, der es sich vorher auf seinem Rücken gemütlich gemacht hatte, rechtzeig entkommen konnte und ihm scheinbar nichts passiert war.

„Tja was habe ich gesagt, so sollte man es jedenfalls nicht machen…“ presste er in rasselnden Tönen heraus, um sich mit etwas Galgenhumor wenigstens etwas abzulenken und seine Lage zu überdenken. Er brauchte nicht erst in die bestürzten und erschöpften Gesichter zu sehen um zu wissen dass die Anderen genau wie er einen harten Kampf hinter sich hatten und ihre Kräfte für das sparen mussten was womöglich noch kommen könnte. Selbst wenn einer der Drachen in der Lage gewesen wäre ihm zu helfen, er wollte nicht auf ihre Kosten um Hilfe bitten, wenn ihnen ihre Kraft später fehlen könnte.
Nein, er musste da selbst raus kommen. Er war an seine absoluten Grenzen gestoßen, aber seine Lehrmeister hatten ihm beigebracht dass man in so einer Situation seine Grenzen überwinden kann, um noch stärker zu werden. Angestrengt löste Luarcis seinen Tragebeutel, den er stets am Körper trug um seine wichtigsten Habseligkeiten zu transportieren. Er nestelte mit seiner freien Pranke am Verschluss, bis er ihn nach einer gefühlten Ewigkeit endlich lösen und den Beutel öffnen konnte. Vorsichtig wühlte er im Inhalt bis er endlich auf das stieß, was er suchte. Ehrfürchtig zog er zwei Kristalle heraus, die in einem schimmernden blauen Licht leuchteten. Beim genaueren Hinsehen erkannte man, dass es keine reinen Kristalle waren, sondern Phiolen, die scheinbar aus einem ganzen Stück Kristall gefertigt waren. In ihnen befand sich eine schillernde Flüssigkeit, die das blaue Licht absonderte. Auf ihrer Außenseite waren sie mit feinen Runen verziert, ähnlich denen die sich auch auf dem Kristall befanden, in denen Semerkhet eingesperrt war. Tatsächlich wurden die Runen auch für einen ähnlichen Zweck verwendet, um das was sich in den Phiolen befand sicher darin zu halten und zu verwahren. Luarcis steckte eine der beiden Phiolen wieder gut geschützt in seinen Beutel zurück und behielt die andere in seiner Pranke, die er andächtig betrachtete. Diese Phiolen waren sein wertvollster Besitz, kostbarer als es jeder Edelstein oder Gold je sein könnte.

Keine Reichtümer dieser Welt hätten ihm in dieser Situation helfen können. In der Phiole befand sich seine eigene Lebenskraft, pure Energie in flüssiger Form. Eine Mondpriesterin hatte ihm das Ritual beigebracht um seine eigene Kraft zu konservieren und in dem Gefäß zu speichern. Es war ein langwieriger und anstrengender Prozess der einen vollständigen Mondzyklus andauerte. Luarcis erinnerte sich daran wie er Nacht für Nacht an einem Ritualplatz über der Kristallphiole kauerte, um seine überschüssige Energie, zusammen mit dem Mondlicht das darauf viel, darin zu speichern. Stunde um Stunde, Tag für Tag extrahierte er in ermüdender Trance die Kraft die er erübrigen konnte, um sie für Zeiten zu verwahren in denen er sie am nötigsten haben würde. Ja es war das kostbarste, was er besaß weil es ihm auch am meisten abverlangt hatte. Der Lohn aber war eine Essenz aus reiner Kraft, die zu beinahe allem imstande war. Sie konnte praktisch jede körperliche Wunde heilen wenn man nur davon trank oder darauf träufelte, oder jemandem einen gehörigen Energieschub gewähren, wenn die eigenen Kräfte nicht mehr ausreichten. Solange sich diese Flüssigkeit im Körper befand konnte man selbst an der Schwelle des Todes nicht sterben. Luarcis hielt die konzentrierte Energie in der Pranke, die er in einem Monat sammeln konnte, was für einen magisch begabten, gut trainierten Drachen gewiss eine enorme Menge war. Kurz dachte er daran was aber etwa die riesige Silberdrachin zu Stande bringen könnte, wenn sie dieselbe Zeremonie abhalten würde. Allein wegen ihrer Größe und Alter hatte sie vermutlich Kraftreserven zur Verfügung von denen der vergleichsweise kleine weiße Drache nur träumen konnte.

Energisch schüttelte Luarcis diese Gedanken ab. Die Silberne war nicht hier und er konnte sich mit der Hilfe der Anderen gegen einen gewaltigen Sandwurm und einen mächtigen Dämon behaupten. Er brauchte sich nicht zu verstecken und hatte einen großen Beitrag dazu geleistet, diese Mission zum Erfolg zu führen. Und das würde er auch weiterhin tun wenn er erst einmal wieder bei Kräften war.

Einen Moment lang betrachtete er noch die schimmernde Kristalloberfläche der Phiole. Er bedauerte es etwas sie zu öffnen, nachdem es so schwer war sie zu füllen. Er besaß nur zwei Stück davon und würde so schnell keinen Ersatz bekommen. Aber es gab keinen sinnvolleren Zeitpunkt um sie einzusetzen, also griff er beherzt zum Verschluss des Fläschchens und brach das Siegel. Strahlendes blaues Licht flutete durch die Öffnung als Luarcis das Gefäß vorsichtig an sein Maul führte und den Inhalt hinein kippte. Flüssiges Licht benetzte seine Zunge und verschwand dann in seinem Rachen als Luarcis erstaunt aufkeuchte und die Augen aufriss. Er war nicht auf den Energieschub vorbereitet der ihn urplötzlich durchfuhr als die Essenz seine Haut benetzte. Sein ganzer Körper bebte als er versuchte die Fassung zu behalten und nichts von der wertvollen Flüssigkeit zu verschütten. Ihr bläuliches Leuchten breitete sich nun von seiner Schnauze ausgehend auch über seine Schuppen aus und folgte dem Fluss durch seinen Körper. Als er sich daran gewöhnt hatte schloss Luarcis genüsslich die Augen und seufzte wohlig während die Essenz seinen Hals hinunterlief und sich mit einer wohltuenden Wärme in seinem ganzen Körper ausbreitete, die allen Schmerz und Unwohlsein hinfort wischte. Die blaue Aura um seinen Körper breitete sich ebenso bis in seine Schwanzspitze aus sodass er schließlich vollständig darin eingehüllt war. Seine Schuppen strahlten in einem irisierenden, wunderschönen, fast unirdischen Licht, das sich schillernd an den kahlen Wänden der Katakomben spiegelte. Wie eine flammende, geisterhafte Mähne wehte die Aura um seinen Hals und erfüllte die Anwesenden allein bei ihrem Anblick mit einer wohltuenden, heilenden Wärme. Normal zeigte sich diese Aura nur wenn sein Körper in einer sternklaren Nacht vom Mond beschienen und von seinen Schuppen reflektiert wird. Aber in der magischen Essenz war genug Mondlicht gespeichert um diesen Effekt nun auch so auszulösen. Wo das Licht auf die Ritzen zwischen den Steinen am Boden traf und dort eindrang zeigte sich nach einem Moment an manchen Stellen Bewegung. Kleine Stängel verschiedener Pflanzen kämpften sich an die Oberfläche und wuchsen in dem lebensspendenden Licht heran, dort wo ihre Samen schon seit Ewigkeiten in den Tiefen der Erde überdauerten, bis sich ein blühender Teppich frischen Grüns um den Walddrachen gebildet hatte.

Einen Moment sonnte sich Luarcis noch in seinem eigenen Licht, dann verflog es auch schon so schnell wie es gekommen war. Seine Aura erlosch und er spürte dass die Energieessenz ihren Dienst getan und sich vollständig ausgebreitet und mit ihm verbunden hatte. Tief seufzend öffnete er seine Augen, die wieder ihren alten Glanz und nicht mehr den verklärten, erschöpften Blick hatten wie zuvor. Luarcis fühlte dass seine Kräfte zumindest größtenteils wiederhergestellt waren. Auf jeden Fall musste er nicht mehr bei jedem Schritt fürchten vor Erschöpfung zusammen zu brechen. Seine magische Kraft war zumindest auch wieder auf einem Level auf dem er sie benutzen konnte, auch wenn er innigst hoffte dass sie erst einmal Ruhe vor irgendwelchen Monstern oder anderen Gefahren hatten. Langsam hob er seine verletzte Pranke. Die Blutung war gestillt, nur ein paar verkrustete Reste befanden sich noch auf der Haut. Die Wunde war vollständig geheilt, nur eine dünne Narbe zeugte noch von ihrer Existenz.

„Ja, schon viel besser…“ sprach er schließlich mit kräftigerer Stimme, wenn auch noch recht heiser. Er konnte zwar seine verlorene Kraft wieder einigermaßen herstellen, aber seine körperliche Erschöpfung machte sich immer noch bemerkbar. Ihm fehlte eine gute Portion Ruhe um wieder ganz fit zu werden und vor allem war er immer noch total dehydriert. Die ganzen Kämpfe und die Sonne hatten seinen Körper ausgetrocknet, dagegen konnte keine Energie etwas ändern. Aber er wusste dass sich hier irgendwo Wasser befinden musste, er hatte es schließlich selbst im Kampf gegen den Dämon aus dem Boden beschworen. Irgendwo in den Katakomben musste sich also eine unterirdische Quelle befinden. Da er keine Ahnung hatte, wo sich die Anderen oder das Artefakt in dieser riesigen Pyramide befanden, beschloss er zunächst danach zu suchen. Luarcis verstaute die leere Kristallphiole wieder sicher in seinem Beutel und hängte ihn sich wieder um, bevor er sich an die Anderen wandte.

„Okay Leute, tut mir echt Leid für das Gerade aber es ging ja nochmal gut aus und wir können weiter. Zumindest wissen wir jetzt besser worauf wir achten müssen. Also diese Pyramide ist in mehrere Ebenen unterteilt und es wäre wohl das Beste wenn wir auf der untersten anfangen zu suchen. Hier muss es auch eine unterirdische Quelle geben und ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber ich bin echt am Verdursten! Außerdem glaube ich dass die Anderen irgendwo außerhalb der Pyramide verschwunden sind. Wenn sie also in einen unterirdischen Gang geraten sind, muss es einer sein der sich abseits des Hauptgebäudes befindet. Also ist es denke ich eh am sinnvollsten wenn wir nach einem Weg nach unten suchen und uns dort erst einmal umsehen. Folgt mir einfach, ich denke ich habe eine gewisse Ahnung wo wir lang müssen.“

Vorsichtig drückte Luarcis sich an dem immer noch in der Wand steckenden Beil vorbei und ging langsam weiter den Gang entlang. Er schickte seine Sinne aus und konnte seine Umgebung endlich wieder aufmerksam untersuchen ohne sofort Kopfschmerzen zu bekommen. So konnte er gut nach in den Wänden versteckten Mechanismen und Fallen suchen. Noch einmal würde er nicht in so eine Situation geraten. Kurz nach dem Beil gab es auch tatsächlich noch eine weitere Falle, die aber zum Glück schon vor Urzeiten ausgelöst wurde und deswegen inaktiv war. Große, fast armdicke Speere steckten in der einen Wand während sich in der anderen gut getarnte Öffnungen befanden aus denen sie hervorgeschossen sein mussten. Danach gab es erst einmal nichts mehr Auffälliges. Die Baumeister dachten sicher dass die wenigsten Grabräuber die ersten Fallen überwinden konnten, es wäre auch viel zu aufwendig gewesen noch viel mehr davon aufzustellen. Vermutlich gab es auf dieser Ebene auch nichts weiter, erst auf den höheren, näher am Heiligtum gelegenen wäre diese Gefahr wieder präsent. Luarcis folgte seinem Instinkt und seiner groben Vorstellung von dem Aufbau der Pyramide an den Abzweigungen vorbei bis sie alle vor einem Durchgang standen, hinter dem eine Treppe in die Tiefe führte.

„Perfekt, genau danach hatte ich gesucht!“ Langsam schritt er durch die Öffnung und besah sich die Treppe. Auch wenn dieses Bauwerk von Menschen gebaut wurde hatten sie zumindest die Hauptwege doch sehr großzügig ausgelegt, so dass die Drachen auch auf der eng um eine Kurve laufenden Treppe nur wenig Mühe hatten genug Platz zu finden. Unten angekommen folgte erst einmal nur ein langer Gang der an gelegentliche Seitenräume grenzte. Die Architektur der fein behauenen, akribisch aufgetürmten und schön verzierten Steine des Eingangsbereichs änderte sich hier sehr schnell zu schmucklosen, grob bearbeiteten Felsen. Während sie dem Gang weiter folgten gingen die Wände immer mehr zu natürlichen, unberührten Stein über.

„Hier unten muss es ein natürliches Höhlensystem geben, das sich die Erbauer zu Nutze gemacht und in ihr eigenes Netzwerk eingegliedert haben.“ sagte Luarcis als sie an eine Abzweigung kamen. Er schnüffelte prüfend in beide Richtungen und bemerkte aus einer Richtung einen frischen, leicht feuchten Luftzug.

„Hier muss es sein!“ rief er und trabte langsam in diese Richtung bis er sich auf einmal in einer großen Höhle wiederfand. Sie war durchsetzt von dicken und dünneren Säulen aus natürlichem Stein und durch Spalten in der Decke drang von irgendwoher Licht hinein, das den Raum in einen sanften Schimmer tauchte. Von den Seiten der Höhle gingen zahlreiche Gänge ab, teils natürlichen Ursprungs, teils von gemauerten Steinen gesäumt. Staunend blickte Luarcis in alle Richtungen, die sich nur in zahllose Tunnel und Abzweigungen verloren.

„Oh Mann, dieses System an Gängen ist ja noch viel größer als ich dachte. Ich hatte angenommen dass es sich nur auf die Pyramide bezieht, aber es scheint sich auch noch unterirdisch ewig weit auszubreiten! Das hier muss sowas wie ein Knotenpunkt sein, von dem aus die Baumeister die Tunnel weiter erschlossen haben.“ rief er aus, als er an der rechten Seite der Höhle endlich das erblickte, wonach er gesucht hatte. Ein kleiner aber stabiler Wasserstrom schlängelte sich an der Wand entlang und verschwand dann in einer Öffnung wieder im Untergrund, beleuchtet durch einen fahlen Lichtstrahl der ein schillerndes Wellenmuster an die Wand warf. Sofort trat er an den Rand und steckte seinen Kopf in das angenehm kühle Nass. Mit großen Schlucken benetzte er seine ausgetrocknete Kehle und hörte erst wieder auf als das Wasser ihm schon fast aus der Nase lief.

„Aaaah endlich! Jetzt geht’s mir wieder besser!“ seufzte er und setzte sich dann erst einmal hin um zu verschnaufen und die Höhle noch etwas weiter zu inspizieren. Er sah ein paar herumstehende Gefäße, die vermutlich zum Wasserholen benutzt wurden. Die abzweigenden Gänge sahen alle mehr oder weniger gleich vielversprechend aus. Ein paar waren zwar teilweise oder ganz durch herabfallende Trümmer verschüttet, es blieben aber immer noch genug übrig.

„Tja, ich bin jetzt etwas ratlos, wie wir weiter vorgehen sollen. Was meint ihr?“ fragte er schließlich in die Runde.

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Re: Psycho-Dragons Reisen

#108 Beitragvon Seriva Senkalora » Di 29 Sep, 2015 13:59

[Uff, ich hab ne Menge verpasst seh ich grad.]

Seriva:

Als das Glas brach, verlor Seriva das Bewusstsein.

Kopfüber fiel sie in den Sand und nur schemenhaft zog der Sieg ihrer Freunde über den Dämon an ihr vorbei. Die rote Drachin versuchte unbewusst sich an irgendetwas zu klammern was ihr vertraut vorkam. Ihr Unterbewusstsein nahm all die Eindrücke um sie herum auf und vermischte sie zu einem bunten, wirren Traum.

Stimmen, Farben, Gefühle und Energien flossen ineinander und mitten in diesem bunten Moasik aus Gedanken und Emotionen fühlte Seriva sich klein und verloren. Wie Nebelschwaden zogen einzelne Momente des aktuellen Geschehens an ihr vorbei. Serivas Fluchtreflex übernahm die Kontrolle und die Drachin begann zu rennen. Sie wollte weg von diesem Ort, raus aus dem Chaos. Doch ihre Krallen fanden kaum halt auf dem glatten Glas, das den Boden bedeckte. Die Sonne brannte vom Himmel und ihr Spiegelbild blendete Seriva. Wirre Energieschwaden um sie herum raubten ihr die letzte Möglichkeit zur Orientierung. Egal wohin die Drachin sich wandte, es gab keinen Schatten, keinen Rastplatz, keine Felsen. Nur diese endlose, spiegelnde, gläserne Fläche. Orientierungslos stolperte sie über ihre eigenen Füße und stürtzte unsanft zu Boden. Kraftlos blieb sie liegen und wartete, ob es nun vorbei sein würde.

Dann tauchte ER auf. Kupfern in der Sonne glänzend, spendete der große Drache ihr Schatten. Swen senkte den mächtigen Kopf mit den langen Barteln und stupste die rote Drachin sanft an. Die Sorge stand ihm ins Gesicht geschrieben. Die rote Drachin hatte sich überschätzt, die Ähnlichkeit dieser Wüste zu ihrer Heimat hatte sie leichtsinnig werden lassen und so hatte sie ihre Grenzen zu schnell überschritten. Es brauchte Zeit, um auch auf fremden Planeten zusätzliche Energie aus diesen zu ziehen und nicht immer stellten sie diese bereitwillig zur Verfügung.

Seriva hob den Kopf. Mit fiebrigem Blick sah sie Swen an.
"Was passiert hier, wo sind wir?"
"Was geschehen wird und wo wir sind liegt an Dir.", antwortete Swen.
"Ich muss zurück zu meinen Freunden!"
"Ja, das musst Du. Sie brauchen Dich bei dem, was vor ihnen liegt."
"Wie kann ich zurück?"
"Steh auf und geh!"


Hustend erhob Seriva sich aus dem Sand. Offenbar hatte es einen kleinen Sturm gegeben, denn sie war über und über mit den feinen Sandkörnern bedeckt. Dankbarerweise waren ihren Schuppen so dicht, dass kein Sandkorn dazwischen gelangen konnte. Sie schüttelte den stachelbewehrten Kopf und blinzelte in die Sonne.

Vor ihr erhob sich eine gigantische Pyramide, die wohl soeben erst aus dem Sand aufgetaucht sein musste.
Sand rieselte von den Steinen und der Eingang war dunkel, wie ein klaffendes Loch im Gestein.

Ein wenig steif und ungelenk stakste sie zu den anderen.
Für's Erste würde sie wenig Energie zur Verfügung haben und musste dementsprechend sparsam sein.


Zephir:

Verängstigt und dankbar kauerte die kleine Greifin unter der Silberdrachin und wartete auf das Ende des Bebens.
"Ich danke Dir!"

Als es wieder ruhiger wurde, wagte auch Zephir eine genauere Betrachtung des Ganges vor ihnen. Das sanfte Leuchten der Wände hatte eine beruhigende Wirkung. Fast schon hypnotisch. Unbewusst strich Zephir mit den Krallen über die leuchtenden Ornamente. Ein kleiner Blitz zuckte plötzlich aus der Wand, drang in ihre Vorderkralle ein und wanderte mit einem unangenehm heißen Gefühl in das verstauchte Vordergelenk.

"Eh... hast Du das gesehen?", wandte die Greifin sich an ihre Begleiterin und bewegte das nun nicht mehr schmerzende Gelenk. Vorsichtig setze sie den Fuß auf und es fühlte sich wieder völlig normal an. "Das wirkt fast als hätte mich dieser Blitz geheilt?" Zephir war irritiert, derartiges war ihr nicht geheuer.

Ein leises Rauschen drang an ihre Ohren. Durch das Beben hatte sich die Frage geklärt, welchen der Gänge sie nehmen sollten. Der zweite Gang an dieser Gabelung war verschüttet und es blieb nur noch einer. Zephir trat ein paar Schritte hinein und hatte den Eindruck, dass sich das Rauschen verstärkte. Ob es Wasser war?

Als sie der Silberdrachin von ihrer Entdeckung berichten wollte, registrierte Zephir den kleinen, schwarzen Tentakel am Boden. Er war nur kurz zu sehen, dazu war es dämmrig, doch die Greifin glaubte nicht an eine Sinnestäuschung. "Was... was war DAS denn?", fragte sie leicht schockiert. Als die beiden sich aufmachten tiefer in das Gangsystem vorzudringen, hielt Zephir penibelst Abstand zu dem seltsamen Fleck am Boden, aus dem ab und zu ein kleiner Tentakel hervorkam und die Drachin berührte.

Seriva:

Die plötzliche Dunkelheit im Inneren des Tempels umfing Seriva wie ein kalter Nebel. Nun war sie völlig auf ihre anderen Sinne angewiesen, hier reichte das Licht bei weitem nicht für ihre Augen. So folgte sie vorsichtig und mit bedächtigen Schritten dem weißen Drachen. Dabei fand sie auch Vortex und Zeenpha wieder. Ersterer war ungewöhnlich schweigsam, während der Wächter sich ein wenig seltsamer verhielt als sonst. Kurz beobachtete Seriva das geistesabwesende Verhalten, wurde jedoch jäh aus ihren Gedanken gerissen, als Luarcis von dem schwingenden Beil erwischt wurde. Sie machte einen Satz rückwärts und hielt Vortex mit einer Pranke davon ab weiterzugehen. Ehe sie Luarcis zu Hilfe eilen konnte, hatte dieser sich bereits aus seiner misslichen Lage befreien können. Besorgt blickte Seriva ihn an. Er war erschöpft, geschwächt und verletzt. In ihrem aktuellen Zustand war die kleine Gruppe verwundbarer denn jeh.

Doch der weiße Drache hatte offensichtlich vorgesorgt. Das angenehme Leuchten was sich auf seinem Körper ausbreitete nahm Seriva zwar wahr, doch die Pflanzen die aus den Ritzen wuchsen erweckten weitaus mehr ihr Interesse. Diese Pflanzen war frisch, lebendig und energiegeladen. Swen hatte ihr gezeigt, wie man die Energie aus anderen Lebewesen aufnahm und für sich nutzte und genau das tat sie nun mit den Pflanzen. Während Luarcis bereits vorausging, nahm Seriva die Energie der Pflanzen in sich auf. Ein wenig tat es ihr schon leid, die bunte Schönheit direkt wieder zu ruinieren, doch hier im finsteren Tempel würden die Blumen ohnehin rasch wieder verdorren. Und so blieb von der Blütenpracht nichts weiter als trockenes Gras und Laub zurück.

Es hatte nicht gereicht um ihre Reserven vollends aufzufüllen, auch gegen die steifen Glieder hatte es kaum geholfen.
Doch sie fühlte sich nun nicht mehr so schwach und wehrlos.

"Bitte, nach Dir.", wandte sie sich an Vortex und trat beiseite um ihm den Vortritt durch die aktivierten und somit ungefährlichen Fallen zu gewähren. Kurz warf sie einen Seitenblick auf Zeenpha, da dieser aber ohnehin nun nicht wirklich gesprächig war, dachte sie nicht weiter über sein Schweigen und das monoton wirkende Verhalten nach.
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Re: Psycho-Dragons Reisen

#109 Beitragvon Cyber Zipclaw » So 13 Dez, 2015 00:03

[OOC: Ich werde für das Wesen in Zeenpha "Er" verwenden. Das ist erstmal einfacher.]

Er bemerkte den eindringlichen Blick des weißen Drachens, während er mit den anderen in den dunklen Gang hineinging. Sollte Luarcis etwas bemerkt haben? Nein, das wäre viel zu früh. Solange er still blieb und weiterhin so tat, als wenn Zeenpha die Kontrolle hätte, war alles in Ordnung. Es war ziemlich dunkel in diesem Gang. Und kühl noch dazu. An irgendetwas erinnerte es ihn. Weit entfernte Erinnerungen aus einer anderen Zeit, von einem anderen Ort. Wasser, Lichtstrahlen, Schmerz, glühendes Magma und seltsame Gebilde aus einem noch seltsameren Gestein - all das tauchte plötzlich vor seinem geistigen Auge auf. Mit einem Kopfschütteln versuchte er diese Gedanken zu vertreiben. Hoffentlich hatte Zeenpha nichts davon gesehen.

"Ich habe es gesehen."

"Was?"

"Deine Gedanken. Schon früher einmal."

"Das war gar nichts. Und jetzt, halt's Maul! Ich weiß sowieso nicht, warum Du nicht still sein kannst."

"Weil ich stärker geworden bin. Weil ich jetzt mehr bin, als ich mit Dir jemals war. Und weil es MEIN KÖRPER IST! Kele... argh!"

"Schweig endlich!"

Als wenn tausend Nadeln in seinen Kopf einhämmerten, so fühlte sich Zeenpha gerade und war nicht mehr in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen. Und so driftete er schließlich ab...


Für Vortex stellte die Dunkelheit kein großes Problem dar. Seine Augen hatten von Natur aus eine gute Nachtsicht. Sein Blick fiel auf Zeenpha, der teilweise etwas herumzustolpern schien, sich aber wieder fing und mit den anderen Luarcis' Licht folgte. Irgendwas war anders an ihm geworden und das machte ihm Angst. Er ließ sich etwas zurückfallen, sodaß er näher an die hinter ihm laufende Seriva kam. So sehr es ihn auch anwiderte, aber an der Seite der roten Drachin fühlte er sich sicherer. Vortex nahm noch einmal sein Gewehr in die Klaue und prüfte, ob auch noch genug Munition drin war. Das Magazin war voll. Innerlich atmete er auf. Man konnte nie wissen, was als nächstes geschehen würde. Zeenphas Verhalten beunruhigte ihn sehr.

Die Zeichnungen an den Wänden beachtete Vortex kaum. Für ihn war es sinnloses Gekritzel aus längst vergessenen Tagen. Warum sollte er sich darum scheren? Dieses grelle Licht von Luarcis' Lichtkugel störte ihn dagegen mehr. Auch wenn es vielleicht nicht besonders stark war, für ihn war es fast unerträglich grell. Wieso brauchten er und die anderen so etwas überhaupt? Einfach lächerlich! Mächtige Wesen, aber kaum in der Lage im Dunkeln sehen zu können. Nicht einmal diese lockere Bodenplatte dort. Moment mal...

„Haaa...!“ rief Vortex, aber da war es schon zu spät. Luarcis war schon auf die Platte getreten und mit einem Krachen löste sich aus der einen Wand ein Fallbeil, welches auf den weißen Drachen zuhielt. Durch den plötzlich aufwirbelnden Staub konnte Vortex erst nicht erkennen, was als nächstes passierte und spürte Serivas Pranke, die ihn nach hinten aus der Gefahrenzone riß.


Er spürte eine leichte Taubheit in seinem linken Bein. Die volle Kontrolle über Zeenphas Körper hatte er also immer noch nicht zurückerlangt. Leicht humpelnd fiel er zurück und hoffte, daß niemand etwas merkte. Wie konnte er die Situation für sich nutzen? Irgendwie mußte er diese bunt gemischte Truppe loswerden, bevor auch nur einer von ihnen etwas bemerkte. Für eine Konfrontation war er noch nicht vorbereitet, solange er nicht die vollständige Kontrolle über diesen Körper hatte. Aber ihm war klar, irgendwann wird es soweit sein und es zu einem Kampf kommen. Vielleicht konnte er in dieser Pyramide etwas finden, was ihm nutzen könnte? Im Vorbeigehen schielte er ein wenig auf die Zeichnungen an den Wänden. Leider konnte er damit nicht viel anfangen, sie ergaben für ihn keinen Sinn. Jedoch erkannte er durch Zeenphas Erfahrungen, daß die abgebildeten Wesen Menschen darstellten. Mit solch seltsamen Wesen – schwach und häßlich, aber unendlich arrogant – hatte er zu Lebzeiten niemals zu tun gehabt. Auf Q'al hatte es die nicht gegeben. Aber, oh, wie sehr würde er einen von ihnen persönlich begegnen... dann würde dieser am eigenen Leib spüren, wie es ist einem Gott als Nachspeise zu dienen.

Plötzlich vernahm er eine helle Aufregung weiter vorn und er versuchte schneller zu laufen, aber das taube Bein ließ ihn nicht so recht, sodaß er etwas unbeholfen humpelte. Langsam kamen Seriva und Vortex und die anderen aus dem Dunkeln zum Vorschein, und ein leicht verletzter Luarcis neben einem in der Wand steckenden Beil. Was war denn hier passiert? Schweigend beobachtete er die Szenerie. Das blau leuchtende Kristall, womit der weiße Drache sich heilte, erweckte mehr seine Aufmerksamkeit. Was ist das? Hochinteressant...


„Woah!“ Das war alles was Vortex herausbekam. Leicht zittrig sah er wie der weiße Drache das Beil von sich in die Wand zurückdrückte. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn das Beil ihn voll erwischt hätte. Ein wenig mußte er bei Luarcis' Bemerkung schmunzeln. Soviel Galgenhumor hätte Vortex ihm niemals zugetraut. Er sah sich ein wenig um, während der weiße Drache sich heilte. Eine weitere Falle weiter vorn, aber die wurde wohl schon vor langer Zeit ausgelöst. Die halb im Staub und Dreck vergrabenen Knochen daneben sprachen eine deutliche Sprache. Ob es wohl noch weitere Fallen gab?

Noch weiter runter? Vortex schnaubte kurz verächtlich, aber nach einer kurzen Überlegung, gab er Luarcis Recht. Wenn hier etwas war, dann weiter unten. Aber trotzdem, er hasste Treppen und so blickte er erst etwas sorgenvoll die Treppe hinunter. Sie war dunkel, feucht und hier und da schien sich in der Dunkelheit etwas zu bewegen. Es war mittlerweile so dunkel, daß seine Augen kaum noch genügend Licht einfangen konnten und seinem Hirn Streiche spielten. An den Wänden schien es so, als ob irgendwelche Insekten an ihnen herumkrabbelten. Gruselig! Vortex hasste Insekten! Vortex hasste krabbelige kleine mehrbeinige Insekten! Er hasste sie! Und während die anderen an ihm vorbei die Treppe hinunterstiegen, blieb er erst einmal auf der ersten Stufe stehen. Er atmete tief durch. Jetzt bloß keine Panik. Da ist überhaupt nichts. Das sind nur Schattenspiele.

„Krack!“ Vortex wäre fast an die Decke gesprungen vor Schreck.


Fallen... interessant, dachte er. Speere. Damit konnte er mal gut umgehen. Auf der Jagd nach Tieren waren sie hervorragende Waffen. Auch gegen seine eigenen Leute hatte sie mal benutzt. Ah, welch eine schöne Erinnerung. Er fasste eine der im Boden steckenden Speere an. Der Speer steckte tief und fest, aber mit genug Kraftaufwand... „Krack!“ - knapp am unteren Ende brach er den Speer durch und nahm ihn an sich. Erst jetzt bemerkte er, daß die anderen bereits weitergegangen waren. So lief er nun zügig in die Richtung der anderen und fand Vortex mit einem etwas verschreckten Blick an einer Treppe stehen. Grunzend drängte er sich an ihm vorbei und hastete die Treppe hinunter. Hoffentlich verlor er jetzt nicht die Kontrolle über Zeenphas Beine.


„Was...? Hey!“ Zeenpha lief hektisch an Vortex vorbei die Treppe hinunter. Was war denn mit dem auf einmal los? Und was hielt der in den Klauen? „Na, warte. Dich lass ich jetzt nicht mehr aus den Augen!“ Vorsichtig stieg er die Treppe hinab und hoffte nicht zu stolpern. Wie gesagt, Vortex hasste Treppen. Endlich unten angekommen hörte er die Stimmen der anderen durch die Gänge hallen. Es war ihm kaum möglich festzustellen, von wo sie kamen. Ein Echo jagte das andere und – verdammt – wo war Zeenpha geblieben?


In einem Seitengang legte er eine kurze Pause ein. Schwer atmend setzte er sich hin. Das Atmen fiel ihm schwer, es fühlte sich an, als ob irgendetwas auf seine Lungen drückte. Dabei war er selbst, der die Atmung nicht mehr kontrollieren konnte. Es war immer noch sehr schwierig, die Kontrolle über Zeenphas Körper zu behalten, auch wenn dessen Geist schlief, war das Gehirn schwer unter Kontrolle zu halten. Er ließ den Speer auf den Boden fallen und versuchte nun bewusst zu atmen. So langsam bekam er es wieder in den Griff. Er hörte sich zwar immer noch so an, wie ein sterbendes Beutetier, aber ganz allmählich fiel ihm das Atmen leichter. Sein Keuchen hallten dabei durch die Gänge. Tastend suchte er nach dem Speer, hob ihn auf und richtete sich mit dessen Hilfe wieder auf.

Schritte! Da ist jemand... oder etwas. Sofort war er wieder voll da und sah sich um. Nichts zu sehen. Wieder Schritte, klackende Krallen auf felsigem Grund. Das kann nur einer sein.


Als die Stimmen verhallt waren versuchte Vortex die Gerüche der Drachen aufzunehmen. Die Gerüche kamen aus dem rechten Gang, ganz eindeutig. Von dort roch die Luft auch leicht feucht. Es mußte eine Wasserquelle geben. Oh, ja... kühles feuchtes Naß, das konnte er jetzt gut gebrauchen. Doch was war das? Seltsame Geräusche ertönten aus einem Nebengang, als ob ein Tier gerade am verrecken war. Interessant... auch deshalb, weil er leichten Hunger verspürte. Ein kleiner Snack zwischendurch, dazu konnte er nicht „nein“ sagen. Er kam dem Geräusch langsam näher und spähte in den Seitengang. Plötzlich war nichts mehr zu hören, nur ein massig wirkender Schatten stand vor ihm, der auch noch – oh, Schreck – auf ihn zuschnellte. Nur mit einem Satz zur Seite konnte er dem Angriff aus dem Dunkeln ausweichen. Aus dem Augenwinkel sah er Zeenpha mit einem auf ihn gerichteten Speer herausspringen. Dieser blickte ihn kurz böse an, ergriff aber gleich darauf die Flucht.

„Was ist los mit dir? Bleib gefälligst stehen!“ rief Vortex Zeenpha hinterher. Aber Zeenpha war verschwunden. „Jetzt ist Blutwurst!“ knurrte er, griff sein Gewehr und nahm die Verfolgung auf.

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Re: Psycho-Dragons Reisen

#110 Beitragvon Silverdrak » Sa 19 Dez, 2015 02:18

OT: @Magan hoffe das passt so. So kannst du jedenfalls jeder Zeit den anderen nacheilen. Solltest du weiterschreiben, würde ich aber vorschlagen, dass Magan erst Ragnaroek und Layos nach Hause bringt. Von Raggi hab ich jedenfalls nichts mehr gehört oder gesehen. Ich gehe daher davon aus, dass sie nicht mehr weiterschreibt.


Tsi wäre so gerne in der Sonne geblieben und hätte sich noch etwas rösten lassen, doch war sie besorgt um ihre große silberne Freundin. So flog die kleine Sonnendrachin noch zwei wilde Schleifen um Magan, Ragnaroek und Layos ehe sie den anderen in die Pyramide folgte. Die drei waren den anderen nachgetrottet und hatten sich erschöpft im Schatten des Eingangs niedergelassen. Die Magie und die wilden Manöver im Kampf gegen den Dämon forderten ihren Tribut und die heiße brennende Sonne tat den Rest. Da sie die anderen aber nicht aufhalten wollten, hatten sie sich bereit erklärt am Eingang zu warten und ihnen dort, falls nötig, den Rücken frei zu halten. Wer wusste schon was in dieser Wüste noch so alles kreuchte und fleuchte.

Flir blinzelte sich instinktiv an einen sicheren Ort als das Beil auf Luarcis zu schnellte. Envy der gerade eingenickt war, flog durch die plötzliche Bewegung zu nächst etwas unkontrolliert durch die Luft. Es dauerte einen Moment bis seine Sinne wieder voll da waren und er registrierte, dass er drohte ungebremst gegen eine Wand zu krachen. Eilig sortierte er seine Gliedmaßen, streckte Beine und Arme Richtung Wand, bremste die Annäherung an diese gerade noch rechtzeitig mit weit gespreizten raumgreifenden Flügelschlägen ab und landete schließlich fast als wäre es das normalste von der Welt an der Wand. Wo er sich mit seinen spitzen Krallen in die feinen Poren und Rillen des Gesteins hakte. Und dennoch, sein Puls raste. Sein Blick ging zu Flir, die gespannt beobachtete wie der große Drache mit dem Beil kämpfte. Ganz klar, innerlich schloss sie gerade Wetten ab wer wohl gewinnen mochte: Drache oder Beil. "Flir!", motzte er sie an. "Du hättest mich ruhig mitteleportieren können!"

"Hast du das gesehen?" Ihre Augen leuchteten begeistert. "Schuuwww... ist das Teil hier vorbei gesaust. Meinst du davon gibt's hier noch mehr?" Ihr Blick ging zu dem Gang. Aufgeregt flatterte sie weiter in den dunklen Tunnel, doch weit kam sie nicht. Ein magisches rot leuchtendes Band hatte sich um ihr Handgelenk gewickelt. Das andere Ende war an Envys fest gezurrt. "Meinst du nicht du hättest ihm helfen sollen?"
"Ach der ist doch groß...", meine die Feendrachin und wunk ab, bis sie im Hintergrund bemerkte, dass es dem großen Drachen wohl doch nicht so gut ging. Aber er wusste sich offenbar zu helfen. Fast genauso gebannt wie sie zuvor dem Beil zu gesehen hatte, beobachtete sie jetzt wie sich Luarcis regenerierte. Begeistert wollte sie sich auf die Blumenpracht stürzen, doch sie hing immer noch an Envy fest. Der hatte keine Lust hinterher geschleift zu werden und krallte sich hartnäckig an der Wand fest.

~Nachtlicht...~ säuselte Tsi gebannt von dem Licht der Phiole, wobei auch sie näher schwebte.

Nach dem Schauspiel ließen sich Envy und Flir wieder auf Luarcis Rücken nieder. "Spielverderber...", murmelte die Feendrachin als der weiße Drache die Fallen um Umkreis entschärfte. Die Wanderung durch das düstere Gemäuer wäre viel spannender gewesen, wenn man etwas auf seine Schritte hätte achten müssen. Gelangweilt band sie Schleifen in das Band, das sie an den kleinen schwarzen Drachen kettete. Leider war es nicht lang genug dass sie ihn damit ordentlich zusammen schnüren konnte. Envy seinerseits döste vor sich hin. So viel Magie anzuwenden war unheimlich erschöpfend.

Tsi wickelte sich um eines von Serivas Hörnern. Ihr war es hier zu dunkel um gefahrenfrei zu fliegen. Vor allem, wenn hier so monströse Dinge durch die Luft schnellen konnten. Außerdem strahlte die Rote so eine angenehme Wärme ab. Nachdenklich beobachtete sie Zeenpha. Vielleicht war er krank. Seine Bewegungen machten einen etwas steifen Eindruck auf sie. Sie mochte sich aber vielleicht auch täuschen, immerhin war es hier unten ziemlich dunkel.

Über das Wasser in der Höhle freuten sich alle drei. Gierig fielen auch sie darüber her. Wer sich zu nah an sie heran wagte, wurde ordentlich nass gespritzt.
Etwas ratlos musterten schließlich auch Flir und Envy die Gänge. Tsi gesellte sich zu ihnen. "Was? Welche Zweibeiner?", fragte die Feendrachin irritiert, nachdem die Sonnendrachin sie fragend anzirpte. Nun gestikulierte sie und versuchte die Saurier nachzuahmen.
"Ach die." Flir sah sich um. "Öh... keine Ahnung wo die hin sind." Tsi zirpte weiter. "Komisch? ... Nein, ich glaub die sind so. ... Nein, ach was..." Trotz Flirs abwiegeln, blieb Tsi besorgt und flatterte zu Seriva um ihr aufgeregt zirpend vom Verschwinden der Raptoren zu berichten und dass sie fand, dass sie sich komisch verhielten, Flir das aber nicht so fand.

Die Feendrachin musterte weiter die Gänge. Wo sollten sie langgehen. "Vielleicht sollten wir uns aufteilen."
"Ich bin dafür dass wir zusammen bleiben.", meinte Envy hingegen. Am Ende verirrten sich noch alle in diesem Labyrinth an Gängen.



Silvi hatte den Blitz auch gesehen. Neugierig musterte sie die leuchtenden Linien genauer. Offenbar bewegte sich eine Energie ähnlich ihrem Heilblitz hindurch. Nachdenklich vor sich hin brummend ging sie schließlich weiter. Auf Zephirs Frage zu dem wanderend Fleck meinte sie: "Ich bin nicht ganz sicher was es ist. Es scheint eine Art magischer Begleiter zu sein. Ich glaube nicht dass es gefährlich ist. Dafür ist es zu klein." Sie hoffte, dass es bei dem kleinen Tentakel blieb. Sie war jedenfalls nicht sicher wie sie auf eine Kreatur reagieren sollte, die die Ausmaße von Firnors Begleiter hatte.

Der Gang schien immer tiefer zu gehen. Das Plätschern wurde immer lauter und schließlich erreichte Sie einen Raum, denn auch Firnor hätte gestaltet haben können. Nervös sah sie sich noch einmal um. Es war jedoch etwas anderes, das ihr versicherte, dass dies nicht der Magie des finstern Drachen entsprungen war. Fasziniert beobachtete sie wie ein Wasserstrom aus einem Spalt in der Wand quoll und annähernd waagerecht fast wie ein kleiner Wasserfall auf eine Wasseroberfläche an der benachbarten Wand traf. Das Wasser dort schien langsam in einer Rille in der Wand abzulaufen. Sie fühlte sich wie als würde sie auf einer der Seitenwände stehen und dennoch wusste sie, dass sie auf dem Boden stand. Auch der Boden auf dem sie stand war mit Wasser getränkt allerdings schien auch dieses Richtung der Wand mit der Wasseroberfläche zu streben. Sie spürte starke magnetische Kräfte hinter der Wand. Es war ihr erst nicht aufgefallen, aber ihr Energiekristall bemühte sich schon die ganze Weile diese Anziehungskräfte auszugleichen.
Mit der Hand patschte sie in das Wasser an der Wand, doch der Stein dahinter schien massiv. Ob das Artefakt, das sie suchten, dahinter war? Rechts ging der Weg weiter. Die Wände waren dort nach einem Stück wieder trocken. Der Gang schien von der Quelle der Anziehungskraft weg zu führen. So hatten sie wohl keine andere Wahl als dort weiter zugehen.



Sky beobachtete Trara und seufzte innerlich. So schnell würde er hier wohl nicht wegkommen... sein Blick ging unvermittelt kurz in die Ferne. Dann wieder zu Trara, schließlich in die Richtung in der sich Silvi befand.
Rasch glitt er zu der Traumdrachin, berührte sie mit einer Hand und im nächsten Moment befand sie sich bei Magan und Ragnaroek am Eingang. Da würde sie am wenigsten Unfug anstellen können. Fast im selben Moment war er auch schon wieder verschwunden.



Firnor gähnte und streckte sich. Der Schlaf hatte gut getan. Richtig geschlafen hatte er lange nicht, doch nun wo die Tentakel wieder bei ihm waren, konnte er sich bedenkenlos zur Ruhe legen. Sollte Gefahr drohen, würden sie in beschützen und wecken. Er schüttelte den letzten Schlaf aus den Knochen und trat dann aus einen Kristallgemächern im Zentrum seiner Kristallfestung. Gleich waren Untergebene zur Stelle um seine Wünsche entgegen zunehmen. Zeit eine weitere Welt zu erobern. Sie sollten alles vorbereiten.
Sein Gefolge war rasch bereit ihm in die nächste Schlacht zu folgen. Wie gewohnt öffnete sein Rissdämon einen Spalt im Kontinuum und das Heer betrat, Firnor allen voran, das Dazwischen. Er bewegte sich einige Schritte wahllos vorwärts und wies den Dämon dann an einen Ausgang zu schaffen.

"Kehre um!", ertönte plötzlich eine sehr bestimmte Stimme. Ehe der kleine Dämon sein Werk beginnen konnte.

Firnors Blick suchte nach dem Besitzer der Stimme. "Du?!"

"Kehre um! Ich werde dich kein zweites Mal bitten."

Der Drache schnaubte. Als ob er sich von einem...

Im nächsten Moment erwachte Firnor in seinem Schlafgemach. Er gähnte und streckte sich. Der Schlaf hatte gut getan. Richtig geschlafen hatte er lange nicht, doch nun wo die Tentakel wieder bei ihm waren... Firnor runzelte die Stirn. Irgendwie wurde er das Gefühl nicht los ein Déjà-vu zu haben. Er zuckte mit den Schultern und beschloss alles für eine weiter Eroberung vorzubereiten.



Sky erschien über Silvis Kopf wieder. Einen Moment ging sein Blick erneut in die Ferne, doch dann machte er es sich auf dem Haupt der großen Drachin bequem.
"Sky!", stellte Silvi fest. "Wo ist Trara? Geht es ihr gut?"
"Mach dir um sie keine Gedanken. Sie hat einen Weg nach Draußen gefunden."
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Re: Psycho-Dragons Reisen

#111 Beitragvon Luarcis » So 17 Jan, 2016 10:52

Als Luarcis sich beim Aufbruch von dem tödlichen Beil, das ihm beinahe zum Verhängnis geworden war, noch einmal umblickte, sah er wie Seriva die Energie der frisch gewachsenen Pflanzen in sich aufnahm. Sofort tat es ihm leid dass er die Phiole mit Lebensenergie nur für sich verbraucht hatte. Die anderen Drachen waren genauso erschöpft von dem langen Kampf, aber er hatte die Kraft in diesem Moment viel nötiger gebraucht. Zumindest indirekt hatten sie aber wenigstens etwas davon abbekommen, tröstete er sich. Seine magische bläuliche Aura, die sich normalerweise nur unter klarem Mondlicht zeigte, besaß heilende Kräfte. Wen das Licht auch nur berührte fühlte sich sogleich frischer und gestärkt, selbst Wunden konnten in diesem Glanz wieder verheilen. Es war ein übernatürliches Licht voller Leben, Pflanzen erblühten in voller Pracht und wuchsen selbst aus verdorrten Samen noch zu voller Größer heran, solang wenigstens noch ein bisschen Leben in ihnen steckte. In einer klaren Vollmondnacht fühlte Luarcis sich stärker und lebendiger denn je und er dachte kurz gerne daran zurück wie er diese Nächte in seinem Heimatwald in vollen Zügen genossen hatte, als Teil der pulsierenden Lebensader der Natur, eine Spur blühender Sträucher zurücklassend, dort wo er auf seinen Streifzügen den Boden berührte.

Er wusste nicht, woher er diese Fähigkeit hatte, er kannte kein anderes Wesen das sie besaß und auch die Magier die ihn großzogen hielten ihn für einzigartig. Aber er wusste dass die Lösung in seiner Abstammung liegen musste, die ihm immer noch unbekannt war. Als er sah, wie Seriva den Pflanzen die Lebenskraft entzog, um sie in sich aufzunehmen, betrachtete er verblüfft und interessiert das Schauspiel. Außer ihm selbst kannte er bisher niemanden der dazu fähig war, auch wenn er davon nur im absoluten Notfall Gebrauch machte. Als er die verdorrten, fahlen Stängel betrachtete blitzten für einen Moment dunkle Erinnerungen vor ihm auf.

Er sah sich selbst in jungen Jahren auf einer Lichtung sitzend, umgeben von nichts als schwarzem, toten Gestrüpp.
Er hatte seine besonderen Fähigkeiten gerade erst entdeckt und herausgefunden dass er Energie scheinbar aus dem Nichts heraus in sich aufnehmen konnte, was ihm ein wahrhaftiges Hochgefühl bescherte, als er seufzend mit geschlossenen Augen auf der Lichtung hockte. Doch als er sie wieder öffnete und sah was er angerichtet hatte, lief ihm ein eiskalter Schauer über den Rücken und er rannte panisch so weit er konnte davon.

Später kehrte er noch einmal zurück, um zu versuchen den Pflanzen und Bäumen ihre gestohlene Kraft zurück zu geben. Er konnte Leben nehmen, aber sein eigenes auch mit Anderen teilen. Doch er konnte kein neues Leben erschaffen, wo keines mehr existierte. So sehr er sich auch bemühte, die Lichtung blieb genauso kahl und tot wie zuvor, denn er hatte ihr jegliches Leben geraubt und er wusste dass es niemals mehr dorthin zurückkehren würde. An diesem Tag schwor er sich dass er seine Fähigkeit nie wieder auf diese Weise einsetzen würde, denn er wusste dass ihn dies auf einen dunklen Pfad führen würde, von dem es keine Wiederkehr gäbe. Luarcis wurde sich seiner Bestimmung bewusst und sah sich fortan als Hüter des Waldes an. Er war auf besondere Weise mit den Lebewesen verbunden, teilte seine Stärke und Schwäche mit ihnen. Wenn er schwach oder verletzt war und neue Kraft brauchte, nahm er von den Tieren und Pflanzen um sich herum nur das, was sie ihnen freiwillig geben wollten. Sie spürten instinktiv dass er ihnen nichts Böses wollte und halfen ihm gern, wenn er es brauchte und er gab stets alles zurück, was er genommen hatte. So wurde er zum Wächter des Gleichgewichts in seinem Wald, bis die Menschen einer Magiergilde ihn fanden und zu sich nahmen, um seine besonderen Begabungen zu fördern und zu trainieren.



Mit einem Kopfschütteln wischte Luarcis sich die alten Erinnerungen aus dem Kopf und wandte sich wieder den düsteren Gängen der Pyramide zu. Sie mussten an das Hier und Jetzt denken, um ihre verschollenen Gefährten zu finden und ihre Mission zu erfüllen, nur das zählte im Moment.



Als jeder seinen Durst am kleinen Wasserlauf in der zentralen unterirdischen Kammer gestillt hatte hörte Luarcis zu wie sich die kleinen Feendrachen unterhielten und beratschlagten, was sie tun sollten. Erst jetzt fiel ihm auch auf dass die beiden Saurier nicht mehr bei ihnen waren, sondern irgendwo in den Gängen vorher verloren gegangen sein mussten.

„Verdammt! Jetzt haben wir noch mehr aus der Gruppe verloren… Ich glaube nicht dass es eine gute Idee wäre sich jetzt auch noch aufzuteilen, sonst finden wir uns am Ende überhaupt nicht mehr wieder.“ sagte er und spähte dann noch einmal in den Gang aus dem sie gekommen waren, ob er die Raptoren nicht doch noch entdecken konnte, bevor er sich wieder den anderen Abzweigungen der Kammer zuwendete.

„Andererseits könnten wir aufgeteilt natürlich mehr Gänge gleichzeitig durchforsten. Ich denke aber trotzdem dass wir lieber zusammen bleiben sollten, bevor wir noch mehr Fallen oder anderen bösen Überraschungen begegnen und ihnen allein nicht gewachsen sind.“ fügte der Weiße noch hinzu und dachte schmerzlich an seine letzte Begegnung zurück. „Es muss doch möglich sein heraus zu finden welche Richtung am besten ist…“ murmelte er und versuchte sich im Kopf eine Karte der Pyramide und der Katakomben vorzustellen, die sie bisher erkundet hatten während er langsam an den Öffnungen vorbeiging und hineinspähte. Das was sie suchten war sicherlich näher am Hauptteil der Pyramide und nicht in den naturbelassenen Gängen des Höhlensystems. Luarcis trat vor einen Gang, der wieder mit den behauenen und verzierten Steinen ausgekleidet war, wie im Eingangsbereich der Pyramide. Von diesen gab es in der Höhle nur 3 Stück, das schränkte ihre Möglichkeiten wenigstens schon einmal ein. Aber dieser war ein klein wenig breiter und sorgfältiger gebaut als die anderen und sein Instinkt sagte ihm dass er es mit diesem versuchen wollte.

„Also ich werde hier mein Glück versuchen, ich glaube das ist der richtige Weg. Jedenfalls kommen sonst eigentlich nur noch diese beiden in Frage, ich glaube kaum dass die Menschen ihre Schatzkammer in einer schmucklosen Höhle eingerichtet haben. Überlegt euch gut ob ihr mitkommt oder es doch lieber wagt die anderen Tunnel zu durchsuchen.“ sagte Luarcis und deutete auf die Gänge die er meinte. Als er losgehen wollte bemerkte er plötzlich einen seltsamen Schimmer in einer Ritze zwischen den Steinen. Es war ihm in dem schummrigen Licht der Höhle und durch den Schein seiner kleinen Lichtkugel, die einen ähnlichen Farbton hatte, bisher nicht aufgefallen. Aber als er sich jetzt genauer umschaute sah er dass diese Linien die meisten Wände in den Gängen um die Höhle herum wie feine Adern durchzogen. Interessiert schaute er näher hin und legte vorsichtig eine Pranke auf die Stelle, als plötzlich bei der Berührung ein kleiner Blitz auf ihn übersprang. Sofort zog er seinen Arm instinktiv zurück, als er merkte dass die Entladung nicht weh tat sondern eigentlich recht angenehm war.

„Was zum…“, begann er. „Das ist äußerst seltsam...“ murmelte Luarcis als er sich prüfend seine Pranke betrachtete, in die der Blitz gefahren ist. Die Narbe die er sich an der Axt-Falle zugezogen hatte war fast nicht mehr zu sehen. Mit zusammengekniffenen Augen suchte er noch einmal den Kontakt zu der blauen Energie, diesmal zog er sich nicht zurück. Es zuckte erst einmal wie bei einer statischen Entladung, dann spürte er nur noch eine pulsierende Energie durch die Wand fließen.

„Es ist fast wie eine Pulsader, wie etwas organisches…“ sagte er und schloss dann die Augen um seine Sinne mit der lebendigen Energie zu verbinden. Plötzlich flammte das Bild eines ganzen Netzwerks dieser Adern vor seinem inneren Auge auf, das sich durch den ganzen Untergrund ziehen musste. Es hatte tatsächlich ein bisschen Ähnlichkeit mit einem Blutkreislauf. Verblüfft zog Luarcis seinen Arm wieder zurück. „Ich weiß nicht genau was es damit auf sich hat, soetwas habe ich bisher noch nicht gesehn. Aber was immer es ist, die Menschen hier müssen es auch entdeckt und ihre Gänge entlang dieser Adern gebaut haben, deswegen befindet sich noch so ein großes Tunnelsystem hier unten. Es wird immer mysteriöser, aber vielleicht finden wir noch heraus was das alles soll wenn wir erstmal am Ziel sind.“

Vorsichtig arbeitete er sich den Gang entlang, stets aufmerksam ob noch irgendwo Fallen lauerten und auf Hinweise achtend ob er auf dem richtigen Weg war. Die blauen Energiespuren wurden allmählich immer kräftiger und zogen sich schließlich dominant durch die Wände, Decke und Boden. Was auch immer er sich näherte, die Energie hatte entweder dort ihren Ursprung, oder sie wurde von etwas anderem dorthin gezogen. Je weiter er ging, desto seltsamer fühlte Luarcis sich, ihm wurde allmählich schwindelig und er bekam immer mehr den Eindruck dass etwas an ihm zog.

Schließlich endete der Gang an einer großen Wand, aber als er näher hinsah erkannte er dass es eher ein riesiges Tor war, eingerahmt von einem fein verzierten Torbogen und versehen mit sorgfältigen Hieroglyphen. Auch andere Gänge führten von den Seiten darauf zu und er wusste dass sich dahinter etwas sehr wichtiges befinden musste. Neben dem Tor standen große Feuerschalen, aber das Holz darin war vollkommen zerbröselt und würde kaum mehr für ein Feuer taugen. Die Energieadern liefen fein verästelt von allen Seiten auf das Tor zu und verschwanden dann direkt im Torbogen. Einige Stufen führten an das Tor heran, das genauso massiv wirkte wie die angrenzenden Wände. Langsam schritt Luarcis darauf zu und mit jedem Schritt wurde das seltsame Gefühl immer stärker.

„Das scheint mir kein einfacher Mechanismus zu sein, der das Tor öffnet, es ist ganz anders als die einfachen Fallen, die wir bisher gesehen haben. Ich glaube sogar es ist magischer Natur. Das würde sehr darauf hindeuten dass dahinter wirklich eine Schatzkammer oder etwas Ähnliches ist, da einfache Leute gar nicht erst in der Lage gewesen wären es zu öffnen.“ Sprach er zu denen die ihn begleitet hatten, als er die Verzierungen und die Energieadern inspizierte, die mit dem Torbogen verwoben zu sein schienen.

Auf dem Tor selbst waren auch Bilder gemalt. Interessiert betrachtete der Weiße sie genauer. Sie zeigten zahlreiche Leute, braungebrannt und meistens nur spärlich bekleidet, die verschiedensten Tätigkeiten nachgingen. Über dem Torbogen war eine große Sonne eingelassen, die von Menschen umringt war die ehrfürchtig zu ihr empor blickten oder ihr huldigten. Die Scheibe der Sonne bildete ein großer roter, tellerförmiger Edelstein.
„Wie man sich denken kann war die Sonne für die Wüstenbewohner etwas allgegenwärtiges, das ihr ganzes Leben grundlegend bestimmte. Aber anders als man glauben würde sahen die alten Menschen sie nicht nur als schreckliche Geißel an. Ihr Sonnengott war einer der wichtigsten und er wurde als Lebensspender und gerechter Herrscher verehrt und ihm wurden Opfergaben gebracht um ihn zu besänftigen.“ Sagte Luarcis als er die Zeichnungen zu deuten versuchte. Eine davon mitten auf dem Tor kam ihm seltsam vor. Sie zeigte einen Ring der in der Luft schwebte, umgeben von ein paar Strahlen und neben einem Mann, der seine Hände nach im ausstreckte. Seiner Kleidung nach konnte es sich um einen Hohepriester handeln. Aber was Luarcis vor allem seltsam vorkam war die Treppe, die sich über der Szene befand und von der ein weiterer Mann nach unten zum Ring blickte, allerdings kopfüber unter der Treppe stehend, anstatt darauf.

Kopfschüttelnd über diese künstlerische Entgleisung suchte er weiter und blickte dann auf eine runde Öffnung in der Mitte des Tors. Vorsichtig lugte er hinein, konnte aber nicht viel erkennen und nach einem Zögern versuchte er vorsichtig mit einer Pranke hineinzugreifen, fand aber nichts als kalten, glatten Stein. Grübelnd trat er einen Schritt zurück um noch einmal alles auf sich wirken zu lassen und erinnerte sich an seine Worte dass es vermutlich nur mit Magie zu öffnen sei. Noch einmal blickte er zu der großen Sonne, die ihre breiten Strahlen über die ganze Szenerie warf.

„Aber natürlich, die Sonne! Ich glaube ich weiß jetzt wie es geht!“ rief er aus und nahm dann seinen Kopf zurück um tief einzuatmen. Dann schnellte er nach vorne und öffnete sein Maul, um seinen Feuerodem direkt auf das Tor zu richten. Die Öffnung im Tor saugte das Feuer regelrecht in sich ein und man sah wie es daraufhin in feinen Kanälen, die vorher nicht zu erkennen waren, wie Lavaflüsse nach oben stieg. Es schlängelte sich zwischen den Zeichnungen hindurch, bis es den oberen Torbogen und schließlich die große Sonne erreichte. Daraufhin füllte sich das Bildnis mit der flüssigen Flamme und erwachte zum Leben, so dass sie beinahe wie eine echte Sonne den Gang und das Tor erhellte. Einen Moment betrachtete Luarcis fasziniert das eindrucksvolle Schauspiel, als sich plötzlich knirschend ein Mechanismus in Gang setzte und das schwere Tor ganz langsam nach oben fuhr.

„Geschafft! Jetzt bin ich schwer gespannt was uns dahinter erwartet…“ sprach er noch, als urplötzlich das seltsame Schwindelgefühl um ein vielfaches stärker und er von den Füßen gerissen wurde. Luarcis verlor komplett seinen Gleichgewichts- und Orientierungssinn als eine unsichtbare Kraft ihn zu der größer werdenden Öffnung im Tor zog. Er konnte sich gerade noch keuchend rückwärts gegen die Stufen stemmen und abbremsen. Als er aufsah hatte er das Gefühl dass die Treppe gleichzeitig nach oben und unten führte. Er stand mit dem Rücken zum Tor, es kam ihm aber so vor dass es kein ebener Durchgang, sondern ein gähnender Abgrund und der Boden vor ihm eigentlich eine Wand hätte sein müssen. Im nächsten Moment war alles wieder andersherum und als er sich ganz langsam auf der Treppe umdrehte fühlte er sich als ob die Schwerkraft ihn gleichzeitig in zwei verschiedene Richtungen ziehen wollte.

„Was zum Teufel geht hier nur vor?“ keuchte er als er versuchte seine überforderten Sinne richtig zu ordnen und zur Ruhe zu kommen. Er versuchte zu ergründen, was sich hinter dem Tor befand, aber die künstliche Sonne darüber leuchtete immer noch so hell dass er nichts als Schwärze erkennen konnte…

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Re: Psycho-Dragons Reisen

#112 Beitragvon Kezune » Sa 30 Jan, 2016 07:45

Einen weiteren, schrecklich gleichförmigen Tag verbrachte Reikian damit, eine der zahllosen Schluchten von Aspex hinabzuklettern, nur um den Boden und die andere Seite zu erreichen und dort wieder nach oben zu kommen. Das Vorankommen auf dieser Welt war eine bloße Tortur und mehr als einmal fragte sie sich, wozu sie diesen ganzen Blödsinn eigentlich auf sich nahm. Doch dieses Mal war etwas anders. Gerade als sie absprang um auf einem Vorsprung zu landen, öffnete sich unter ihr Schwärze der Weltengrenze (wie ihresgleichen das Dazwischen nannte) und verschlang sie.

Einen winzigen Moment lang war sie wieder zurück. Die Energie ihrer Gefährten brandete augenblicklich durch sie hindurch und füllte die schreckliche Leere, in die sie gezwungen worden war. Was sie in diesem Moment empfand, war schwer zu beschreiben.
Vollständigkeit. Sie war wieder ein Teil des großen Ganzen, wieder ein Teil der Magie, wieder ein Teil der Ewigkeit und ein Geist unter vielen, so wie sie es immer gewesen war. Endlich war alles wieder gut...
Doch dann war der Moment vergangen und etwas riss sie mit unbarmherziger Gewalt wieder heraus aus ihrer Welt, noch stärker und heftiger als beim ersten Mal. Das Entsetzen ihrer Gefährten drang durch ihren Geist, dann... Stille. Endgültige Stille.

Sie waren fort.

Das Dazwischen spuckte sie wieder aus, in der Nähe des Ort an dem die Störung ihren Ursprung genommen hatte.

Der unvermittelte und völlig unvorbereitete Aufprall auf dem Wüstensand trieb Reikian die Luft aus den Lungen. Staub wirbelte auf und verwandelte ihr Luftschnappen sofort in einen Hustenanfall. Ein Meer aus bunten Flecken tanzte vor ihren Augen und immer wenn sie wieder blinzelte, hinterließ der blendend hell erleuchtete Sand noch ein paar weitere. Von allen Seiten drang brennende Hitze auf sie ein, welche durch ihr dichtes schwarzes Fell noch in die gefühlte Unendlichkeit gesteigert wurde. Lange konnte sie es so nicht aushalten.

Doch das alles war ihr in diesem Moment vollkommen egal und drang kaum zu ihr durch. Zu sehr füllte anderer, tieferer, alles verzehrender Schmerz sie aus und überlagerte das Jammern ihrer sterblichen Hülle. Alles verloren, wieder einmal. Einen winzigen Moment war alles wieder gut gewesen, und jetzt hatte der erneute Verlust eine Leere hinterlassen, die noch deutlicher und schmerzvoller war als je zuvor. In aller Stärke spürte sie, was und wie viel sie verloren hatte und wieder einmal raubte es ihr fast den Verstand. Es war vergleichbar mit einer alten Wunde, die wieder aufriss und dadurch noch stärker blutete als jemals zuvor.
Wieder allein. Wieder gefangen in der undurchdringlichen Stille.

Fast schon ohne ihr zutun erhob sich die Katze auf ihre Pfoten. Offenbar steckte noch ein Rest Überlebensinstinkt darin, der auch ohne ihr Mitwirken dafür sorgen wollte dass sie weiter existierte. Aber wozu? Das war doch alles sinnlos. Hitze brannte sich durch ihre Pfoten, während sie sich wie mechanisch in Bewegung setzte, immernoch geblendet vom Licht und von der absoluten Gleichgültigkeit des Astralgeistes. Einige mühsame Schritte wankte die Katze weiter, bis sie plötzlich vornüberkippte und in ein großes, genau vor ihr befindliches Loch, hinabstürzte.
Dieses Mal fing ihre natürliche Gelenkigkeit den Sturz ab und sie kam sicher auf allen vier Pfoten unten an. Aber sogleich kippte sie wieder zur Seite und kam genau außerhalb des Lichtkegels, welchen das Loch hindurchließ, zum Liegen.
Im wohltuenden Schatten kühlte sie langsam wieder ab.

Ihr Instinkt hatte alles getan. Jetzt musste ihr bewusster Wille wieder die Kontrolle übernehmen. Doch der wollte gerade nicht. Sie glaubte ihr Kopf müsste platzen. Es war vergleichbar mit einem Moment absoluter Stille, in dem die Ohren, aus Mangel an Alternativen, alle möglichen Arten von eingebildeten Störgeräuschen auffingen. Nur in diesem Falle in ihrem Kopf, statt in ihren Ohren.
Die Stille machte sie wahnsinnig. Kein Astralgeist war je allein gewesen, sie lebten durch-, mit-, und füreinander, stets durch ein Band verbunden das stärker war als alle Magie ihrer Heimat. Doch was sonst keine Macht schaffte, schaffte die unsichtbare Grenze zwischen den Welten. Er durchtrennte die unverbrüchliche Verbindung und hinterließ nichts als Leere und Stille.

Reikian begann zu zittern und ein Klagelaut entwich ihrer Kehle, ein schmerzvolles wimmerndes Jaulen, das sich als Echo durch die angrenzenden Gänge fortsetzte. Sie wollte es nicht mehr ertragen, diese öde Welt voller Stille und Einsamkeit und ohne Magie... nein. Moment.
An dieser Stelle unterbrach sie sich selbst und wunderte sich, dass ihr das erst jetzt auffiel. Hier gab es Magie, mehr als sie in ihrer ganzen unfreiwilligen Existenz auf Aspex bisher je gefunden hatte. Ein verschwindend geringer Hauch verglichen mit Zuhause, wahrscheinlich hatte sie sie deshalb nicht wahrgenommen, da sie geistig immer noch halb in der Anderwelt steckte.

Ein ganzes Netz von Magie durchzog diesen ganzen Ort hier und schien an einer Stelle besonders stark und konzentriert zu sein... vielleicht eine Möglichkeit, wieder nach Hause zu kommen? Jedenfalls fühlte sie sich davon angezogen wie eine Motte vom Licht. Diesmal fiel es ihr leichter, wieder auf die Füße zu kommen und sich umzuschauen. Eine merkwürdige Höhle, in der sie da gelandet war. Auf Aspex war der Stein nie so glatt und so präzise aufeinander gestapelt. Und Löcher in der Höhlendecke waren üblicherweise nicht so kreisrund und auch nicht mit so einer schimmernden, eisartigen Schicht bedeckt.
Hm. Egal. Es führten mehrere Gänge aus der Kammer heraus. Aus einem davon spürte sie Magie und fremder Geruch haftete daran. Irgendwas... schuppiges? Echsenartiges? Es roch nicht so wie die Flugechsen, die sie von ihrem Planeten kannte, aber es war ähnlich.
Also da lang?
Reikian war sich sicher, aus dieser Richtung die stärkste Ansammlung von Magie zu spüren. Aber ob der Gang wirklich direkt da hin führte und nicht vorher eine andere Richtung einschlug? Das würde sie erst feststellen wenn sie da war.

Die Katze setzte sich in Bewegung und folgte dem Gang. Zu ihrer Verwunderung entdeckte sie hier eine magische Restenergie, die wohl irgendein Wesen beim Laufen hinterlassen hatte. Für Reikian war das so gut erkennbar, wie eine frische Fährte für einen Bluthund. Sie folgte also dieser Spur, wodurch es ihr unabsichtlich gelang auch den versteckten Fallen auszuweichen, die ihr Vorgänger so sorgfältig gemieden hatte. Ohne das würde sie sehenden Auges direkt hineinlaufen, da sie "Fallen" noch niemals gesehen oder davon gehört hatte.
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Re: Psycho-Dragons Reisen

#113 Beitragvon Seriva Senkalora » Fr 15 Apr, 2016 14:41

Seriva folgte den anderen interessiert die steinigen Stufen hinunter. Unterirdische Gänge waren ihr zwar nicht so geheuer, aber in Gegenwart der anderen fühlte sie sich ein wenig sicherer. Dennoch wandte sie sich immer wieder argwöhnisch der Decke zu. Allein schon, weil sie nicht mit einem der langen Kopfhörner irgendwo anstoßen und Tsi in Gefahr bringen wollte.

Als sie das Wasser erreichten trank auch die rote Drachin erstmal ausgiebig. Es tat gut nach der Anstrengung das frische Nass zu genießen.

Plötzlich flatterte Tsi aufgeregt vor ihrer Nase herum. Seriva brauchte einen Moment um zu begreifen was Tsi ihr sagen wollte. "Ja, Du hast Recht. Die beiden benehmen sich selbst für ihre Verhältnisse ein wenig seltsam", stimmte Seriva der Sonnendrachin zu. Die rote Drachin hatte die beiden Raptoren vorhin noch in einem Nebengang gesehen, dann aber nicht weiter auf sie geachtet. Nun fühlte sie sich ein wenig unwohl. Vortex und Zeenpha waren alles andere als die besten Freunde und im Ernstfall hätte der kleinere Raptor trotz seiner Intelligenz und Geschicklichkeit dem Wächter wohl nur wenig entgegenzusetzen. "Ich werde sie suchen gehen, möchtest Du mitkommen? Mit Deiner Hilfe könnte es leichter werden die anderen später wiederzufinden.", fragte sie Tsi. Seriva war von den Fähigkeiten der Feuerechsen sehr beeindruckt und es war sicher nicht verkehrt die Sonnendrachin dabei zu haben, wenn sie sich tiefer in die Gänge vorwagen wollte.

---

Trotz Silvis Erklärung betrachtete Zephir das Tentakelding skeptisch und hielt behutsam Abstand. Während sie dem Gang folgten, wurde Zephir immer seltsamer zu Mute. Ihr wurde leicht schwindelig und es fühlte sich an, als wäre der Gang in sich verdreht. Unbewusst grub die Greifin ihre Krallen in den harten Fels um die Haftung nicht zu verlieren. Als sie das Wasser erreichten, blieb Zephir verdutzt stehen. "Wie kann das sein?" Vorsichtig näherte sich sie dem waagerechten Wasserstrahl und stakste ungelenk über ihn hinweg. Am Ende rutschte sie aber aus und griff panisch nach dem Boden der wie eine Wand war um nicht in die Wasserfläche an der Wand zu fallen.

Das seltsame Gefühl blieb, aber wenigstens war der Gang nun wieder trocken. Weiteres Wasser war also nicht zu befürchten.

Das Auftauchen von Sky erschreckte Zephir weit weniger. Neugierig betrachtete sie den kleinen Drachen. Er schien ein Freund der Silberdrachin zu sein. Mit lautem Grummeln machte sich schlagartig der Magen der Greifin bemerkbar. Sky hatte die perfekte Größe... Beschämt wandte Zephir sich wieder dem Gang vor ihnen zu und hoffte, dass den anderen beiden das Grummeln und der hungrige Blick entgangen waren.

Die verdrehte Wahrnehmung steigerte sich mit jedem Meter den sie tiefer in das Gangsystem eindrangen. Zephir hatte Mühe ordentlich geradeaus zu laufen. Sie musste sich am Boden förmlich festhalten. Die leuchtenden Linien an den Wänden wurden deutlicher und dicker. Sie tauchten die Gänge in ein pulsierendes, schummriges Licht. Gerade hell genug für die Greifin, aber dennoch nicht hell genug um wirklich weit sehen zu können. So übersah Zephir eine kleine Treppe und purzelte kopfüber die Stufen hinunter. Verärgert über ihre eigene Ungeschicklichkeit, sortierte sie ihre Federn und sah sich um.

Sie war offenbar in einem größeren Raum. Die Wände konnte sie nur erahnen, da diese nach wenigen Metern von einer unnatürlichen Dunkelheit verschluckt wurden. Der Boden fühlte sich seltsam weich an. Die Dunkelheit hat eine anziehende Wirkung, ähnlich einem gähnenden Abgrund zog es die Greifin immer weiter in den seltsamen Raum hinein. Schritt für Schritt tastete Zephir sich vor. Den Gang und die Treppe konnte sie in der unwirklichen Schwärze schon nicht mehr erkennen...

---

Vorsichtig streckte Seriva den Kopf in einen der naturbelassenen Gänge. In dieser Richtung vermutete die Drachin die Raptoren. Sie konnte jedoch keinen der beiden spüren und wagte es angesichts ihrer Erschöpfung nicht, ihr Energiefeld zu erweitern um nach ihnen zu suchen. "Wir müssen wohl zu Fuß nach ihnen suchen", stellte Seriva seufzend fest. Dann trottete sie langsam in den Gang hinein.

---

Zephir hatte jegliches Zeitgefühl verloren, der weiche Boden und die sich anbiedernde Schwärze schienen sie völlig in sich aufzunehmen. Bis irgendetwas den Saal erschütterte.
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Re: Psycho-Dragons Reisen

#114 Beitragvon Cyber Zipclaw » Mi 27 Apr, 2016 22:32

Hastigen Schrittes lief Vortex durch die vielen Gänge, begleitet von seinem knurrenden Magen, immer Zeenphas Geruch nach. Hier und da spähte er in einen der Seitengänge, in der Hoffnung, Wasser oder etwas Essbares zu entdecken. Aber Fehlanzeige. Vortex dachte nebenher über Zeenphas seltsames Verhalten nach. Warum benahm er sich so, woher diese gruselige Aggressivität? Und wieso hatte er seit dem Kampf mit dem Wurm nichts mehr gesagt? Warum hat noch niemand anderes davon etwas bemerkt? Verdammt, er hätte den anderen längst von seinen Bedenken erzählen sollen. Nun ist es zu spät und Zeenpha scheint völlig außer Kontrolle zu sein. Was das für einen Planetenwächter bedeutete, konnte er nur erahnen. Wächter wurden auf ihren Planeten wie Gottheiten verehrt. Könnte Zeenpha das zu Kopf gestiegen sein? Wenn ja, warum hier? Und warum jetzt? Vortex erinnerte sich an dieses große Insekt, das der Wächter von… wie hieß der Planet noch? Irgendwas mit As… As… Asloi? Nein… aber der Name klang so ähnlich. Dieses Vieh hatte viele Planeten und deren Leben auf dem Gewissen gehabt. Und ihn selbst auch noch eine Menge Ärger bereitet. Daran erinnerte er sich nur höchst ungern. Die anderen wussten bis heute nichts davon, daß dieses Vieh ihn auf Shimba angesetzt hatte. Ohje… es war zwar lange her, aber sie könnten ihm wohl nicht mehr vertrauen, wenn das jemals herauskäme. Und nun war hier auch noch eine Wand… äh… Moment mal!

Während Vortex‘ Gedanken kreisten, hatte er unbemerkt Zeenphas Fährte verloren und sich vollends in diesem Labyrinth verirrt. Er lief einige Meter zurück, nahm den nächsten Gang… aber auch hier wieder eine Sackgasse. Wer hat das gebaut?



Er schien jetzt die volle Kontrolle über Zeenphas Körper zu haben. Jede Gliedmaße war nun voll kontrollier- und fühlbar. Ah, wie lange hatte er das vermisst. Seit den letzten Tagen auf Q‘al hatte er sich nicht mehr so lebendig gefühlt. „Endlich! Einfach herrlich!“ Und sprechen konnte er nun auch wieder. Zeenphas Geist war nun endlich im Tiefschlaf.

Den Speer fest in den Klauen haltend lief er durch die Gänge, wissend daß er von dem kleinen Vortex verfolgt wurde. Innerlich merkte er sich jeden Gang und jede Abzweigung die er nahm und versuchte Vortex in die Irre zu führen. Als er auf Q‘al noch als Gott verehrt wurde und noch seinen eigenen Körper besaß, lebte sein Stamm noch teilweise in Höhlen. Daher war es wichtig, jene Höhlen praktisch auswendig zu kennen und die Struktur neuer Höhlengänge schnell in sich aufzunehmen. Somit war es für ihn kein Problem, nachdem er sich sicher war, Vortex abgehängt zu haben, zurück zu laufen und nachzusehen, wohin sich die Drachen verkrochen hatten. Haben sie etwas Interessantes gefunden? Einen Schatz oder Waffen? Oder noch etwas viel besseres, was er für sich nutzen konnte? Je mehr er darüber nachdachte, desto größer wurde die Gier nach Macht.

Wie er durch einen der zahllosen Gänge seinen Weg zurücklief, hörte er Stimmen. Sie kamen ihm bekannt vor. Er stoppte und versuchte unbemerkt einen Blick zu erhaschen. Im nächsten Moment sah er eine massige Figur in seine Richtung marschieren, begleitet von einem dieser kleinen zirpenden Drachen. Schnell schlich er behutsam zurück, um nicht durch irgendein Geräusch auf sich aufmerksam zu machen und zwängte sich schließlich in einen engen Spalt in der Wand. Beim Vorbeilaufen erkannte er die große rote Drachin. Sie ging einfach an ihm vorbei, also hatten weder sie noch der kleine Drache ihn bemerkt. Glück gehabt.



Mehrmals versuchte Vortex den Rückweg zu finden, aber jedesmal, wenn er dachte, ihn gefunden zu haben, stieß er wieder auf eine Sackgasse. So langsam stieg der Frust in ihm auf und das machte ihn noch wütender, was auch noch dazu führte, daß er allmählich jegliche Vernunft verlor. Immer schneller und planloser lief er durch die Gänge – von einer Sackgasse in die nächste. Die Angst allein in diesem Labyrinth gefangen zu sein und zu verhungern, ließ seinen Verstand immer mehr abdriften.

Eine Unebenheit im Boden wollte es allen anderen Unebenheiten in der Nachbarschaft zeigen und entschied sich eines Tages dazu, sich nach und nach immer höher zu strecken, bis sie die höchste aller Unebenheiten war. Alle umgebenen Unebenheiten waren sichtlich beeindruckt von dieser Leistung. Einige freuten sich, andere waren neidisch. Die Unebenheit war gerade dabei, sich zu neuen ungeahnten Höhen aufzumachen, als plötzlich etwas gegen sie stieß und ihr einen gewaltigen Schrecken versetzte. Doch zum Glück war die Unebenheit fest genug im Boden verankert, sodaß ihr das nichts aus machte und diesen mehr als ungewöhnlichen Vorfall schnell wieder vergaß. Unter den kleineren Unebenheiten gab es von nun an Getuschel und Gekicher.

Eine Unebenheit im Boden ließ Vortex‘ Fuß einen halben Salto machen und da er nicht dafür bekannt war, nur halbe Sachen zu machen, vollzog Vortex gleich einen ganzen Salto, fiel auf die Schnauze und rutschte einige Meter in Richtung eines Lochs. Abbremsen wäre sicher eine tolle Idee gewesen, wenn Vortex denn dazu in der Lage gewesen wäre. Das Loch kam immer näher. Als Vortex endlich begriff, worauf er unkontrolliert zusteuerte war es schon zu spät. Er fiel in die Tiefe und landete ungewöhnlich weich ein Stockwerk tiefer. Die sofort einsetzende tiefschwarze Nacht ließ ihm allerdings keine Gelegenheit seine Lage zu prüfen.



Endlich hatte er den Hauptgang wieder gefunden. In der einen Richtung roch es nach Wasser und den Drachen. Deren Gerüche wurden jedoch schwächer. Sie waren wohl weitergegangen und er nahm nicht an, daß sie noch an der Wasserquelle waren, also ging er in diese Richtung. Am Wasser angekommen wurde seine Vermutung bestätigt. Keiner mehr da. Er sah sich um und entdeckte viel in die Gegend verspritztes Wasser. Was haben die hier getan? Sich gebadet? Kopfschüttelnd ging er zur Wasserquelle und löschte erst einmal seinen Durst. Mann, wann hatte Zeenpha zuletzt was getrunken gehabt? Wie er sich in dem Raum umsah, fühlte er etwas um sich herum, als ob irgendetwas oder irgendjemand mit ihm in diesem Raum war. Aufgeschreckt drehte er sich um. Doch außer die felsigen Wände, die hier und da von seltsamen Zeichnungen gesäumt waren, war da nichts. „Hmmm...“ Er griff seinen Speer, zielte auf ein Bild in der Wand und warf den Speer mit voller Kraft. Mit einem Kracksen blieb der Speer in der Wand stecken. Warum er ausgerechnet auf dieses Bild den Speer warf, konnte er sich nicht erklären. Aber es schien Wirkung zu haben, denn wenige Augenblicke später hörte er ein tiefes Grollen und Staub wirbelte auf. Neben dem Grollen war plötzlich lautes Poltern zu hören. Irgendwo muß etwas ausgelöst worden sein. Fragt sich nur, wo und was? Er ging zu der Wand und ergriff den Speer, um diesen aus der Wand zu ziehen. Doch so sehr er auch mit aller Kraft zog, der Speer rührte sich nicht. Wütend schnaubend ließ er schließlich vom Speer ab und setzte sich erst einmal. Der Ost-Ra sah sich um. Mehrere Gänge führten aus diesem Raum hinaus. Und außerdem schien sich in den Wänden noch irgendwas zu befinden. Etwas…lebendiges. Er sah noch einmal zum in der Wand feststeckenden Speer und den Bildern darin. Was hatte das zu bedeuten? Und was brachte ihn dazu, völlig ohne darüber nachzudenken, den Speer ausgerechnet auf dieses Bild zu werfen?

In der Mitte befand sich ein Loch, drumherum einige Kreise und etwas was wohl eine Tür darstellen sollte, darüber eine… Sonne? Er stutzte. Das Bild machte für ihn keinen Sinn, zumindest sah er keinen.

„Blödsinn!“ schnaubte er verächtlich, stand wieder auf und schritt an die weiterführenden Gänge heran. Vielleicht konnte er etwas hören oder riechen, welchen der Gänge die Drachen genommen hatten? Aus einem der Gänge konnte er etwas hören. Leise Stimmen, die sich in ihren Echos verloren. Es war kein Wort zu verstehen, aber sie klangen nach Problemen. Probleme… Freude erfüllte sein Herz und ohne viel darüber nachzudenken, folgte er dem besagten Gang, um zu sehen, wer sich in vielleicht ernsthaften Problemen befand und er sich daran ergötzen konnte. Voller Vorfreude lief er dem Gang entlang und erreichte eine Kammer, die zu einem weiteren Raum führte. Er blieb stehen, hielt sich hinter einer sehr „dekorativ“ behauenen Säule versteckt und spähte vorsichtig um die Ecke.

Nichts… ein leerer Raum. Er sah nach allen Seiten. Weitere Säulen und Zeichen und Bilder an den Wänden, zwischendurch ein paar Krüge und andere teilweise kaputte Dinge. An der gegenüberliegenden Seite befand sich ein Durchgang, darüber ein sich noch leicht rötlich pulsierendes Zeichen, das wohl eine Sonne darstellen sollte. Plötzlich hörte er hinter sich ein lautes Krachen und drehte sich erschreckt um. Da wo vorher noch der Durchgang, durch den er gekommen war, gewesen ist, war jetzt eine Wand. Einen Moment später krachte es noch einmal und der nächste Durchgang, diesmal der gegenüberliegende, wurde zu einer Wand aus Felsgestein. Kurz darauf fingen alle Wandzeichnungen an erst gelblich, orange, dann rötlich zu pulsieren. „Was bei... Q‘al…!?“ Er fiel fast zu Boden vor Schreck. In all den Jahrtausenden in denen er, mal als körperloses Wesen, mal in einem Körper, schon existierte, hatte er sowas noch nicht gesehen. Tiefes Brummen erfüllte den Raum und ihm wurde schummrig, schwindelig, übel, und er fiel zu Boden. Erst jetzt fielen ihm Spuren im Sand auf, die noch frisch zu sein schienen. Dann wurde es dunkel um ihn herum.

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Re: Psycho-Dragons Reisen

#115 Beitragvon Silverdrak » Sa 14 Mai, 2016 01:18

Wie Finger die versuchten den Himmel zuberühren, ragten die schillernden langgezogenen Gebäude in der Ferne in die Höhe. Sie passten überraschend gut in das Panorama, fast als hätte sich ernsthaft jemand deswegen Gedanken gemacht. Es wirkte so ordentlich und doch herrschte Chaos in der Großstadt. Überall schwirrten Flugvehikel, die keiner klaren Ordnung zu folgen schienen und dennoch gab es keine Zusammenstöße... zumindest keine die er von seinem Hügel aus beobachten konnte. Er sog die frische Luft ein und war beendruckt von dessen Sauberkeit. Mit Silvi hatte er zahlreiche Welten bereist, fortschrittliche und rückständische, nur die wenigsten Welten mit höherer Spezies schaffte es im Einklang mit ihrer Welt zu sein. Speziell bei fortgeschrittenen litt die Natur. Doch hier... er fühlte sich fast ein wenig schlecht mit seiner Anwesenheit die Umwelt zu vergiften. Aber nur fast.
"Sag, Arasyl, warum lassen Planetenwächter zu, dass ihre Kreaturen ihre Welt zerstören? Sollte ein Planetenwächter seine Welt nicht beschützen?"
Der in seinem eigenen Körper eingesperrte Wächter war etwas überrascht plötzlich ein Gesprächspartner zu sein. Das war das erst Mal seit seiner Gefangenschaft. Zu gleich war er etwas beschämt, dass seine eigene kleine Welt Byrasil zu den Welten zählte, deren Lebensformen es offensichtlich nicht geschafft hatte in Einklang mit ihr zuleben. Er seufzte.
"Das ist nicht so einfach. Auch als Planetenwächter fängt man klein an. Man freut sich, wenn die Wesen, die man bewacht wachsen und sich entwickeln. Doch bald hat man nicht mehr alles im Blick, weil einfach so viel passiert. Die Kreaturen entwickeln ihren eigenen Willen und lassen sich nicht mehr so leicht von einem Sachverhalt überzeugen. Es ist immer schwer abzuwägen, wann man eingreift und wann nicht. Als Planetenwächter weis man auch nicht alles. Dass etwas schädlich ist, merkt man auch nicht immer gleich sofort. Auch hier kommt die Weisheit mit dem Alter. In der einen Minute ist noch alles gut und in der nächsten liegt alles in Trümmern." Er seufzte erneut und hoffte seine Welt irgendwann wieder aufbauen zu können.
"hm..." Firnors Blick schweifte weiter um her. Silvi hätte es hier gefallen. Der klare blaue Himmel ludt zu Ausflügen ein. Die hohen Gebäude, und selbst nicht in Drachengestalt hätte man hier fliegen können.

"Meister, wie lauten Eure Befehle?", fragte Larok. Sie standen schon eine ganze Weile nur so da. Das Heer wurde unruhig. Alles wartete auf das Go! doch nichts geschah.

Unentschlossen musterte der Chaosdrache die Stadt in der Ferne. Es wäre so einfach... zumindest gab es kein Indiz für Abwehrmaßnahmen. Das mochte täuschen. Entdeckt waren sie schon länger. Drohnen surrten über sie hinweg wie Insekten über eine Blumenwiese. Bislang gab es aber keine Versuche zur Kontaktaufnahme. Entweder waren sie sehr klever und vorsichtig in Anbetracht seiner Anwesenheit und der seiner Armee oder sie waren besonders naiv.
Der Drache stand auf, machte einen Katzenbuckel, wobei er auch die Flügel kurz abspreizte, um sich dann zu schütteln, dass die Stacheln auf seinem Rücken nur so rasselten. Noch einmal sah er zu der Stadt, dann wandte er sich um und schritt in Richtung des Spalts aus dem er gekommen war.

"Gebieter?" machte sich Larok erneut bemerkbar.

Firnor rümpfte die Nase. "Diese Welt ist mir zu sauber.", brummte er. "Wir suchen uns eine bessere."

Der Dämon starrte dem Drachen einen Moment nach, warf kurz einen Blick über die Schulter zu der Stadt, um dann zu den anderen Hauptmännern zu sehen und ihnen ratlose Blicke zu zuwerfen. "Ihr habs gehört, Rückzug durch den Spalt."
Seine Augen gingen dann wieder zu dem Drachen. Was war da los? Seit er ihn kannte, war sein einziges Interesse Welten zu unterwerfen und zu beherrschen. Je mehr desto besser. In letzter Zeit wirkte er jedoch etwas lustlos.



Die Gänge schienen endlos und willkürlich verzweigt. Manche endeten einfach in einer Sackgasse, andere führten im Kreis herum. Wer auch immer der Architekt dieses Gemäuers war, hatte entweder unsagbare Langeweile gehabt oder wollte in der Tat etwas sehr gut verstecken. Silvi folgte unbeirrt den Eindrücken, die sie über ihren Energiekristall gewann. Leider endete das oft in einer dieser Schickanen. Sie glaubte aber dennoch, dass sie so am ehesten ihr Ziel erreichte. Seit ihr die magnetischen Kräfte an diesem Ort aufgefallen waren, wusste sie so ungefähr, wo das Artefakt sein musste, nur hin kam sie irgendwie noch nicht so richtig. Zwischenzeitlich hatte sie schon überlegt, ob sie nicht ein Loch Querfeldein sprengen könnte, doch den Gedanken verwarf sie rasch wieder in Hinblick auf die Tatsache, dass ihr dabei Steine auf den Kopf fallen könnten. Davon hatte sie heute schon genug gehabt. Fail schlief nach wie vor. Davon abgesehen würde es ohne größere Feuerquelle eine ganze Weile dauern bis er erneut zum Magmadrachen werden konnte. Das war also auch keine Option. Sicherlich könnte sie das Dazwischen nutzen, doch kannte sie den Zielort nicht, vielleicht war er mit Magie gesichert oder viel zu klein für ihre Ausmaße. Nein, auch das war ihr zu heikel. Immerhin gab es hier so schon aller Hand Fallen, auch wenn es in diesem Bereich weniger geworden waren. So blieb ihr nichts anderes als jeden Gang zu probieren und im Zweifel eben zurück zu gehen.

Sie stoppte. Auch dieser Gang endete in einer Sackgasse. Scheinbar jedenfalls. Anders als bei anderen Sackgassen, die sie gesehen hatte, endeten die blauen Linien in den Gangwänden rechts und links von der Wand vor ihr. Diese war mit Hiroglyphen und grafischen Darstellungen versehen und da waren Rillen rund um die Wand, kein Mörtel wie sonst, der die Steine zusammenhielt. Vielleicht war das ein versteckter Durchgang. Silvi setzte sich hin und musterte die Wand einen Moment. Wer das entworfen hatte, wollte aber dass man das Rätsel löste... Die Drachin schnaubte unbeeindruckt. Ihre Augen wanderten über die Darstellung eines scheinbar trocken Flusses mit auf Grund gelaufen Schiffen, Fischgräten, die wohl tote Fische darstellten. Unweit davon waren verdorrte Felder mit Menschen, die verzweifelt scheinbar leere Gefässe darüber auskippten, auf der anderen Seite waren verendete Tiere. Im Vordergrund kniete recht Massstabsgetreu ein Mensch, der flehend die Arme nach dem Betrachter hoch hielt, in den Händen eine kleine Schalte haltend. Die Wöhlbung dieser ragte aus der Mauer heraus. Das Gefäss war oder wäre durchaus funktional, hatte allerdings im Boden eine kleine Öffnung, die in der Wand verschwand.
Hier wurde ganz klar Wasser benötigt.
"hm..." brummte die Drachin nachdenklich. Die Schwierigkeit bei diesem Rätsel bestand wohl eher darin das Wasser hier her zuschaffen. Rechts vor der Wand erkannte sie einen kreisrunden Fleck, wo wohl einst ein Krug oder ein ähnliches Gefäss gestanden haben musste. Links waren zumindest jede Menge Tonscherben. Der ehemalige Behälter war allerdings zu nichts mehr zu gebrauchen. Sie schob die Scherben ein wenig hin und her in der Hoffnung vielleicht doch ein Teil zu finden, das verwendbar war. Die Suche blieb allerdings erfolglos. Wo sie Wasser fand war weniger das Problem. Sie war ja an welchem vorbei gekommen und da sie sich nicht gänzlich verirren und dauernd gleiche Wege laufen wollte, hatte sie ausreichend Magnetfeldmarken hinterlassen und konnte so ohne Probleme den Weg dorthin zurückzufinden. Dinge, die sie als Planetenforscher rasch gelernt hatte. Sie glaubte ja immer noch, dass sie für die Jagd auf Rissdämonen geeigneter war, aber Intor, Anführer der seranischen Luftdrachen, erlaubte das nicht. Auch jetzt nicht wo Firnor fort war. Andererseits hatte das durch die Gegend reise auch etwas für sich. Man sah und lernte viele Dinge, machte Bekanntschaften... Apropos... Sie wandte sich um, vielleicht hatte ja... - weg. Sie war ganz in Gedanken gewesen und gar nicht gemerkt, dass jemand fehlte. "Sky, wo ist die Greifin hin?"

Der kleine weiße Drache schrak aus dem Schlaf hoch und blinzelte. "Die..." Er brauchte einen Moment um sich zu sortieren. "Die ist vor einer Weile Rechts abgebogen.", meinte er schließlich. Nun er hatte es nicht wirklich beobachtet, letztlich hatte er sich im Halbschlaf befunden aber sie war, definitiv rechts von ihnen von ihrem Weg abgewichen.
Silvi brummte. "Hätte doch was sagen können..." Nun gut, jeder wie wer wollte. Sie würde niemanden zwingen sie zu begleiten, wenn er das nicht wollte. Letztlich waren sie sich ja eher zufällig hier unten begegnet und sie hatte sie einfach mitgeschleppt. Wenn sie so darüber nachdachte, wusste sie nicht mal ihren Namen. Angestrengt grübelte sie. Konnte doch gar nicht sein. Die Greifin begleitete sie doch bereits eine ganze Zeit. Sie seufzte. Seit diese Suche angefangen hatte, stand sie irgendwie extrem unter Strom.
"Zephir.", meinte Sky hilfsbereit.
"Hängst du wieder in meinen Gedanken rum?"
"Nicht absichtlich." Der kleine Drache rutsche von ihrer Stirn auf ihre Nase und balancierte zur Nasenspitze, wo er sich hinsetzte und sie mit leuchtenden blauen Augen anglühte. Sein Schwanz baumelte dabei vor ihrer Nase hin und her.
"Ich muss niesen, wenn du so weitermachst." Sie machte eine kurze Pause die Feuerechse anschielend. "Was ist mit den anderen?" Eigentlich hatte sie gehofft, das Artefakt rasch zu finden und dann schnell zu ihnen zurück zukehren. Doch mit diesem Labyrinth hatte sie nicht gerechnet. Wäre ja sonst auch zu einfach gewesen.
"Ein Teil hält sich auf der anderen Seite des Labyrinths der Pyramide auf... "
"Pyramide?"
"...der andere bewacht den Eingang. Ja, nach dem der Dämon bezwungen war, kam sie zum Vorschein."
Da hatte sie wohl einiges verpasst. "Geht es ihnen gut?" Hoffentlich hatte sie sich nicht verirrt.
Sky drehte seinen Kopf kurz zu der Wand mit den Hiroglyphen, dann sah er Silvi wieder an. "Ich denke, sie kommen zurecht."
"Gut." Das beruhigte die Drachin.
"Ich könnte das Wasser in einem Kraftfeld transportieren.", meinte Sky beiläufig.
Silvi blinzelte ihn an und machte einen Schritt vorwärts durchs Dazwischen zu der merkwürdigen Wand mit dem Wasser. Warum war sie da nicht drauf gekommen?
"Das wäre toll."
Im nächsten Augenblick war Sky verschwunden und sahs neben dem Wasser, wo er versuchte eine Kraftfeld-Kugel damit zu füllen.
Silvi beobachtete ihn. Das schien nicht einfach zu sein. Das vorhandene Wasser war jedenfalls nicht tief genug, dass er einfach im Wasser eine Kugel formen konnte, daher musse er versuchen die Kugel irgendwie mit dem Wasser zu füllen. Das machte das ganze kompliziert. Damit die Kugel hielt, musste die Energie gleichmäßig verteilt sein, aber damit dort Wasser rein kam, musste sie an einer Stelle wiederum durchlässig sein. Dazu kam noch die verschrobene Anziehungskraft in diesem Bereich. Er hatte bereits ein paar mal von vorn angefangen. Doch der kleine Drache schien das als sportliche Herausforderung zunehmen.
Eine kaum merkbarer Luftbewegung aus dem Gang zog kurz die Aufmerksamkeit der Drachin auf sich. Ihre sensiblen Ohrfühler hatten sie aufgefangen. War da jemand? "Zephir?"



"OOooohhh...", kam von Flir und Envy gleichzeitig als das Feuer über das Tor wanderte, das sich kurz darauf auf tat. "Beeindruckend!", rief Flir und blinzelte sich zu dem Portal. "Noch mal!" Wenn das auf ging, musste es auch irgendwie wieder zu gehen. Einen Moment suchte sie nach einem entsprechenden Mechanismus. Dann bemerkte sie, dass Luarcis schon weiter gegangen war. "Hey, wartet auf mich!"
Sie teleportierte sich über den Drachen und war etwas überrascht als sie plötzlich an der Decke über ihm stand. "Huch!... das ist ja toll!", rief sie begeistert. Sie blickte zu dem Boden der für sie gerade die Decke war. "hm..." Mit aller Kraft stieß sie sich vom Boden ab. Zunächst schnellte sie in die Höhe und wurde dann langsamer wie das bei einem Sprung so üblich war, doch ab dem höchsten Punkt kehrte sich die Kraft um und zog sie höher bzw. nach unten auf den Boden auf dem auch Lu stand. Sie musste sich rasch drehen, damit sie nicht mit dem Gesicht voran auf den Boden knallte. "Genial! Hey Envy! Schau dir das an!" Aufgekratzt hopste sie im zickzack durch den Gang, stand dabei mal oben und mal unten.
Envy rollte sich so eng auf Lus Rücken zusammen wie er nur konnte. "Können wir wieder gehen? Mir ist schlecht..." jammerte er leise. Die Kräfte, die hier auf seinen kleinen Körper einwirkten, waren zu viel für seinen Magen.
Flir titschte eine Treppe hinauf - zumindest glaubte sie dass es nach oben ging - und stoppte in einer Kammer. "Oi!", kam nur aus ihrem Mund. Da hatte sie wohl die Schatzkammer gefunden. Das allein war jedoch nicht das, was ihr die Sprache raubte. Schatzkammern kannte sie. Silvi hatte davon gleich mehrere. Die Münzen und Edelmetallteile hier schwebten in der Luft wie Nebel. Fasziniert tippte sie eine Münze direkt vor ihr an. Diese rotierte darauf hin langsam um die eigene Achse und stieß dabei eine benachbarte an, die wiederum in Bewegung geriet und weitere Kettenreaktionen auslösten. Rings um sie herum klirrte es nur so. Wem das wohl gehörte...


[@Seriva: Tsi bezeichnet sich selbst als Sonnendrachin. Flir ist die Feendrachin.]
Tsi zirpte. Klar! Sie wollte helfen die Zweibeiner zu finden! So schwebte sie über Seriva her und blickte angestrengt durch die dunklen Gänge und rief in ihrer Sprache mit heller Stimme nach den Vermissten. "Rrrraaaaahhaaahhaaaaaa....!!" Allzu weit weg konnten sie ja nicht sein. Große Drachen waren allerdings furchbar langsam. Jedenfalls am Boden. *Ich fliege mal ein Stück voraus.*, meinte sie schließlich zu der Roten und saußte wenig später durch die Gänge. Wenn sie nur schnell genug war, würden die Fallen sie auch nicht erwischen.
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Re: Psycho-Dragons Reisen

#116 Beitragvon Luarcis » Sa 25 Jun, 2016 17:00

Luarcis versuchte immer noch seine verwirrten Sinne zu ordnen und seine Augen an die umfassende Schwärze zu gewöhnen, als die kleine Feendrachin sich schon freudig daran machte den Raum zu erkunden.
„Warte mal! Sei lieber vorsichtig, wir haben keine Ahnung was uns dort erwartet und wir sollten lieber zusammen bleiben!“ rief er ihr noch nach, hörte aber nur noch ihre sich entfernenden Jubelrufe die von allen möglichen Seiten zu kommen schienen. Seufzend sah sich der Weiße nach Envy um, der es sich glücklicherweise nur auf seinem Rücken gemütlich gemacht hatte, bevor er dann selbst nach einem tiefen Atemzug das Tor durchschritt.

Seine Augen brauchten einen Moment um sich an die neuen Lichtverhältnisse zu gewöhnen. Seine kleine Lichtkugel die er erschaffen hatte schwebte heran und spendete etwas Licht. Zudem tauchten die seltsamen Energieadern, die sich hier weiter an der Wand entlangschlängelten den Raum in ein fahles Licht und gaben den Blick auf ein ganzes System aus sich verzweigenden Treppen und Plattformen frei, die sich überall um ihn herum befanden. Und das bedeutete wirklich überall! Die Treppen schlossen sich nicht nur an der Wand nach oben oder unten an, sie verliefen auch teilweise seitwärts, schräg, kopfüber von der Decke hängend oder einfach nur mitten im Raum ohne erkennbaren Anfang oder Ende!

„Was zum Teufel…! Das soll doch wohl ein verdammter Scherz sein!“ rief Luarcis staunend und verwirrt aus und er spürte wie ihm schon wieder schwindelig wurde allein bei diesem Anblick. Die Szene kam ihm vor wie in einem Gemälde eines skurrilen Künstlers, das er mal gesehen hatte. Er hatte nie nachvollziehen können wie man überhaupt auf so eine abwegige Idee kommen konnte und was man damit bezwecken wollte, aber ihm wurde schon damals fast schlecht als er zu lange darauf gestarrt hatte. Aber dass er tatsächlich mal in einem Raum stehen würde, der so aufgebaut war, hätte er sich nicht träumen lassen. Noch bevor er sich weiter Gedanken um die Szene machen konnte, sah er Flir gerade noch über eine der Treppen verschwinden, oder besser gesagt über mehrere gleichzeitig indem sie munter hin und her sprang als ob die Schwerkraft hier keinen Einfluss hätte.

„Verdammt, warte!“ Schnaubend setzte Luarcis sich widerwillig in Bewegung und versuchte Flir zu folgen, was sich als gar nicht so einfach heraus stellte, weil er bei jedem Schritt das Gefühl hatte, dass sein ganzer Körper oder auch nur Teile davon in völlig unmögliche Richtungen gezogen wurde. Zwar behielt er immer noch den Bodenkontakt zu seiner Treppe, aber jedes Mal wenn er einer anderen neben sich befindlichen zu nahe kam, spürte er wie es ihn dorthin zog. Die kleine Feendrachin hatte vermutlich allein schon wegen ihrer Körpergröße nicht solche Probleme wie der große Drache. Außerdem schien sie es sichtlich zu genießen und das Ganze eher als Spiel zu betrachten.

Keuchend und mit seinem Gleichgewichtssinn ringend erreichte Luarcis schließlich das Ende seiner Treppe und blickte nur auf Flir, die sich an einem Aufgang über ihm an der Decke entlang weiter bewegte. Nun gab es also keine andere Möglichkeit mehr, wenn er ihr noch folgen wollte. Seufzend nahm er sich zusammen, trat etwas zurück um Anlauf zu nehmen und sprang dann beherzt nach oben ab. Einen Moment lang schwebte er wie schwerelos in der Luft und ruderte noch etwas mit Beinen und Flügeln, während sich alles um ihn herum drehte. Dann zog es ihn plötzlich nach oben und bevor er reagieren konnte, donnerte er mit dem Rücken zuerst auf die Steintreppe auf, über die Flir gerade verschwand.

„Autsch, mein Rücken! Na das hat ja schonmal prima geklappt…“ stöhnte er noch bevor er sich nach Envy umsah, der zwar nur knapp, aber doch zum Glück neben ihm gelandet war, weil er sich beim Sprung von seinem Rücken gelöst hatte und damit nun nicht unter ihm begraben war. Wenigstens eine Feuerechse um die er sich nicht sorgen musste, blieb noch eine. Mühsam rappelte Luarcis sich auf und schaffte es endlich Flir auf dem Treppenabsatz einzuholen, die wie gebannt in eine daran anschließende Kammer starrte. Als er einen Blick darauf warf, wusste er auch wieso.

Sie standen am Eingang einer groß angelegten Schatzkammer die von Säulen gestützt reich gefüllt war mit den verschiedensten Kostbarkeiten. All diese Dinge mussten schon sehr lange hier liegen und bisher hatte es anscheinend auch noch kein Grabräuber so weit geschafft um hier einzudringen. Staunend betrachtete Luarcis die Haufen aus Gold- und Silbermünzen, gespickt mit einigen Edelsteinen und Schmuck aus alter Zeit. Er kannte solche Schatzkammern bisher nur aus Erzählungen, gesehen hatte er sie noch nie. Am anderen Ende des Raumes stand eine Art Podest auf dem einige ausgewählte Stücke standen und die Wände waren wieder reich verziert mit allerlei Malereien und auch Edelmetallen. Verwundert und fasziniert betrachtete er auch die überall im Raum herumschwebenden Gegenstände und Münzen, hier folgte die Schwerkraft also auch nicht den normalen Gesetzen. Bevor er noch etwas sagen konnte, hatte Flir auch schon eine der herumfliegenden Münzen näher inspiziert und freudig angetippt.
„Warte, fass hier besser nichts an! Wenn ich eins gelernt habe, dann dass wenn diese ganze Pyramide schon mit diesen ganzen Fallen und Mechanismen versehen ist, dann wird diese Schatzkammer bestimmt nicht davon ausgespart sein!“ Aber es war schon zu spät, die Münze schwebte schon träge durch den Raum und stieß mit einem für ihn viel zu lauten `Ping` gegen eine andere. Einen Moment lang war es totenstill, dann stießen beide Münzen wieder an andere und setzten so eine Kettenreaktion in Gang.

„Das gefällt mir gar nicht!“ rief Luarcis als er mit ansah wie plötzlich der ganze Raum in Wallung geriet und alle herumfliegenden Gegenstände in Bewegung gerieten. Zuerst ziellos, wie durch Zufall in verschiedenste Richtungen getrieben, aber dann fingen sie an umeinander herum zu wirbeln und sich zusammenzurotten.

„Nein, das gefällt mir überhaupt nicht! Kommt, wir sollten sofort hier verschwinden! Das was wir suchen ist jedenfalls nicht in diesem Raum, der ist nur ein Köder für eine Falle!“ rief er noch und wandte sich dann schleunigst dem Eingang zu, hielt aber plötzlich inne. Was er vorher nicht gesehen hatte war, dass zwei große steinerne Statuen den Zugang einrahmten. Sie waren menschlich, hatten aber Köpfe wie Schakale und trugen jeweils zwei mächtige steinerne Kriegsäxte. Was ihn aber beunruhigte waren ihre Augen, die plötzlich rot glühten und ihn bedrohlich anstarrten. Mit einem Mal setzten sich die Statuen in Bewegung und begannen ihre Arme mit den Äxten zu senken, zwei sichelförmige Türen die sich vor den Eingang schoben.

„Das wird ja immer besser! Schnell, bevor der Eingang blockiert ist!“ brülte Luarcis und sprintete los. Hinter ihm hatten sich die Münzen zu einer riesigen schwebenden Kugel zusammengeballt und begann auf die Eindringlinge zuzuschweben, während sie immer wieder Münzen und andere Dinge wie Pfeile auf sie abschoss. Dann lösten sich auch kleinere Stränge ab die langgezogen von den Seiten auf Luarcis zuflogen, wie Seeschlangen die ihre Beute in die Zange nehmen wollten. Er hechtete weiter unter dem Kugelhagel auf die Tür zu, in der die beiden Steinwächter nur noch eine immer schmaler werdende, dreieckige Öffnung frei liesen. Er sah, dass es verdammt knapp wurde, also setzte er alles auf eine Karte. Im vollen Galopp wich er gerade noch einer Münzsalve aus, die ihn wie eine Faust in die Seite schmettern wollte, legte die Flügel so weit es ging an und streckte mit einem letzten Satz die Beine so weit er konnte nach vorne und hinten ab. Auf dem Bauch landend schlitterte er den letzten Meter auf das Tor zu und durch die sich schließende Öffnung. Als er auf halbem Wege drohte stecken zu bleiben, stieß er sich panisch an den Seiten ab und konnte sich gerade noch hindurchzwängen und seinen Schwanz in Sicherheit bringen, bevor sich das Tor knirschend schloss. Einen Moment später gab es einen dumpfen Aufprall und heftiges Geklirre, als der Münzball gegen die Wand schepperte. Dann war es still.

Keuchend richtete Luarcis sich auf. „Lasst uns das bitte nie wieder machen!“ Er pflückte sich noch ein paar Münzen vom Körper, die sich unter seinen Schuppen verfangen hatten und steckte sie nach kurzem Überlegen in seinen Beutel. Wenn er schon nur knapp dieser Falle entkommen war konnte er genauso gut das mitnehmen, was ihm auf diese Weise aufgedrängt wurde. Dann schaute er wieder in das undurchdringliche Labyrinth aus Treppen.
„Das Artefakt das wir suchen und das vermutlich für all das hier verantwortlich ist muss sich irgendwo im Zentrum dieser Kammer befinden, zumindest war es nicht in der Schatzkammer. Also heißt es wohl weiter suchen, aber vorsichtig!“ sprach er noch und setzte sich dann wieder seufzend in Bewegung. Schritt für Schritt wagte er sich auf einer neuen Treppe voran und versuchte irgendwie ein Muster in diesen verwirrenden Stufen zu erkennen. Aber je weiter er ging desto schlimmer schien es zu werden. Er konnte kaum mehr als ein paar Meter weit sehen, alles andere lag in totaler Schwärze. Teile seiner Umgebung hellten sich zwar auf, nur um dann plötzlich wieder im Dunkel zu verschwinden, sobald er aus einem leicht anderen Winkel darauf sah. Selbst das Licht schien in diesem Raum nicht zu wissen wo es hin sollte. Dieser Eindruck verstärkte sich auch noch als Luarcis merkte dass seine treue Lichtkugel manchmal scheinbar mehrfach neben ihm herum schwebte, genauso wie er den Eindruck hatte sich selbst auf einer anderen Treppe zu sehen. Der Raum schien also deswegen so groß weil er wie in einem bizarren Spiegelkabinett alles verzerrte und duplizierte, so dass man keine Ahnung hatte auf welchem Weg man sich befand.

Da er seinen Augen nicht mehr trauen konnte versuchte Luarcis es einmal mit seiner Aura-Sicht, um dieser Kammer irgendwie auf den Grund zu gehen. Doch als er seine Augen schloss und seine Umgebung abtastete riss er sie keuchend schnell wieder auf. Alle Energieströme um ihn herum waren genauso chaotisch und verstörend wie der Rest in diesem Raum, das bereitete ihm nur noch mehr Kopfschmerzen. Damit war er also all seiner Sinne beraubt und schaute verloren über den Treppenabsatz neben sich. Wenn er weiter versuchte planlos über diese Treppen den richtigen Weg zu finden konnte es ewig dauern, er musste einen anderen Weg finden. Als er die Dunkelheit unter sich betrachtete kam ihm plötzlich eine Idee.

„Okay, wenn dieser Raum seine eigenen Regeln aufstellt, muss ich eben einen Weg finden um sie zu brechen!“ sagte der Weiße noch, nahm Anlauf und sprang dann einfach seitlich von der Treppe ab ins Nichts unter sich und fiel. Er versuchte noch mit den Flügeln den Sturz abzufangen, traute sich aber nicht sie voll auszuklappen um nicht irgendwo gegen zu stoßen. Die Gravitation zerrte abwechselnd von allen Seiten an seinem Körper und so wusste er schnell nicht mehr ob er nach unten fiel oder nach oben gezogen wurde. Treppen und Lichtblitze rasten an ihm vorbei und er schien fast endlos ins Nichts zu fallen und er bekam Zweifel an seinem riskanten Plan. Was wenn dieser ganze Raum schon nicht mehr in der eigentlichen Realität existierte und er sich in irgendeiner fremden Dimension befand? Doch dann sah er plötzlich einen hellen Lichtschimmer aus dem Nebel unter sich auftauchen, der nicht wieder verschwand sondern immer stärker wurde. Als er ihn fast erreichte faltete Luarcis seine Flügel nun doch ganz aus und kam dann mit einiger Wucht, aber unverletzt auf dem plötzlich sichtbaren Boden auf.

Kurz schloss er die Augen um einmal durchzuatmen und wieder zu Sinnen zu kommen, dann richtete er sich auf und sah sich um. Er stand am Absatz einer kleinen Treppe, die zu einem Podest vor ihm führte. Darauf befand sich ein großer metallener Ring, mit leuchtenden Runen überzogen. Er schwebte eine Handbreit über dem Podest und dreht sich schnell um sich selbst. In seinem Inneren formte sich eine pulsierende Kugel die gleichsam irgendwie strahlte, aber doch von einer vollkommenen, unbeschreiblichen Schwärze erfüllt war. Gebannt starrte Luarcis auf dieses Schauspiel und ihm kam eine Theorie der Astronomen in den Sinn von dunklen Sternen die eine so gewaltige Anziehungskraft besitzen, dass sie selbst Licht verschlucken. Aber das waren Objekte von kosmischen Ausmaßen, dennoch kam er nicht umhin zu akzeptieren dass dieses Artefakt doch einige Parallelen dazu aufwies. Er hoffte inständig dass Silvy auch wusste was sie tat wenn sie versuchte alle Teile des Artefakts zu sammeln. Wenn ein Teil davon schon solche Kräfte besaß, wozu wäre es dann im Stande wenn alle Teile zusammengesetzt waren?

Erst als er den Blick abwand sah er dass sich unter dem Ring ein breiter Energiestrom am Podest entlang wand und den Ring umschloss, um sich dann in zahllosen Verästelungen allen Seiten des Raumes entgegenzustrecken und mit den Wänden zu verschmelzen. Hier hatten also die seltsamen Energieadern ihren Ursprung. Die Hauptader verschwand unter ihm in den Tiefen des Raumes und der Erde und er wusste endlich um was es sich handelte.

„Ein Ley-Energieknoten! Kein Wunder dass diese Adern mir so lebendig vorkamen!“ rief er und näherte sich dann ehrfürchtig dem Podest. Ley-Energie war die ureigene Kraft der Welt selbst und ihre Linien zogen sich durch die Erde wie gewaltige Pulsadern. Wer sie berührte und darauf horchen konnte spürte also den Lebenstakt der ganzen Welt und allem was sich darauf befand, ein Gefühl das nichts anderem gleichkam. Über Knoten, wo sich mehrere Ley-Linien trafen wurden schon seit Urzeiten Ritualplätze errichtet, denn dort war die Magie am stärksten und befähigte einen zu Dingen zu denen man allein kaum im Stande war. Doch die Ley-Linien bewegten sich meist tief unter der Erde so dass man selbst an diesen Orten noch weit von ihnen entfernt war. Ihr so nahe zu sein war genauso einmalig wie verboten. Jeder Magiebegabte wusste dass es unvorhersehbare Auswirkungen haben konnte, eine Ley-Linie direkt zu stark anzuzapfen. Wenn man die Welt zu viel ihrer eigenen Kraft beraubte und das Gleichgewicht störte konnte das furchtbare Konsequenzen haben. Selbst die dunkelsten Magier hielten sich normalerweise zum Glück an dieses Gebot.

Luarcis war am Podest angekommen und legte nach kurzem Zögern seine Pranke darauf, so dass sie von der Energie umströmt wurde. Er schloss die Augen und lies die Kraft auf sich wirken. Ihr Pulsieren durchsetzte seinen ganzen Körper und er hatte sich nie so lebendig gefühlt. Er hatte schon eine besondere Begabung sich mit Tieren und Pflanzen verbunden zu fühlen und ihre Kraft und Gefühle zu teilen. Doch was er nun spürte war von einem Ausmaß das er nie für möglich gehalten hatte. Er war mit etwas verbunden das weit größer war als er selbst und diese Kraft war stärker als alles was er je kannte. Er wusste nun warum alle Gelehrten tunlichst davor warnten dieser Macht je zu nahe zu kommen. Die Versuchung sie für sich zu nutzen war einfach zu groß und konnte so Manchen verführen. Doch Luarcis nahm nur so viel in sich auf um seine Wunden vollends zu heilen und seine verlorenen Kräfte wiederherzustellen, mehr wagte er nicht. Dies war nur eine vergleichsweise winzige Menge Kraft die seine Welt kaum spüren würde. So zog er sich zufrieden zurück, dankbar und wissend dass er dieses Gefühl nie vergessen würde.

Dann wendete er sich wieder dem Ring zu, der mit seiner Kraft die Ley-Linie aus den Tiefen der Erde zog. Das war wohl auch der Grund warum er schon seit Jahrhunderten ohne Zutun aktiv war, da er auf diese Weise von einer schier endlosen Energiequelle zehren konnte.
Stellt sich nur die Frage wie ich ihn wieder abschalten kann. Silvy wüsste das bestimmt, aber ich habe keine Ahnung wo sie ist und hier ewig zu warten bringt auch nichts…, dachte Luarcis sich und besah sich die hell glimmenden Runen auf dem Ring. Er drehte sich zu schnell um etwas Genaues zu erkennen aber er wusste auch so dass sie sicher von einer Schrift waren, die er nie zuvor gesehen hatte. Kurz betrachtete er noch das Schauspiel, dann fasste er sich ein Herz und setzte sich auf, so dass er seine Pranken zum Ring erheben konnte.

Einen Moment lang schloss er ein paar Mal prüfend die Klauen, holte dann tief Luft und packte dann zu. Plötzlich aus seinem Zyklus gerissen stoppte der Ring abrupt als Luarcis ihn festhielt. Er fühlte sich als ob er gleichzeitig innerlich zerrissen und von einem tonnenschweren Gewicht zerquetscht wurde und begann zu schreien. Der Ring zitterte und vibrierte heftig in seinem Griff und die Runen glommen bedrohlich auf. Ein beängstigendes Summen erhob sich und hallte von den Wänden wider. Dann begann das winzige schwarze Loch in seinem Inneren herumzuwabern und seine Form zu verlieren. Der weiße Drache brüllte vor Schmerz aber er zwang sich nicht los zu lassen, sie alle hatten schon genug durchgemacht um so weit zu kommen, jetzt würde er nicht aufgeben.

Luarcis hatte kaum die Kraft den Ring unter Kontrolle zu halten, so stark versuchte er seinem Griff zu entkommen, das Summen schwoll immer mehr zu einem Dröhnen an. Gerade als er es kaum mehr aushalten konnte und er schon los lassen wollte, verlor die Kugel endgültig ihre Konsistenz und explodierte. Luarcis wurde von der Schockwelle von den Füßen gerissen und nach hinten geschleudert während sie sich weiter im Raum und letztlich der ganzen Pyramide ausbreitete.

Einen Moment lag Luarcis keuchend in absoluter Stille. Er hatte den Ring immer noch in seinen tauben Klauen, die Runen waren erloschen und er rührte sich nicht mehr. Er hatte es geschafft, aber als die Erde zu beben begann ahnte er dass es nicht die beste Idee gewesen war. Er hatte genug Abenteuergeschichten gelesen wo genau so etwas passierte. Nachdem der Held endlich alle Hindernisse überwunden und den geheimen Schatz gefunden hatte, löste er bei dem Versuch ihn zu stehlen erst recht eine Katastrophe aus, die letzte Falle war zugeschnappt.

Vor sich sah Luarcis wie sich die Ley-Line wieder in die Tiefe der Erde zurückzog, nun da das Artefakt sie nicht mehr anzog. Die kleineren Energieadern zappelten noch einen Moment haltlos in der Luft, dann zogen auch sie sich zurück, allerdings in die Wände der Pyramide, wo sie sich über Jahrhunderte hinweg tief eingegraben hatten. Da wusste er dass ihnen nicht mehr viel Zeit blieb. Wenn die Energie, die sich so lange durch den Stein gefressen hatte einfach verschwand, würde die Pyramide nicht mehr viel Halt haben. Außerdem fürchtete er dass sie überhaupt erst durch die Hilfe des Artefakts errichtet wurde und ohne seine Kräfte gar nicht erst stehen konnte. Das allmählich stärker werdende Erdbeben bekräftigte seine Vermutung.

Luarcis sah sich schnell in dem Raum um und erkannte dass er eigentlich viel kleiner war als er dachte, da er nur durch die Illusionen und Verzerrungen so groß wirkte, aber nun da das Artefakt nicht mehr aktiv war konnte man alles klar erkennen. Er sah auch dass es schon einige andere aus seiner Gruppe geschafft haben bis in diese Kammer vorzudringen. Erleichtert merkte er auch dass das seltsame Gravitationsfeld das durch das Artefakt erzeugt wurde immer noch aktiv war und nicht gleich in sich zusammengebrochen ist. Anders wäre es nicht mehr möglich gewesen überhaupt auf den kopfüberhängenden Treppen zu laufen. Allerdings begann es sich schon aufzulösen deswegen mussten sie schnellst möglichst wieder verschwinden… Da er keine Ahnung hatte wo sich alle anderen genau befanden blieb ihm nur eine Möglichkeit.

„Wenn ihr mich hören könnt, sucht so schnell es geht einen Ausgang! Ich habe das Artefakt aber die Pyramide wird fürchte ich gleich zusammenbrechen! “ übermittelte Luarcis telepathisch an alle in möglichst großem Umkreis die dazu fähig waren ihn zu verstehen. Er hoffte nur dass er alle erreichen konnte oder sie wenigstens aufgrund der Erschütterungen die richtigen Schlüsse zogen, mehr konnte er nicht mehr tun. Er hatte keine Ahnung wie weit seine telepathischen Fähigkeiten reichten wenn er kein Ziel hatte auf das er sich konzentrieren konnte. Auch hoffte er dass alle rechtzeitig den Weg nach draußen finden konnten oder wenigstens Schutz in dem natürlichen Höhlensystem fanden, das dem Erdbeben hoffentlich standhalten konnte. Dann schnappte er den Ring mit seinem Maul und begann zu rennen…

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Re: Psycho-Dragons Reisen

#117 Beitragvon Kezune » Di 19 Jul, 2016 18:32

Reikian besaß weder ein Zeitgefühl, noch einen Sinn für Entfernungen oder Richtungen. Sie konnte nicht sagen wie lange sie schon durch die gleichförmigen Gänge wanderte. Vollkommen unbeirrt setzte sie einen Fuß vor den anderen und wanderte vorwärts der Magie entgegen, wobei sie der Richtung (und dem etwaigen Rückweg) keinerlei Aufmerksamkeit schenkte. Irgendwann durchbrachen Geräusche die Stille und als Reikian schließlich um eine Ecke bot erblickte sie das (oder die) Wesen deren Spur sie gefolgt war.

Die Katze blieb gut sichtbarin der Mitte des Ganges stehen und starrte mit ausdruckslosem Blick zu den Wesen hinüber. Überhaupt war ihre ganze Körperhaltung unbeeindruckt und ziemlich gleichgültig. Kein nervöses Zucken mit dem Schweif, keine Ohrbewegungen, eigentlich gar nichts dass man von einer Raubkatze erwarten würde wenn sie sich gerade einem sehr viel größeren Drachen gegenübersah. Sie blieb einfach völlig unbewegt stehen, das einzige was sich an ihrer Erscheinung veränderte war ein gelegentliches Blinzeln und gleichmäßige Atembewegungen.
Sie nahm die Kreaturen in Augenschein.

Das erste und auffälligste Ding war... groß. Nein. Eher riesig. Es war ein metallisch glänzender Haufen Schuppen und Haut, das den Gang fast zur Gänze ausfüllte. Es hatte vier Beine, Krallen, Flügel (falls diese Hautlappen an seiner Seite welche darstellen sollten), einen langen Hals mit Kopf dran und eine Reihe von stachligen Fortsätzen auf dem Körper. Als Reikian ihre Geistersinne ein wenig ausstreckte stellte sie fest, dass das Wesen teilweise metallisch zu sein schien. Das war... neu. Bis jetzt hatte Rei Metall immer für etwas Totes gehalten und sah jetzt gerade die erste Ausnahme dieser Theorie vor sich. Und noch interessanter: Das Wesen strahlte Magie aus, also konnte es wohl auch Magie einsetzen?

Vor dem Metallwesen an einer Wasserstelle hockte eine kleine weiße Flugechse. Was trieb die da? Sie spielte mit einer kugelförmigen Barriere am Wasser herum. War das...? Nein, bei genauerer Betrachtung konnte Reikian in der Barriere keinerlei Magie spüren. Was war es dann? Die Echse schien jedenfalls nicht wirklich damit umgehen zu können, denn die Barriere war durchlässig und unvollständig. Dennoch fand Reikian das interessanter als das silberne Monstrum neben dran. So eine kleine seltsame Kreatur (welche auch noch verdächtige Ähnlichkeit mit den essbaren Vertretern auf Aspex hatte) und doch konnte sie Magie einsetzen... und dann auch irgendwie wieder doch nicht. Magie ohne Magie, wie funktionierte das eigentlich?

Ob die Kreaturen schlau genug waren um mit ihnen zu kommunizieren? Vielleicht war es einen Versuch wert. “Szzephiir?“, ahmte Reikian die Laute nach die sie eben gehört hatte, wobei ihre Aussprache extrem steif und unbeholfen war. Es war vergleichbar mit einem Jungtier das gerade seine ersten Sprachversuche machte, denn tatsächlich verhielt es sich mit ihr genauso. Irgendwo in den Katzenerinnerungen schlummerte das Wissen wie genau die Sprache anzuwenden war, doch hatte die neue geisterhafte Untermieterin nie das geringste Interesse an derlei Dingen gehabt. Wozu auch? Es war eine schrecklich ineffiziente, umständliche und komplizierte Art der Verständigung und im Nachhinein wunderte Rei sich, warum sie das jetzt eigentlich gerade versucht hatte. Na egal... zu spät um es jetzt noch zu ändern.

Bevor Reikian aber weitere Entdeckungen machen konnte oder eine Reaktion auf den Kommunikationsversuch erhielt, hörte sie noch ein anderes Geräusch... von oben? Ihr Blick wanderte zur Decke, wo sie gerade noch Zeit hatte ein dunkles schwarzes Viereck zu erkennen. Dann rauschte auch schon ein unförmiges Objekt hindurch und krachte mit der Feinfühligkeit (und dem gefühlten Gewicht) eines Felsblocks auf ihren Rücken knapp hinter den Schulterblättern. Begleitet von einem dumpfen“Uff!“ schickte der Aufschlag die Katze zu Boden und trieb ihr die Luft aus den Lungen. Gleichsam schoss ein scharfes Brennen durch ihren Körper und eine Erkenntnis durchbrach ihre bisherige Gleichgültigkeit: Das verdammte Ding hatte Krallen! Es war ein Angriff! Reikian reagierte vollkommen automatisch. Einen kurzen Moment lang flackerten die blauen Muster auf ihrem Fell auf, dann folgte auch schon eine magische Entladung die dem vermeintlichen Angreifer einen Stromschlag verpasste. Reikian stemmte sich sogleich wieder auf die Pfoten und machte einen Buckel, wodurch sie den unfreiwilligen Anhang auf den Boden verfrachtete. Dann machte sie einen Sprung vorwärts aus der Gefahrenzone und wandte sich um, um den unbefugten Eindringling ins Auge zu fassen.

Was war das für eine nervtötende Welt! Man konnte keine fünf Meter laufen ohne von irgendwelchem Ungeziefer belästigt zu werden! Als wäre diese jämmerliche Existenzform nicht so schon schlimm genug, nein, ständig kamen andere dieser rückständigen körperlichen Lebensformen angekrochen um das ganze noch unerträglicher zu machen. Konnten sie sie nicht einfach in Ruhe lassen?!

So wie dieses komische Ding, das aus einem unförmigen Haufen von Krallen, grünen Schuppen und Metall zu bestehen schien. Ohne darüber nachzudenken hatte Reikian ihr Fell aufgeplustert, die Ohren angelegt und ein durchdringendes Fauchen in Richtung des... Dings losgelassen. Naja. So gesehen vielleicht auch nicht die schlechteste Idee. Körperliche Lebensformen kommunizierten ja mit diesen primitiven Lauten... vielleicht kam dann auch an, dass sie absolut keine Lust auf diese Bekanntschaft hatte.
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Re: Psycho-Dragons Reisen

#118 Beitragvon Seriva Senkalora » So 06 Nov, 2016 02:51

Suchend blickte Seriva von Gang zu Gang. Diese Pyramide war das reinste Labyrinth und die rote Drachin hinterließ immer wieder Markierungen an Kreuzungen, damit sie auch wieder zurückfinden konnte. Die Sonnendrachin war vor einer Weile wohl schon umgekehrt. Zumindest hatte Seriva sie aus den Augen verloren, nachdem Tsi fröhlich vorausgeflogen war. An einer Kreuzung erkannte sie ihre eigenen, in den Stein gekratzen, Markierungen. Seufzend lehnte Seriva sich an eine der Wände und schloss für einen Moment die Augen. Ihr Schädel brummte, sie brauchte dringend eine richtige Pause. Leider hatte sie keinen der beiden Raptoren finden können. Gelegentlich hatte sie zwar das Gefühl gehabt, dass sich einer von ihnen ganz in ihrer Nähe befunden hatte, doch egal wie gründlich sie sich umgesehen hatte, war doch keiner zu entdecken gewesen. Müdigkeit übermannte Seriva und ihre Beine gaben nach. Ein wenig plump ging sie zu Boden und der gehörnte Kopf schlug unkontrolliert gegen die Wand.

Ein greller Blitz durchzuckte bei der Berührung des Gemäuers plötzlich Serivas Gedanken. Etwas Fremdes, etwas, dem die Anwesenheit der Drachen missfiel griff nach ihrem Bewusstsein. Doch es war kein Angriff, keine feindliche Übernahme. Eher eine Art... Neugier. Das Fremde wühlte in den Erinnerungen der Drachin, versuchte herauszufinden warum sie hier war. Zeitgleich ermöglichte es durch diese Verbindung unbewusst der Drachin in seinen Erinnerungen zu suchen. Doch die Wahrnehmung war zu konfus, als dass Seriva einen wirklichen Nutzen daraus hätte ziehen können. Sie konnte nicht erkennen was Es war und was Es wollte. Auch gelang es ihr nicht, Näheres über ihre Freunde zu erfahren. So gab Seriva auf und ließ in ihrer Erschöpfung das Fremde gewähren. Ohne Schaden anzurichten, verließ dieses bald den Geist der Drachin. Die bemerkte das jedoch schon nicht mehr, da sie endgültig von ihrer Erschöpfung übermannt worden war.

--

Zephir riss die Augen auf und sah sich panisch um. Sie lag inmitten eines leeren Raumes. Es war nahezu stockfinster, nur die allgegenwärtigen Linien in den Wänden gaben ein schwaches Licht ab. Mit stark geweiteten Pupillen war die Nachtsicht der Greifin dennoch nicht ausreichend um vollkommen klar zu sehen. Doch es reichte, um zu begreifen, dass sie nicht auf dem Boden lag sondern an der Decke. "Was zum...", wunderte sie sich. Unsicher richtete Zephir sich auf und stakste vorsichtig ein paar Schritte vorwärts. Schnell wurde ihr bewusst, dass sie hier normal laufen konnte ohne herunter zu fallen. "Wo bin ich hier nur gelandet?", fragte sie sich. Innerlich verfluchte sie die rote Drachin, die sie erst hierhergebracht hatte. Doch zugleich wusste die Greifin, das es ihre eigene Schuld gewesen war. Kopfschüttelnd verscheuchte Zephir diese Gedanken. Dafür war nun gerade keine Zeit. Entschlossen steuerte sie auf eine der drei Türen zu, die sie nach genauerem Umsehen entdeckt hatte. Da diese nun ein Stück höher lag, sprang Zephir den Vorsprung hinauf.. ..und wurde vom Fußboden angezogen. Unelegant gelang der Greifin zwar noch sich zu drehen, dennoch schmerzte der Aufprall. Wie Feuer brannte es in ihren Sehnen, als sie mit ziemlicher Wucht auf dem richtigen Boden aufschlug. Immerhin kam sie nun durch die Tür.

--

Als Seriva wieder zu sich kam, wusste sie nicht wie lange sie dort gelegen hatte. Zumindest lange genug, dass ihre Beine unangenehm kribbelten. Sie war auch in einer alles andere als bequemen Position eingeschlafen. Mühsam streckte die Drachin ihre Glieder und versuchte die Steifigkeit zu vertreiben. Langsam richtete sie sich auf, sortierte ihre Flügel - die sie aufgrund der Enge des Ganges nicht ausstrecken konnte - und versuchte sich zu orientieren. Ihre Markierungen waren noch da, doch ihr war entfallen, in welche Richtung sie von dort nun gehen musste. Unwillig musste Seriva sich eingestehen, dass sie sich verlaufen hatte.

Erzürnt durch ihre eigene Hilflosigkeit hieb Seriva auf die Mauer neben ihr ein. Die starken Krallen hinterließen tiefe, deutlich sichtbare Furchen im Gestein. Von ihrem auf diese Weise markierten Anfangspunkt aus, erhoffte Seriva sich hier wieder heraus zu finden. "Auf ein Neues!", murmelte sie und nahm sich den ersten Gang vor. Dieser mündete jedoch schon nach zwei Biegungen in eine Sackgasse. Der Gang war mit Geröll und Steinen verschüttet. Erst beim Umdrehen wurde der Drachin bewusst, was sie an diesem Hindernis so seltsam fand. Sie wandte sich erneut dem Schuttberg zu und griff nach einem der Steine. Er war feucht. Die Wände und Decke um sie herum hingegen waren trocken. Auch der Boden wies keine Spuren von Wasser auf. Wieso also war der Schuttberg feucht? Die Erkenntnis traf Seriva wie ein Schlag. Hektisch stürzte sie zurück zur Kreuzung und direkt in den nächsten Gang. So ungestüm wie sie war, rammte sie mehr als einmal die Wände. So würde die Drachin sich keine Sorgen machen müssen zu erkennen, wo sie schonmal gewesen war. Die rubinroten Schuppen waren hart und hielten der Beanspruchung stand.

Panik ist jedoch kein guter Begleiter, wenn man sich in einem Labrinth verlaufen hat. Diese Einsicht ereilte Seriva, als sie schnaufend erneut vor dem feuchten Geröllberg stand. Kam es ihr nur so vor oder war dieser nun nasser als vorher? Fast konnte die Drachin das Wasser hinter dem Schutt gluckern hören. Einzelne Tropfen bahnten sich ihren Weg zwischen den Steinen hindurch und liefen in feinen Rinnsalen auf den Boden. Der Druck des Wasser war groß und das Hindernis würde die Wassermassen nicht mehr lange aufhalten können. Erneut drehte Seriva um und suchte nach dem Ausweg. Bis sie eine Stelle erreichte, an der sie nun schon das fünfte Mal vorbeikam. Dieses Mal stoppte sie jedoch. Auf dem Boden vor ihr war ein Fleck. Ein nasser Fleck. Unsicher blickte Seriva nach oben. Die Decke war feucht und einzelne Wassertropfen hingen drohend über ihr. Ein einzelner löste sich und tropfte der Drachin auf die Nase. "Oh bitte nicht... bitte... nicht DAS!", flehte Seriva die Wände an. Die aufkeimende Angst machte sich breit und lähmte sie. Wasser... Ausgerechnet Wasser...

---

Zephir erging es kaum besser. Auch sie irrte ein wenig ziellos umher und suchte mit wachsender Verzweiflung nach der silbernen Drachin.

Eine der vielzähligen Biegungen in einem der vielen endlosen Gänge später, erreichten vertraute Laute ihre Ohren. Stimmen! Zephir beschleunigte ihren Schritt und hoffte, bald die Drachin erreicht zu haben. Dabei erreichte sie einen weiteren, leeren Raum. Das Echo der Stimmen verlor sich zwischen den Säulen und machte es der Greifin nicht einfacher. Angestrengt lauschend, versuchte sie, die Stimmen zu lokalisieren. Doch es war still. Enttäuscht horchte Zephir in jeden Gang hinein ohne, dass erneut ein Ton zu hören war. Frustriert setzte Zephir sich mitten in den Raum. Bis sie ihren Namen hörte. Rasch sprang die Greifin auf und antwortete mit einem kreischenden Laut. Ob die Andere sie gehört hatte und erneut nach ihr rufen würde? Dann vernahm sie eine andere Stimme. Eine, die die Greifin nicht kannte. Aber sie rief ihren Namen. Zephir wurde misstrauisch und lugte vorsichtig in den Gang, aus dem sie die Stimme lokalisiert hatte. War das eine Falle? Unentschlossen tapste Zephir von einem Fuß auf den anderen. Ehe sie sich ein Herz nahm und den Gang durchquerte.

---

Seriva kämpfte mit ihrer Angst. Vor kurzem hatte es leichte Erdstöße gegeben. An immer mehr Stellen sah sie nun Wasserflecken. Die seltsamen Energielinien schienen es jedoch zurückzuhalten, denn in ihrer Nähe war das Gemäuer weiterhin trocken. Die Erdstöße wurden heftiger. Verzweifelt grub Seriva ihre Krallen in den Stein und berührte dabei mehr zufällig eine der Linien. Energie schoß in ihren Körper, schien sie aufzufüllen wie einen Ballon, so dass es der Drachin vorkam, als würde sie explodieren. Alles brannte wie Feuer. Seriva schrie. Als die Energielinien plötzlich verschwanden, war es schlagartig dunkel. Keuchend stand Seriva mitten im Gang. Der Schmerz ebbte ab und sie fühlte sich fast wie neugeboren. Die Euphorie schwand jedoch, als ein eindeutiges Geräusch rasch näherkam. Das Geräusch von durch Gänge tosendem Wasser.

In einer Reflexhandlung rollte Seriva sich zusammen, schlang die Flügel um den Körper und sammelte soviel Luft um sich zusammen wie sie konnte. Noch einmal tief einatmen, dann wurde sie von den Wassermassen überrollt. Das Wasser war stark, es riss die Drachin wie Spielzeug mit sich. Es schleuderte sie durch die einstürzenden Gänge, brach mit ihr durch nachgebende Wände und spülte sie immer weiter vor sich her. Serivas Luftvorrat war knapp, sie bemühte sich nur minimal zu atmen, doch allzu lange konnte sie die Luft nicht anhalten. Wasser war nicht ihr Element, sie konnte nichtmal schwimmen. All ihre Kräfte und Fähigkeiten waren in dieser Situation wertlos. Seriva hatte nicht den Hauch einer Ahnung wo sie sich befand, doch musste sie sich bald entscheiden, in welche Richtung sie diesen unterirdischen Strom zu verlassen versuchen wollte. Konzentriert suchte sie mit ihren Übersinnen nach Anhaltspunkten. Unbewusst nahm sie Luarcis' telepathische Warnung wahr, doch kam diese für die rote Drachin zu spät. Als sie den letzten Atemzug aus ihrer gesammelten Luftblase nahm, stand die Entscheidung fest. Doch es kam nicht dazu. Der Boden brach ein und die Wassermassen stürzten mitsamt der Drachin in die Tiefe. Sofort packte Seriva in die Dunkelheit und es gelang ihr, sich an einem Felsen festzuhalten. Schwer nach Luft ringend, ließ sie ihre Sinne dem Wasser folgen. "Irgendwo muss das doch wieder rauskommen...", überlegte sie. Nach einem kurzen Abstieg erreichte sie einen tiefen See, der sich langsam mit den aus den Gängen herunterstürzenden Wassermassen füllte. Von seinem Ufer aus führte ein Gang offensichtlich nach oben. Zumindest soweit Seriva ihn von ihrem Standort aus erkunden konnte. Sie nahm ein paar Schlucke Wasser, atmete durch und machte sich auf den Weg. Es war stockfinster, ohne ihre Fähigkeiten wäre sie verloren. Doch dank der seltsamen Energie, konnte sie sich wieder dieser bedienen. Die Energiesicht ließ sie ziemlich klar sehen. Dennoch war warmer Wüstensand im Sonnenlicht die eindeutig angenehmere Vorstellung. Hinter ihr ließ ein Dröhnen das Gestein erzittern. Offenbar brach da oben eine ganze Menge in sich zusammen. Hoffentlich waren diese natürlichen Höhlengänge sicher.

---

Zephir fielen tausend Steine vom Herzen, als sie die große Silberne sah. Freudig hüpfte die Greifin auf sie zu. "Ich habe Euch gefunden!", jubelte sie. Als sie das Wasser sah, stürzte sie durstig darauf zu und wäre dabei fast über Sky gestolpert. "Oh tut mir leid", entschuldigte Zephir sich zerknirscht. Dann erst bemerkte sie die Katze und sah diese neugierig an. Doch zu einer Vorstellungsrunde kam es erstmal nicht. Ehe Zephir sich ein Herz fassen und die fremde Katze ansprechen konnte, stürzte einer der Raptoren von der Decke und fiel unsanft auf den Katzenrücken. Die darauf folgende, reflexartige Abwehrreaktion der Katze ließ Zephir zurückschrecken. Sie war es einfach nicht gewohnt soviel übersinnliches an einem Ort zu erleben. So suchte die Greifin in ihrer Verunsicherung Schutz bei der, die sie kannte. Bei der silbernen Drachin.

Zu einem langen, gemütlichen Verweilen blieb aber wohl keine Zeit. Etwas veränderte sich. Zephir wurde unruhig, ihre Instinkte rieten ihr, sich schnellstens zu entfernen. Dies teilte sie auch Silvi mit. Dann setzten die ersten Erdstöße ein und die Linien in den Wänden begannen unheilvoll zu flackern.

---

[Ich habe Seriva in das natürliche Gangsystem geschickt in dem Silvi und Zephir angefangen haben. Silvi kam ja nicht durch die Pyramide hinein.
Und Zephir folgt Silvi dann sowohl durch die mystische Tür (was dahinter ist, will ich aber noch wissen) als auch auf etwaige hinausführende Pfade.]
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Re: Psycho-Dragons Reisen

#119 Beitragvon Cyber Zipclaw » So 13 Nov, 2016 22:53

Alles war dunkel. Er hatte das Gefühl fest auf den Boden gedrückt zu werden, als ob etwas sehr schweres auf ihm lastete und ihn fest am Boden hielt. So sehr er auch versuchte sich aus dieser misslichen Lage zu befreien, es half einfach nichts. Ein Summen in der Ferne… langsam kam es näher, wurde zu einem Brummen. Ein ohrenbetäubender Knall und plötzlich hatte er das Gefühl zu fallen. Aber… nach oben? Kaum hatte den Gedanken zuende gedacht, knallte er mit dem Rücken an die Decke und wurde vom nach oben geschleuderten Sand bedeckt. Hustend versuchte er sich zu orientieren und zu bewegen. Gut, immerhin war dieser Druck endlich weg. Doch dunkel war es immer noch. Zeenphas Körper stammte von in Wüsten lebenden Ost-Ra ab, daher konnten seine Augen in dunklen Umgebungen nur sehr schwer etwas wahrnehmen. Kein Vergleich zu seinem ursprünglichen Körper, der mehr als sein halbes Leben in Höhlen verbrachte. Hach, wie er seinen eigenen Körper vermisste.

Langsam richtete er sich auf und ging in die Richtung, in der er einen der Durchgänge vermutete. Der „neue“ Boden war noch unebener als der „alte“. Immer wieder stieß er sich die Füße an spitzen Steinen und Felsen, die aus dem Boden ragten. Stolpernd und wilde Flüche ausstoßend stieß er mit der Schnauze schließlich auf eine Wand, die er umgehend abtastete. Nichts, außer Felsgestein. Vorsichtig ging er an der Wand entlang und versuchte etwas zu ertasten, was ihm helfen könnte, aus diesem Raum zu entfliehen. Mehrere Minuten vergingen und sein Fluchen wurde mit seinem Ärger über die Nutzlosigkeit seines Tuns, und wegen der schmerzenden Füße, immer lauter. Jedes Stolpern über etwas Spitzes am Boden ließ ihn noch wütender werden. Als dann einer seiner Füße in ein Loch fiel und ihn mit der Schnauze zu Boden werfen ließ, war das einfach zu viel. Aus dem tiefsten Inneren seines Seins ertönte ein lautes wütendes Brüllen. Seine Hände zu Fäuste geballt, schlug er mehrmals mit voller Wucht auf die sich vor ihm befindliche Felswand, in die sich schon sehr schnell Beulen formten. Kleine Gesteinssplitter flogen umher.



Als wenn er eine ganze Nacht durchgezecht hätte, so dröhnte ihm der Schädel und auch jeder Knochen in seinem Körper tat ihm weh. Stöhnend öffnete Vortex langsam die Augen. *Ahhh… nicht so hell...*, nuschelte er blinzelnd. *Und nicht so lauuut...* Die Stimmen um ihm herum schienen sich in seine Gehörgänge einzumeißeln. Was war passiert? Wo war er? Und wieso fühlte er sich so besch-…eiden? Ah, langsam kamen einige Erinnerungsfetzen zurück. Zeenpha, völlig durchgedreht. Verloren in den Höhlengängen, ein Loch und ein tiefer Fall. Achja, da war doch was.

Vortex wurde nun etwas wacher und sah sich um. Sorgenvolle Blicke von einer der kleinen Drachen, oder Echse…, der komischen Greifin, einer sauer dreinblickenden Katze und der silbernen Drachin. Moment, eine Katze? Wo kommt die denn her? Mit schmalen Augen sah er sich die Katze genauer an. So richtig konnte er sich nicht erinnern, sie jemals gesehen zu haben. Oder spielte ihm nur sein Gedächtnis einen Streich? So richtig wach war Vortex noch immer nicht, so versuchte er auch erst gar nicht, richtig aufzustehen. Erstmal hinsetzen, das war angenehmer. Wie er tief durchatmete sah er in die Runde und dachte noch einmal über die Geschehnisse nach, wobei er fast wieder einnickte. Doch dazu kam es dann doch nicht mehr, denn ein Schwall kaltes Wasser ergoss sich über ihn und er wurde schlagartig wach, sprang auf und begann hibbelig und schon beinahe auf und ab hüpfend zu erzählen.

„Leute, wir haben Problem! Zeenpha, durchgeknallt, angegriffen, mich, benimmt sich komisch! Ich verfolgt, verloren… gefallen, ich Aua, jetzt hier, ihr hier, wir finden und aufhalten, Zeenpha, gefährlich, nicht weiß wieso...“

Vortex schnappte sich seine Sachen, lief auf und ab und verstand nicht, wieso die anderen so lange zögerten. Wollten die jetzt auch noch darüber diskutieren, oder was?



Immer mehr Material bröckelte von der Wand auf die er wie ein Wilder einschlug. Dann brach etwas Licht hindurch. Sofort hörte er auf zu schlagen und betrachtete keuchend sein Werk. Er versuchte hindurch zu sehen, aber alles was er sah war Wasser. Wieso war auf der anderen Seite Wasser und wieso kam es nicht durch das Loch? Was geht hier nur vor? Erst jetzt bemerkte er das Rauschen von Wasser, das durch die Gänge schoss. BRAM! Wieder fiel er nach oben in die Höhe und landete unsanft auf dem Rücken. Doch Staub und Steine waren nicht das einzige was auf ihn fiel. Erst waren es nur einige Tropfen, dann schon ein Strahl und wenige Augenblicke später ergossen sich Wassermassen in den Raum. So schnell er konnte sprang er auf und suchte nach einem Ausweg. Außer Dunkelheit und Wasser war nichts in dem Raum. Die Türen waren immer noch fest verschlossen und hatten offensichtlich nicht die Absicht sich in absehbarer Zeit zu öffnen.

Der Raum füllte sich sehr schnell mit Wasser. Wenn er nicht bald herauskäme, war es aus für ihn. Wieder einmal. Das hieße für eine sehr lange Zeit einen neuen Körper suchen. Denn nicht jeder x-beliebige Körper ist geeignet. Er hatte es damals mehrmals versucht, aber bisher waren nur Ost-Ra-Körper in der Lage, seinen Geist aufzunehmen. Und da Zeenpha der letzte war, müsste er eine Alternative finden, bevor… ja, was eigentlich? Was würde eigentlich passieren, wenn er zu lange brauchen würde einen neuen Körper zu finden? Diese Frage hatte er sich niemals zuvor gestellt. Und zum ersten Male seit Jahrmillionen verspürte er wieder so etwas wie Angst. Angst endgültig zu verschwinden, oder bis zum Ende von Allem als körperloses Wesen zu existieren. Und was dann?

„Ach, jetzt hast Du plötzlich Existenzängste? Das ist ja schon beinahe bemitleidenswert.“

„Was? Seit wann bist Du wieder wach?“

„Seit eben erst. Der Knall vorhin riß mich aus einem schönen Traum. Ein Traum von einer Welt ohne Dich!“

„Würdest Du… BITTE… ?!“

„Du bittest mich um etwas?“

„JA!“

„Und was?“

Der Raum war nun schon um mehr als die Hälfte mit Wasser gefüllt und er hatte Mühe seinen Kopf über Wasser zu halten. Ein Ost-Ra ist halt kein guter Schwimmer, außerdem drückten die Wassermassen ihn zusehends nach unten.

„Du bist der Planetenwächter, also tu etwas!“

„Ich bin überrascht, wirklich. Mein ganzes Leben lang bist Du in meinem Körper und hast keine Ahnung, was ich als Planetenwächter kann?“

„Natürlich weiß ich das.“

„Wo ist dann das Problem? Nutze meine Fähigkeiten, schließlich hast Du die Kontrolle.“

„DU wirst ertrinken, ich werde Deinen toten Körper verlassen und einen neuen suchen!“

„Das mag sein. Aber weißt Du was? Es ist mir egal. Denn wenn ich sterbe, dann auch Du. Gut, vielleicht nicht gleich, aber irgendwann.“

Das hatte gesessen. Einen Moment war es still. Er überlegte.

„Ich weiß nicht wie das geeehhhht!“

„Dann gib mir die Kontrolle über meinen Körper zurück!“

„NEIN! Niemals!“

„Tja… es war nicht schön, Dich gekannt zu haben, Keletek.“

Die Decke kam immer näher und der Druck, der ihn unter Wasser zerrte, wurde immer stärker.

„Na, gut...“ sprach er und Zeenpha fühlte wie er wieder die Kontrolle zurückbekam.

„Geht doch!“

Zeenpha tauchte unter und spreizte seine Flügel. Mit einem scharfen Zischen schnellten zwei Federgeschosse auf die Wand vor ihm. Ein kurzes Erzittern später und Zeenpha wurde mit einem riesigen Wasserschwall in den Gang gespült. Zeit sich zu orientieren blieb ihm allerdings nicht, das Wasser schoss den abschüssigen Gang entlang und nahm ihn dummerweise dabei mit. Mehrmals versuchte er sich irgendwo festzukrallen, aber er fand einfach keinen Halt.

„Vom Regen in die Traufe. Super gemacht, oh Du allmächtiger Planetenwächter!“

„Sei doch still...“

Der Wasserstrom raste immer weiter die Gänge entlang und verband sich mit einem natürlichen unterirdischen Fluss, der endlich in einem genauso unterirdischen See endete. Zeenpha fiel in paar Meter den Wasserfall hinab und tauchte schließlich unter. Zum Glück gab es hier einen Auftrieb, der seinen schweren Körper an die Oberfläche treiben ließ. Er sah sich nach einem Ufer um, aber in der Dunkelheit war nicht viel zu erkennen. Es blieb nichts anderes üblich, als in irgendeine Richtung zu schwimmen, was kein schöner Anblick war. Dann, nach einigen Metern, berührte schlammigen Boden unter sich. Mit letzter Kraft schleppte er sich ans Ufer und blieb dort erschöpft für eine Weile liegen.

„Dann kann ich ja wieder...“

Zeenpha spürte, wie ihm die Kontrolle wieder entzogen wurde. Jetzt war ER wieder am Zug.

„Du bist ein Arsch, weißt Du das?“

„Ich habe noch einiges zu tun. Ich hoffe, Du verstehst das.“

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Re: Psycho-Dragons Reisen

#120 Beitragvon Silverdrak » So 20 Nov, 2016 21:06

Grelles gleißendes Licht strahlte ihm entgegen als er eine weitere Welt betrat.

~Bitte verschone diese Welt, schwarzer Drache. Hier ist nichts für dich. Die die du suchst sind nicht hier. Weder die eine noch die andere. Hinterlasse dein Zeichen, wenn du das wünschst, aber bitte sieh von sinnloser Gewalt ab. Wie auch immer du dich entscheidest, sei dir bewusst, dass wir diese Welt bis zum Letzten verteidigen werden.~

Die glockenklare Stimme hallte noch eine Weile in seinem Geist nach. Da hatte wohl jemand Unterstützung von ganz oben.
Ob man inzwischen Jagd auf ihn machte? Dass er reihenweise Welten unterwarf, musste sich mittlerweile rumgesprochen haben. Andererseits hatte er bislang nicht den Eindruck, dass man ihm viel entgegensetzte. Firnor kniff die Augen zusammen, um den Besitzer der Stimme genauer zu mustern. Diese wusste zumindest Bescheid über sein kommen. Aber sie wollte sich offenbar lediglich verteidigen. Vielleicht gehörte diese Welt einfach zu einem besonders fürsorglichen Schöpfer.

Es dauerte bis sich seine Augen an den grellen Schein gewöhnt hatten und selbst dann konnte er kaum etwas erkennen. Die Stimme gehörte zu einem Einhorn ähnlichem Wesen. Es war elegant aber keineswegs zierlich. Es würde sich wehren können. Auf der Stirn trug es auch kein Horn sondern eher sowas wie ein kunstvoll geschwungenes Schwert. Eine edle Mähne zierte den Hals, der Körper war mit Schuppenartigen Platten besetzt. Sie schienen metallisch zu schimmern. Über die Färbung konnte er nichts sagen, dafür war das Licht zu grell. Das war ganz klar der Wächter dieser Welt. Das war selten. Meist traten sie ihm erst entgegen, wenn es schon zu spät war. Er oder besser sie stand jedoch stolz in erhabener Pose und zu tiefst entschlossen vor ihm.
Viel sonst, konnte Firnor nicht erkennen. Da waren Schemen in dem gleißenden Licht. Er vermutete, dass das volle Aufgebot des Planeten hinter dem Licht versteckt war. Larok wartete am Riss. Der Chaosdrache blockierte den Durchgang.

Der Planetenwächter beobachtete ihn ruhig, aber doch angespannt. Und Firnor ließ sich Zeit. Der Wind wehte. Staub wirbelte zwischen ihnen über den Boden. Das Einhorn hielt dem Geduldsspiel stand, doch hinter der Wand aus Licht wurde es langsam unruhig. Alle waren bemüht leise zu sein, doch lange stillstehen konnten die wenigsten. Auch so wusste Firnor, dass wohl die ganze Bevölkerung des Planeten an diesem Ort versammelt war. Er hatte seine Tentakel ausgeschickt um sich ein Bild zu machen. Er war sich sicher, dass der Planetenwächter das wusste und darauf spekulierte, dass er verstehen würde, dass der Kampfeinstieg ziemlich hart werden würde. Letztlich musste sein Heer durch ein 'Schlüsselloch'. Der Drache musste grinsen, als ihm ein Speer vor die Füße klappte, der daraufhin hastig zurück ins Licht gezogen wurde. Nervöses Raunen kam kurz auf, das durch Zisch-Laute wieder abgestellt wurde.
Der Planetenwächter tat so als wäre nichts passiert, während Firnor überlegte, ob er sich der Herausforderung stellen sollte. Es reizte ihn schon. Es war mal etwas Anspruchsvolles. Früher wäre er sicher drauf eingestiegen... doch er brauchte sein Heer noch. Die Verluste waren den Gewinn nicht wert. Er glaubte dem Planetenwächter, wenn er sagte, dass er hier nicht fand was er suchte. Er verströmte unheimlich viel Lichtenergie. So malte er die Zeichen in den Boden, die er auf jeder Welt hinterließ. Anschließend wandte er sich wortlos um und drängte Larok zurück ins Dazwischen. Dieser sah den Drachen verwirrt an. Was war da passiert? Die Worte des Wächters waren nur an Firnor gegangen. Er musterte seinen Herrn nachdenklich. Das war nun die zweite 'heile' Welt, die er kampflos zurückließ. Früher waren ihm diese die liebsten Opfer. Es waren die Welten in denen man am meisten zerstören konnte. Das war nicht normal. Dennoch folgte er ihm.

Kurze Zeit später betrat der schwarze Drache eine andere Welt. Er wollte auf jeden Fall heute eine erobern. Oder zumindest damit anfangen. Wie schnell eine Eroberung von statten ging, hing natürlich immer von seinen Bewohnern, deren Entwicklungsstand und auch von ihrem Planetenwächter ab. Wenn es nicht bald wieder ein Gemetzel gab, wurde sein Gefolge unwirsch.
Diese Welt bot das pure Gegenteil von der, wo er zuvor war. Es war dunkel. Der Himmel war voller tief schwarzer Wolken, die Luft voller Russ. Als er seinen Blick schweifen ließ, schoss ein Laserstrahl auf ihn zu und hinterließ eine lange gerade, klaffende Wunde in seiner Seite. Firnor beobachtete etwas perplex wie sich der untere Teil seiner linken Flanke einheitlich rot färbte, von dem Blut, das aus der Verletzung strömte. Er konnte wohl von Glück reden, dass der gerade in einer unwillkürlichen Bewegung die Flügel kurz angehoben hatte um sie neu zu falten und anzulegen, sonst hätte es vermutlich seinen Flügel zerfetzt. Etwas dass er genauso wenig schätzte wie Silvi. Zu Fuss kam man furchtbar langsam voran. Arasyl schrie wie am Spieß. Es war immer noch sein Körper. Firnor ignorierte das und schnaufte einmal. Das konnte ja passieren. Immerhin war er gerade erst aus dem Spalt getreten. Gerade als er sich erneut ein Bild von der Umgebung mache wollte, sauste ein weiterer Laserstrahl unter ihm hin durch. Die Tentakel konnten nicht schreien, aber anhand der Reaktion erkannte er, dass sie getroffen wurden. Auch sie fühlten eine gewisse Art von Schmerz. Als wenig später ein anderer Laserstrahl an dem Schutzschild seines Rissdämons abprallte - nach dem er ihn schon einmal fast verloren hatte, hatte er die kleine Kreatur mit einem magischen Schild versehen - und seinen Kopf knapp verfehlte, reichte es ihm. Er hasste fortschrittliche Welten. Und überhaupt welch eine Respektlosigkeit! Wusste die denn nicht, wen sie vor sich hatten?! Seine wirbelnden gelben Augen begannen grell zu leuchten. Larok der kurz hinter ihm aus dem Spalt getreten war, breitete die Arme aus und drängte alle wieder zurück.
Firnor sog so viel Luft ein wie er konnte, dann drehte er seinen Kopf so weit nach hinten wie er konnte und ließ einen Strahl gebündelter schwarzer Energie los, den er einmal im Kreis von rechts nach Links um sich herum zog und wieder zurück. Böse funkelte er in die Umgebung und sandte einen Klingensturm hinterher, für den Fall, dass das jemand überlebt haben sollte. Rund um ihn herum stand alles in Flammen. Überall explodierte etwas. Die Luft war kaum atembar.

"LAROK!", brüllte der Chaosdrache immer noch wütend. Der Dämon eilte herbei. "Ich will, dass ihr sie in die Steinzeit zurück schickt! Fangt mit rot an." Er wies auf die flatternden Fahnen rechts von ihm, da war der erste Laserstrahl hergekommen. "Dann die Blauen." Er wies nach links. Offensichtlich befand man sich hier bereits im Krieg. "Und dann..." Er blickte hinter sich, konnte aber nichts markantes erkennen. "...dann den Rest!"
Larok nickte finster grinsend. "Und Larok...!" Der Dämon wandte sich noch einmal um. "Keine Gefangenen!" Der Dämon nickte und begann Befehle zu brüllen.

Firnor musterte indes seine Verletzung. Tut mir leid für dich. meinte er zu dem schmerzgeplagten Arasyl. Aber wir verlieren zu viel Blut. Und er war hier noch lange nicht fertig. Die sollte lernen was es hieß ihn so respektlos gegenüberzutreten. Der gefangene Planetenwächter war zunächst irritiert. Was sollte das Mitgefühl? Das hatte er sonst auch nicht und sie hatte schon einige Verletzungen überstanden. Doch dann begriff er es. Der Drache ritzte sich die Zeichen des Wiederherstellungszaubers in den Körper und sprach die magischen Worte dann aus. Der Zauber stelle den Körper wieder her, doch er war niemals als Heilzauber gedacht. Er arbeitete präzise aber sehr langsam und hatte dabei keinerlei schmerzlindernden Eigenschaften. Er stellte zuverlässig Fleisch und Nerven wieder her, wie als wäre nichts gewesen. Die Schmerzen, die der Wächter jetzt spürte, waren nichts im Vergleich zu denen, die er vorher hatte. Wenn der Drache seinen Körper nicht kontrollieren würde, wäre er vermutlich an dem Schock, den die Qualen auslösten gestorben.

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Eine Katze? Damit hatte Silvi nun eher nicht gerechnet. Ob sie sich hier her verirrt hatte? Oder lebte sie hier? Nicht weniger verwundert legte die Drachin den Kopf schief als sie offenbar versuchte sie zu imitieren. Gerade als sie die Katze ansprechen wollte, rauschte Zephir an ihr vorbei. "Wo kommst du auf einmal her?", konnte sie nur stammeln. Die Ereignisse überschlugen sich, denn einen Augenblick später purzelte ein Raptor aus der Decke und landete auf der verständlicherweise erschrockenen und entsetzten Katze. "Wow wow wow! Immer mit der Ruhe! Er meint es bestimmt nicht böse." versuchte die Silberdrachin die Katze zu beruhigen und schob sich zwischen oder über die beiden. Es war nicht viel Platz in dem Gang . "Vortex, alles in Ordnung." Der Raptor kam nur langsam zu sich. Kurzer Hand schöpfte sie etwas Wasser von der Wand ab und goss es über den Raptor. Sie wusste dass das manchmal half. Besorgt beobachtete sie den kleinen Freund. Hoffentlich hatte er sich nichts getan, er stammelte wirres Zeug vor sich hin.

Auch Serasky beäugte Vortex einen Moment besorgt. Er war Zephir einfach ausgewichen, wie er es immer tat. Man musste sich schon ernsthaft anstrengen, wenn man mit ihm kollidieren wollte. Kurz schweifte sein Blick über die Runde. Es war unnötig, denn er wusste, dass ihn keiner beachtete. Alle Aufmerksamkeit lag auf dem verstörten Raptor. Sein Blick ging zu der Wand mit dem Wasser. Er wusste das es so wie er es versuchte niemals funktionieren würde. Eigentlich wusste er nicht warum er vorgeschlagen hatte zu helfen. Er vergewisserte sich noch einmal, dass ihn keiner beachtete, dann fixierte sein Blick die Wand. Seine Augen begannen blau zu glühen und die sonst pfeilförmige Schwanzspitze schnappte zu einer Gabel um, zwischen der sich eine blaue Energiekugel bildete. Das Wasser an der Wand blieb augenblicklich stehen, wie als wäre die Zeit angehalten, doch das war sie nicht. Zu nächst bewegte sich das starre Wasser von der Wand waagerecht weg, doch dann verformt es sich, sammelte sich zu einer Kugel. Ein Energiefeld bildete sich darum. Im nächsten Moment, schien die Zeit weiterzulaufen. Klatschend begann das Wasser wieder an der Wand entlang zulaufen. Irritiert von dem Unregelmäßigen Geräusch, warf Silvi kurz einen Seitenblick über die Schulter war aber gleich wieder bei dem Raptor. "Beruhig dich. Warum sollte Zeenpha so etwas tun?"

Gelassen betrachtete Sky die Wasserkugel, die nun neben ihm schwebte. Sie war größer als er selbst. Das glühen der Augen und die Energiekugel zwischen den Schwanzspitzen war verschwunden. Er wartete noch einen Moment, dann räusperte er sich. Silvi sah sich zu ihm um. "Oh, tut mir leid, ich hab dich ganz vergessen.", meinte sie zerknirscht als sie den kleinen Drachen beobachtete wie er angestrengt die Wasserkugel neben sich schweben ließ. "Fantastisch! Du hast es geschafft."
"Ich kann das Ding nicht Ewig halten.", meinte Sky angespannt.
"Klar." rasch sah sie sich nach Vortex um, schnappte den zappelnden Raptor und setzte ihn auf ihrem Rücken ab. "Wir holen rasch das Artefakt. Es ist ganz in der Nähe und dann schauen wir nach Zeenpha." Sky ließ sich auf ihrem Kopf nieder. Die Wasserkugel folgte ihm träge.
Kurz wandte sich die Silberne noch einmal um. "Du kannst mitkommen, wenn du magst.", sie war nicht sicher, ob die Katze sie verstand. "Nicht wieder einfach verschwinden!", meinte sie dann an Zephir gerichtet. Dann kehrte sie rasch zu der Tür zurück.
Sky buxierte die Kugel über die Schalenartige Auswölbung in der Tür und hob das Kraftfeld auf, worauf sich dessen Inhalt hinein ergoss und in der Öffnung verschwand. Das meiste jedenfalls, ein Teil platschte dran vorbei. Doch offenbar war es genug. Blaue Linien huschten über die Tür. Der ausgedörrte Fluss der Abbildung schien voller sprudelndem Wasser, über die trockenen Felder ergoss sich Regeln. Silvi beobachtete das Schauspiel fasziniert. Es endete jedoch abrupt, als sich die Tür einfach in den Boden wegschob und den Weg in eine gewaltige Kammer freigab. Die magnetischen Kräfte waren hier um ein vielfaches stärker. Das Artefakt konnte nicht weit weg sein. Wofür diese gewaltige Kammer wohl gut war. Es führten Gänge heraus. An der einen Seite befand sich ein gewaltiger Schacht. Die Drachin musste sich echt anstrengen, um bis zum Boden zu sehen. Eilig zog sie sich davon zurück, sie wollte da keines Falls hinabstürzen. Nicht mit ihrem kaputten Flügel. Ein unentwegtes Tropfen und Platschen war zuhören. Die Echos halten durch die Kammer, doch es war kein Wasser zusehen. Nachdenklich blickte sie nach oben und runzelte die Stirn. Die Decke war düster, hatte jedoch einen seltsamen Schimmer und eine Spiegelung. Plötzlich verschwamm das Bild.
"Ist das..." die Drachin richtete sich auf die Hinterbeine auf, wobei der Raptor von ihrem Rücken rutschte, und tastete nach der merkwürdigen Oberfläche. Ihre Krallen verschwanden darin. Es war Wasser. Mit der Hand zog sie etwas Wasser heraus. Es schwebte eine Weile in dicken Tropfen in der Luft und tropfte dann zurück in das Wasser an der Decke. Silvi musterte die Kammer. Das war eine ganze Menge Wasser. Auf der anderen Seite glaubte sie einen weiteren Schacht zu erkennen. Eine riesige Wasserkugel schwebte dort hinauf, Richtung Decke. Vielleicht war der Raum als Reservoir gedacht. Sky hatte, den nach wie vor schlafenden, Fail mit einem Kraftfeld umgeben, nur zur Sicherheit.

Von der Decke fasziniert schritt sie weiter voran. Das hätte Firnor definitiv gefallen. Vor dem Wasser hatte sie keine Angst. Wenn es sein musste, könnte sie Unterwasser atmen, auch wenn ihr das auf Dauer aufs Gemüt schlug. Bei ihren Begleitern sah das eventuell anders aus, daher beschloss sie die Kammer lieber rasch zu verlassen. Durch einen kurzen Gang erreichte sie ein Labyrinth aus wirren Treppen. Hier schien es kein richtiges Oben oder Unten zu geben. Sie musste schmunzeln. "Hier hätte es ihm gefallen...", murmelte sie vor sich hin während sie die Treppen quasi hinauf schwebte. Sowohl das Oben als auch das Unten zogen sie an. Ihr Energiekristall half ein wenig nach. Leichtfüssig schwebte sie die Treppen dahin und vergaß dabei fasst ihre Begleiter. An einem Durchgang stoppte sie abrupt. Was war das für ein Duft? Oh, sie wusste ganz genau was das war. Zielstrebig folgte sie ihm und fand sich in der Schatzkammer wieder. Fasziniert betrachtete sie die schwebenden Münzen. Im vorbeigehen knusperte sie ein paar Edelsteine und Silbermünzen an denen sie vorbei kam. In der Ferne hörte sie ein Krachen und Klirren. Es kam wohl vom anderen Ende der Kammer, durch den Geschmeide-Nebel konnte man allerdings nicht wirklich was erkennen.

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"Oh, die sind aber zickig...", brummte Flir, als sie neben Luarcis außerhalb der Schatzkammer wieder auftauchte. So angriffslustigen Schätzen war sie noch nie begegnet. Envy und Flir begleiteten den weißen Drachen weiter durch das Labyrinth aus Treppen bis er schließlich ins nichts sprang.
"Ohne mich..." Das war zu viel. Envy, leicht grün um die Nase, flatterte vom Rücken des Großen und landete auf einer der Treppen, wo er sich erst mal übergeben musste. Die magnetischen Kräfte bekamen seinem Magen so gar nicht.
Flir erschien neben ihm und tätschelte ihn sanft. "Armer Envy"
"Ich hab doch gesagt, mir ist schlecht.", beklagte sich der schwarze und kauerte sich erst mal in einer Ecke zusammen. Stand dann jedoch wieder auf. "Ich muss hier weg." Langsam und vorsichtig schob er sich die Wand entlang und die, für die Echsen, riesigen Stufen hinunter, bemüht keine zu schnellen oder schwunghaften Bewegungen zu machen. Flir begleitete ihn.
Dann war da eine Erschütterung. Die kleinen Drachen purzelten ein paar der Stufen herab.
Envy seufzte als die magnetische Kräfte nachließen. "Viel besser." Dann sah er Flirs erschrockenen Blick und beobachtete genauso entsetzt wie der kleine rote Kristall, in dem sie den Wüstendämon gesperrt hatten, die Stufen hinab hüpfte. Er hatte sich in einer illusionären Tasche befunden, die Flir umhängen hatte, bis sie eben vor Schreck die Illusion fallen ließ. Der Edelstein rollte ein ganzes Stück und blieb dann liegen.
"Puh, noch mal Glück gehabt.", meinte Envy, während Flir nur ein fatales "Ups." über die Lippen brachte und rasch zu Envy lief. "Wir müssen hier weg."
"Warum? Es ist doch alles -" RUMS! krachte ein Steinblock auf den Edelstein. "...ja, ja. Wir sollten hier definitiv weg.", pflichtete ihr Envy hastig bei. Er vergaß immer wieder, dass sie eine Art Gefahrensinn hatte, der sie wenige Sekunden in die Zukunft blicken ließ. Er klammerte sich an die Feendrachin, die sich gleich darauf wegblinzelte.

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Tsi sauste durch die Gänge. Weit und breit waren keine Raptoren in sich. Im dahin rauschen bemerkte sie etwas und stoppte, schwebte ein Stück zurück und musterte eine Wand in einem Seitengang. Sie zeigte eine Abbildung von Menschen. Zu sehen war eine weite dünige Landschaft, in der sich windmühlenartige Gebäude befanden und da waren zahlreiche Löcher. Eine Bewegung darin zog ihre Aufmerksamkeit auf sich. Neugierig beäugte sie sie näher. Es schienen Rotoren zu sein, die durch ihre Flügelschläge träge in Bewegung gerieten. Sie flatterte etwas stärker, plötzlich bewegten sich blaue Linien über die Wand. Aufgeregt schwebte sie etwas zurück um das Schauspeil besser betrachten zu können. Doch es stoppte. Als sie wieder näher schwebte begann es langsam wieder. Nachdenklich krallte sich Tsi an eines der Löcher und fächelte Luft hinein. Gleich waren da wieder Linien. Okay, verstanden! Die Sonnendrachin flatterte etwas von der Wand weg. Dann konzentrierte sie sich, die roten Zotteln an ihrem Rücken begannen zu glühen und wenig später rauschte ein Windzug an ihr vorbei auf die Wand zu. Ein leises Pfeifen und Surren war zu hören. Begeistert beobachtete sie, wie die Windmühlen der Abbildung sich zu drehen begannen, Wolken erschienen am Himmel, brachten der dürren Wüste Regen. Dann war es zu Ende und die Wand gab den Weg in einen Raum frei. Ein Windstoß kam ihr entgegen. Es war etwas zugig und kühl. Ein steter Windzug ließ sie etwas frösteln. War das ein Lüftungssystem? Damit kannte sie sich aus. Der Raum hatte keinen großen Ausgang, aber viele kleine. Große Wesen würden dort nicht durch passen, aber für sie waren sie nahezu perfekt. An einer der Wände blinkten Symbole und es schien eine Art Schaltplan abgebildet zu sein.
Vorsichtig tippte sie eines der Symbole an. Der Grundriss des Schaltplans veränderte sich, wurde etwas kleiner. Sie tippte auf eine der Linie im Plan. Diese verschwand und sie hatte den Eindruck, dass sich der Windzug, um sie herum, verändert hatte. Sie tippte erneut auf die Stelle und die Linie erschien wieder. Der Windzug ändere sich erneut. Den großen wäre es vermutlich nicht aufgefallen, aber einer Drachin, die sich quasi hauptsächlich in der Luft befand, fiel es sofort auf. Begeistert gluckte sie vor sich hin. Das war ein Schaltraum für die Belüftung. Sie musste Silvi unbedingt davon überzeugen, dass ihren Höhlen sowas auch brauchten. Das würde alles viel viel einfacher machen.

Augenblicklich machte sie sich auf sie zu suchen. Dazu schwebte sie in einen der kleinen Gänge. Er war ziemlich verwinkelt, doch schließlich erreichte sie einen Ort mit vielen Treppen. Das war komisch. Sie wusste gar nicht so recht so sie hin sollte. Ihr wurde ganz schwindelig. Verzweifelt versuchte sie sich in der Luft zu halten doch sie wurde immer wieder zu den Treppen gezogen. Schließlich schwebte sie über einem dunklen nichts. Ein Blick nach unten gab ihr ein schlechtes Gefühl, also schwebte sie nach oben. Da war Licht. Bald erreichte sie vier Öffnungen die alle nach Draußen führten, in die gleißende Sonne der Wüste. Erleichtert dem doch gruseligen Ort entkommen zu sein, ließ sie sich auf der Spitze der Pyramide nieder und genoss die Sonnenstrahlen.

Flir und Envy erschienen kurze Zeit später neben ihr. "Huch, ich dachte du wärst bei den andern.", meinte Flir überrascht. Envy brummte verstimmt. "Gibt es auf dieser Welt denn gar keinen angenehmen Ort? Viel zu heiß."
"Dir kann man heute aber auch gar nichts recht machen.", kommentierte die Feendrachin das und ließ einen Sonnenschirm erscheinen, wo durch sie sich gleich eine Schelle von Tsi einfing.
"Okay, okay, okay..." eilig schob sie den Schirm so, dass die Sonnendrachin nicht mehr abgeschirmt war. "Was machen wir jetzt?"
"Warten. Sollen die Großen ihren Kram alleine regeln." Envy hatte für heute genug.

=---

Silvi stöberte weiter in der Schatzkammer herum, aber nichts wirkte wie das Artefakt, das sie suchte. Etwas anderes fiel ihr ins Auge. Ein Schlüssel, er war nicht sonderlich groß, aber reich verziert und verschnörkelt. Wofür der wohl gut war? Auf die Schnelle und durch die Münzen in der Luft, konnte sie nichts erkennen. Vielleicht war er später von nutzen. So stopfte sie ihn in ihren Beutel.

Dann war da eine Erschütterung. Das Edelmetall klirrte. "Was war das?" Von der Kugel aus Goldmünzen, die von der anderen Seite der Kammer auf sie zu steuerte, bekam sie nichts mehr mit, denn mit einem mal prasselte alles was zuvor in der Luft geschwebt hatte auf den Boden herab. Sky umgab sich und alle Begleiter mit einem Schild, solange der Regen wehrte. Die magnetischen Kräfte waren weg. Silvi sah sich nervös um, das Poltern ließ nicht nach und ließ auf nichts Gutes schließen. Es schien nur noch schlimmer zu werden. Was war da los? Unruhig trat sie von einem Fuß auf den anderen.

Sky hatte Lus Warnung aufgefangen und an alle weitergeleitet, die nicht im Raum waren. Er musterte seine silberne Freundin besorgt. Ohne den schwarzen Drachen war sie viel ängstlicher, wenn sie drohte verschüttet zu werden. Einen Moment ging sein Blick ins Leere. Er seufzte. "Ich hätte den Kristall in einen Ozean werfen sollen...", murmelte er vor sich hin, dann ging sein Blick wieder zu Silvi. Einen Augenblick später saß er auf ihrer Nase. "Bitte setz dich hin."
"Warum?" misstrauisch beobachtete sie die wackelnden Mauern.
"Tus einfach."
Zögerlich ließ sich die Drachin nieder und sah den kleinen Drachen an.
"Luarcis hat das Artefakt, aber dadurch, dass er es an sich genommen hat, stürzt nun die Pyramide ein. Wir...", weiter kam er nicht mehr. Die Silberdrachin war panisch aufgesprungen. Ein scharfes schmerzverzerrtes Kreischen entfuhr ihr, als sie, ihrem Fluchtreflex folgend, die Flügel aufspreizte.
"Beruhig dich, bitte." sprach Sky auf sie ein. Er konnte sich und Fail nur dank seiner Fähigkeiten auf Position halten. Schätze flogen umher, die durch die Bewegung und den peitschenden Schweif aufgewirbelt wurden. "Bitte, du musst dich beruhigen.", wiederholte er ruhig. Es gab gar keinen Grund zur Panik.
Als er merkte, dass er so nicht durchdrang, schlug er eine andere Tonart an. "Beruhig dich!" Diesmal war es keine Bitte, sondern ein Befehl. Seine Augen leuchteten kurz auf und seine Schwanzspitze schien kurz zu zucken. Augenblicklich erstarrte die Drachin. Er seufzte. "Wir gehen durch das Dazwischen.", erklärte er gelassen.

Die Anspannung verließ Silvi. Sie ließ sich auf den Hintern fallen. Natürlich ging sie durch das Dazwischen. Wieso war sie so in Panik geraden? Was war nur mit ihr los? Sie schüttelte verwirrt den Kopf und atmete ein paar Mal tiefdurch. Jetzt fühlte sie sich plötzlich entsetzlich erschöpft. Die Zähne zusammen beißend, faltete sie die Flügel wieder zusammen. Dann erhob sie sich. Die ersten Steine krachten von der Decke. Sie öffnete einen Durchgang, der sie und ihre Begleiter hinaus, ein paar Kilometer entfernt von der Pyramide auf die Dünen der Wüste brachte. Die Sonne brannte nun wieder unerbittlich auf ihre Schuppen. Rasch wandte sie sich der Pyramide zu und suchte die Umgebung ab.

Magan und Ragnaroek hatten sich bereits von der Pyramide entfernt und steuerten ihre Richtung an als sie sie entdeckten. Wenige Momente später erschien auch Flir bei ihnen. Sie brachte Tsi und Envy mit, der sich gleich unter der Drachin im Schatten niederließ.

Das waren nicht alle. "Wo sind Zeenpha, Seriva, ... Lu ...?", fragte Silvi besorgt während sie versucht sich einen Überblick zu verschaffen.
"Zeenpha und Seriva sind nicht in Gefahr. Ich... sehe Wasser. Aber Luarcis ist noch in der Pyramide."
Eilig nahm Silvi Fail vom Kopf und legte ihn auf dem Sand ab. Sky umgab ihn rasch mit einem Schild. Wenn die Feuerechse wach war, war Sand kein Problem, aber solange er Bewusstlos war, konnte es ihn verschütten und seine Feuer löschen, was für ihn den Tod bedeuten konnte, wenn man das Feuer nicht schnell wieder entzünden konnte.

"Du passt auf ihn auf!" wies Silvi Sky an. Der blinzelte ein 'natürlich'. Dann lief die Drachin los und war im nächsten Moment verschwunden. Envy schnaubte verstimmt. Sein Schatten war schon wieder weg.
Silvi erschien aus der Wand des Ganges in dem sich Lu gerade befand und rammte ihn förmlich ungebremst gegen die gegenüberliegende Wand, wo sie ihn ins Dazwischen schob. Kurz drauf purzelten die Beiden aus einer Öffnung in die Dünen.
"Aua..." Sand spuckend, schob sie den weißen Drachen, der mehr oder weniger weich auf ihr gelandet war, von sich runter und rappelte sich wieder auf. Im nächsten Moment krachte die Pyramide gänzlich in sich zusammen. Sie musterte die Überreste einen Moment entsetzt. Das war knapp. Seriva! Zeenpha! Sie sah zu Sky. Er sagte, sie wäre nicht in Gefahr.
"Sie sind nah zusammen." Er zögerte einen Moment und ergänzte dann: "Sei vorsichtig." Ihm war die fremde Präsents in dem Raptor nicht entgangen.

"Okay." Die Drachin atmete erneut kurz tief durch, dann setzte sie sich ein weiteres Mal in Bewegung. "Zu Seriva...", murmelte sie konzentrierte und schwupps platschte sie ins Wasser des unterirdischen Sees. Das Gewicht des Silbers zog sie sofort runter. Sie seufzte innerlich. Mit Flügeln war schwimmen einfacher. Angestrengt versuchte sie in dem dunklen Wasser etwas zu erkennen. Alles war verschwommen. Am Grund angekommen, bewegte sie sich in die Richtung, in der sie glaubte, dass das Wasser flacher wurde.

=---

Es hatte ein paar Tage gedauert, doch inzwischen war so gut wie alles Leben auf dieser tristen Welt ausgelöscht. Der Planetenwächter lag in Ketten. Firnor musterte den dunklen Drachen. Während er ihn umrundete, strichen seine Finger den Körper entlang. Der Wächter spie ihm wüste Flüche in einer Sprache entgegen, die er nicht kannte. Aber das interessierte den Chaosdrachen nicht. Erneut zogen seine Klauen lange Striemen in das Fleisch des Drachen und er beobachtete, wie sie sichtbar heilten.

Schau Arasyl, so muss das sein. Nicht wie das da. Er betrachtete eine Verletzung an seinem Arm die eher entzündet wirkte, als auf dem Weg der Besserung. Erneut schritt er um den Drachen herum. Der Körper reizte ihn, doch befürchtete er, dass dieser seine Energie nicht vertragen würde. Der Drache war finster. Darum war auch seine Welt so finster, doch war er es nicht durch und durch. Er war nicht wie der Chaosdrache oder Larok. In ihm steckte ein Schatten, der seine Seele gefangen hielt. Er hatte das in der Vergangenheit oft genug gesehen. Wenn der fort war, war der Körper für ihn vermutlich ungeeignet. Doch der Schatten musste weg. Er wollte sich nicht mit zwei Nervensägen herumschlagen müssen. Ihm reichte eine. Unentschlossen setzte er sich hin.

Larok beobachtete ihn aus der Ferne.

Nein, der Schatten musste weg. Angestrengt konzentrierte er Lichtenergie in seinen Pranken und warf sie schließlich auf den Drachen. Der schrie auf, doch wenig später verschwand der dunkle Schleier von der Haut des Drachen. Erst jetzt konnte man erkennen, dass er eigentlich hellblau gefärbt war. Die dichte Wolkendecke brach langsam auf.

Der Dämon starrte den Drachen an. Lichtenergie? Chaosdrachen konnten viele kranke Sachen, aber das? Nun unmöglich war es nicht, aber er hatte Firnor sowas noch nie tun sehen. Misstrauisch verschränkte er die Arme. Warum tat er das? Half er dem Drachen etwa?

Zögerlich ging Firnor erneut auf den Drachen zu und legte kurz seine Hand auf seinen Nacken. Ein dunkler wunder Fleck blieb zurück und verriet ihm, dass dieser Körper seine Energie nicht vertragen würde. Seufzend wandte er sich ab und ging zu Larok.
"Seid ihr soweit? Ich will zurück in die Festung.", meinte der Chaosdrache. Der Dämon nickte und wies auf die sich sammelnden Dämonen, alle bepackt mit Schätzen. Manche zerrten weibliche Wesen mit sich. Firnor kniff die Augen zusammen und sandte seine Klingen nach ihnen aus. Er hatte viel geübt, so dass er mit dem Klingensturm inzwischen sehr zielsicher war. Larok und die ihrer 'Beute' beraubten Dämonen sahen den Drachen verstimmt an. "Ich sagte, keine Gefangenen!", zischte Firnor den Dämon finster an. Larok erwiderte den Blick, schwenkte dann aber zu dem Wächter. Der Drache folgte seinem Blick und hob kurzer Hand den Zauber auf, der den anderen Drachen am Boden ankettete. "Damit sollte der Korrektheit wohl genüge getan sein."
Das war nicht was Larok gewollt hatte. Mit dem Drachen stimmte irgendwas nicht.
"Davon abgesehen, habt ihr ja wohl genug zu Hause. Das andauernde Geschrei, nervt mich. Besser ihr bekommt das in den Griff, sonst räume ich da auch mal auf." Damit schritt er zum Spalt.

Larok sah ihm eine Weile ratlos nach. Ein Grinsen malte sich auf seinem Gesicht ab, als ihm eine Idee kam, was dem Drachen fehlen könnte. Mit neuem Tatendrang beorderte er das Heer durch den Riss in Richtung Heimat.

Zurück blieb ein Planetenwächter, der nicht so recht wusste, ob er glücklich sein sollte, weil er von seinem Schatten befreit wurde oder nicht. Seine Welt war verwüstet. Er musste komplett von Vorne anfangen.
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GPX+ - Squiby - DC-Bingo-Liste - Silvi's Lair
West Weyr Signatur
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